Mit Schallwellen Krebszellen sichtbar machen

VN / 07.07.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit Schallwellen Krebszellen sichtbar machen
Der Doktorand mit seinem Laser. FHV

Der Doktorand verknüpft Schallwellen mit einem Lasermikroskop.

Dornbirn, Satteins Die Akademikerlaufbahn war Felix Wäger bereits in die Wiege gelegt. Vater und Onkel sind Mediziner, der Großvater mütterlicherseits Jurist. “Ich schwankte zwischen Medizin und Mechatronik”, erinnert sich der 27-jährige Satteinser zurück. Den Ausschlag gab dann der Tag der offenen Tür an der Fachhochschule nach der Matura 2013 am BG/BRG Bludenz im Bereich Natur & Technik. In einem halbstündigen Workshop im Maschinenlab lernte man den Umgang mit den verfügbaren Werkzeugen wie der CnC-Fräse. “Das war eigentlich sehr unterhaltsam”, lacht Wäger. Danach war er nicht nur um einen Briefbeschwerer, sondern auch um eine Karriereentscheidung reicher.

Tatsächlich folgte ein Bachelor- und ein Masterstudium an der FH Vorarlberg, inklusive Auslandssemester an der Tennessee Tech University. Die letzten Monate arbeitete der Doktorand im Forschungszentrum Mikrotechnik. Im Zentrum seiner Arbeit stehen ein Lasermikroskop und Schallwellen. “Das große Ziel ist es, es als unterstützendes Mittel in der Pathologie einzusetzen”, erklärt der Student. “Dort könnte es beispielsweise die Unterscheidung von Krebsgewebe und gesunden Zellen ermöglichen.”

Der Basketballsport begleitete den Satteinser auch bis in die USA, hier vor dem Barclays Center in New York, der Heimat der Brooklyn Nets.  <span class="copyright">Wäger</span>
Der Basketballsport begleitete den Satteinser auch bis in die USA, hier vor dem Barclays Center in New York, der Heimat der Brooklyn Nets. Wäger

Das Prinzip klingt einfach: Ein Ultrakurzpulslaser aus dem Hause Spectra-Physics in Rankweil regt akustische Wellen im untersuchten Stoff an. Nur wenige Nanosekunden später werden diese per Lichtblitz belichtet und mit einem Mikroskop fotografiert. “Dieses hält die erzeugten Druckwellen in einem Bereich von circa 20-100 Mikrometer – das entspricht dem Durchmesser des menschlichen Haars – fest. Daraus lassen sich Schallgeschwindigkeiten ermitteln und Rückschlüsse auf die elastischen Eigenschaften des Materials ziehen“, informiert der Mechatroniker Felix Wäger.

Das dies möglich sein müsste, wurde von seinem Projektbetreuer eher zufällig im Rahmen eines Produktionsablaufs entdeckt. Der Beweis der Machbarkeit und technische Umsetzung wurde zu Wägers Doktorarbeit. Dass es in harten Materialien funktioniert, konnte er bereits nach einem halben Jahr beweisen. Ob es in der Krebserkennung ebenso gut funktioniert, muss sich noch zeigen. Mit dem Start-up Prospective Instruments ist er bereits in den Startlöchern, das entgültige Lasermikroskop zu entwickeln. Einen Preis konnte er mit seiner Forschung bereits abstauben: Mit seiner Arbeit “Detection of Acoustic Waves With Pump-Probe Microscopy” hat der Vorarlberger den Student Poster Award im Bereich “Emerging Technologies for Cell and Tissue Characterization” gewonnen.

Abseits des Labors hat es dem Satteinser das Basketball angetan. Seit bald zehn spielt er für die Feldkirch Baskets, sammelte bereits zu Schulzeiten erste Erfahrungen im Teamsport. Während er bis zur Pandemie auf dem Feld stand, konzentriert er sich inzwischen auf die Jugendarbeit für die U19, ist vor allem als Trainer und Schiedsrichter tätig. “Jetzt mit den Lockerungen schauen wir weiter, was sich hier ergibt”, lässt er sich sportlich noch alle Optionen offen. Beruflich will er der Laser- und Medizintechnik treu bleiben, entweder in der Forschung oder Entwicklung.