Arbeitgeber brauchen neuen ÖGK-Vertreter

VN / 04.01.2022 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Arbeitgeber brauchen neuen ÖGK-Vertreter
Jürgen Kessler (l.) und Manfred Brunner: Dieses ÖGK-Duo ist Geschichte. VN/Stiplovsek

Nach Aufregung um Inserate in Wirtschaftskammer-Zeitung: Jürgen Kessler hat Funktion überraschend zurückgelegt.

Dornbirn Der eine geht, der andere kommt, zumindest war es so gedacht. Turnusmäßig übernahm Jürgen Kessler, Direktor des Wirtschaftsbundes, am 1. Jänner den Vorsitz in der ÖGK-Landesstelle, um sie am Montagabend schon wieder zurückzulegen. Gegenüber den VN gab Kessler persönliche Gründe für diesen Schritt an. Er wolle sich stattdessen stärker auf seine Arbeit als Geschäftsführer im Wirtschaftsbund konzentrieren. Mehr wollte er vorab nicht mitteilen. Wer seine Funktion in der ÖGK-Landesstelle übernimmt, soll demnächst entschieden werden.

Nach der Aufregung um Inserate in der Wirtschaftskammerzeitung, an denen Wirtschaftsbund-Obmann Jürgen Kessler als Miteigentümer der Mediateam Kommunikationsagentur mitverdient, berichteten die VN zuletzt von einer Austrittsserie von Mitgliedern im Wirtschaftsbund.

Konzept in Arbeit

Auf den neuen Arbeitgebervertreter in der ÖGK wartet jedenfalls genug Arbeit. So steht im heurigen Jahr unter anderem das Problem der Wartezeiten bei MRT-Untersuchungen ganz oben auf der Agenda. Das alleine genügt aber nicht. Es gibt auch einen Mangel an Röntgentechnikerinnen und -technikern. Ohne ausreichendes Personal lassen sich MR-Geräte jedoch nicht effizient nutzen. Dies könnte sich zum systemkritischen Faktor in der MRT-Versorgung auswachsen. Damit es nicht soweit kommt, wollen ÖGK und Land mit der FH Vorarlberg und der FH Tirol mehr Ausbildungsplätze schaffen. Ein Konzept ist laut ÖGK bereits in Planung.

Um die Situation bei den Wartezeiten zu verbessern, wird eine Dämpfung bei den Frequenzen angestrebt und dazu eine umfassende Indikationsliste ausgearbeitet. Ziel ist es demnach, die MRT-Geräte um jene Untersuchungen zu entlasten, für die das MR-Gerät nicht das geeignete Diagnoseinstrument ist. Ebenso gilt es nach den Vorstellungen der ÖGK-Landesstelle, immer noch gängige Doppel-Untersuchungen zu vermeiden.

Kampf um regionale Spielräume

Unter Dach und Fach ist der Honorarkatalog der Ärzte. Jürgen Kessler und Manfred Brunner für die Arbeitnehmer haben ihn im Herbst noch gemeinsam verhandelt. Jetzt sind Gespräche mit dem Land bezüglich Mitfinanzierung der geplanten Primärversorgungseinheiten im Gange. Da geht es vor allem um die nichtärztlichen Angebote. Gelingt bald eine Einigung, könnte eine Ausschreibung für die ersten PVEs demnächst erfolgen. Weiter geht es auch in der Harmonisierung von Leistungen. Dem diesbezüglichen Jubel der ÖGK-Spitze kann die Landesvertretung allerdings nicht folgen, speziell wenn es um die Rahmenvereinbarungen für Physio-, Ergo- und Logopädie geht. „Die Verträge eignen sich nicht für jedes Bundesland“, sagt Brunner. Die Situation in Vorarlberg sei eine ganz andere als jene im Burgenland. Nur sehr wenige Therapeuten hätten die neuen Rahmenvereinbarungen unterschrieben: „Laufen deren Verträge aus, haben wir ein Problem bei der Sachleistungsversorgung.“ In dieser Sache will die ÖGK-Landesstelle jedenfalls um ihre regionalen Spielräume kämpfen. Sie will Dienstgebern aber auch im Falle von Lockdowns weiter unter die Arme greifen.

Projekte wie der Ausbau der Psychotherapie, die Einrichtung von Kinderärztezentren in Dornbirn und Feldkirch, die Schaffung eines Lehrpraxismodells auch für die Augenheilkunde sowie die Re-Organisation des Schmerzboards für Patienten von niedergelassenen Ärzten konnten 2021 verwirklicht werden.

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