VN-Stammtisch: Von der Hoffnung, die Entlastung zu erleben

VN / 14.07.2021 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Zutritt zum Stammtisch unter Einhaltung der 3G-Regel. Das Gespräch wird online übertragen.

Dornbirn Gleich zweimal erschütterten in den vergangenen Monaten S18-Nachrichten aus Wien die Marktgemeinde Lustenau. Das erste Mal war im November, als die Asfinag bekanntgab, die CP-Variante weiterzuverfolgen und die Z-Variante als nicht realisierbar fallen zu lassen. Die zweite kam diesen Monat, als Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) bekanntgab, alle höherrangigen Straßenbauprojekte, inklusive S18 erneut evaluieren zu wollen. Seither wird die Diskussion um die S18 lebhaft geführt. Am gestrigen Mittwochabend luden die VN zum Stammtisch ins Theresienheim, um mit Publikum und fünf Diskutanten am Podium das Thema S18 zu diskutieren.

<span class="copyright">Alle Bilder: VN/Paulitsch</span>
Alle Bilder: VN/Paulitsch

Wie die Asfinag überhaupt dazu kam, allein die CP-Variante zu verfolgen, erläuterte Günther Fritz, Regionalprojektleiter der Autobahngesellschaft. Beide Varianten, Z und CP, seien gleich verkehrswirksam. Da CP aber das Natura-2000-Gebiet nur streift, Z hingegen hindurchführt, müsse die Asfinag per Gesetz CP den Vorzug geben, da sie weniger Auswirkungen auf die Natur habe. „Die Z-Variante hat keine Chance auf Genehmigung“, stellte er klar.

„Auf Wunderlösung versteift“

Vorarlbergs Naturschutzanwältin Katharina Lins sprach sich für keine der beiden Lösungen aus. „Man hat sich auf die eine große Wunderlösung versteift, und dabei viele kleinere Lösungen ausgeklammert“, mahnte sie und verwies auf die Länge des Entscheidungsprozesses. „Mit einer pragmatischen Lösung könnte man 40 bis 50 Prozent des Lkw-Verkehrs vom Zollamt wegbekommen“, ist sie sich sicher.

Einen Willen zum Pragmatismus ließ vor allem auch Bürgermeister Kurt Fischer erkennen. Der Rathauschef machte einerseits keinen Hehl daraus, dass er klar die Z-Variante bevorzugt – „die Trassenentscheidung war ein Tiefschlag“ – sah sich aber in der Pflicht, professionell an anderen Lösungen, auch der CP-Variante zu arbeiten, wenn die Z-Trasse nicht möglich ist. Die Politik dürfe die Anrainer der L203 nicht noch weiter enttäuschen, sondern müsse liefern. „Zurück an den Start hieße: Eine Nulllösung für Lustenau auf Jahrzehnte“, erklärte Fischer. Ebenso wie Landesrat Marco Tittler nährte er die Hoffnung auf eine zumindest streckenweise Unterflurlösung auf der CP-Strecke.

Klar war die Haltung des fünften Diskutanten am Podium, Werner Alfare. Der 71-Jährige, der sein ganzes Leben an der L203 wohnte, antwortete auf die Frage, wie denn das Leben an der Landesstraße sei: „Laut und stinkig“. Er forderte eine Lösung in einem vernünftigen Zeitraum.

Und eben hier herrschte die größte Einigkeit unter den Diskutanten im Theresienheim: eine Lösung muss realtiv bald auf Schiene und der Jahrzehnte währende Prozess zum Ende kommen. Auch wenn sich Werner Alfare pessimistisch zeigte, sie noch zu erleben und Bürgermeister Kurt Fischer, gerade 58 geworden, sich bei Startschuss einer Entlastungsstraße bereits in Politikerpension sieht.