Eine Herzensangelegenheit

VN / 09.01.2022 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine Herzensangelegenheit
Diese Handpuppe will die HOKI-Koordinatorin bei einer Weiterbildung einsetzen. Caritas

Gisela Rohr koordiniert die Hospizbegleitung für Kinder und Jugendliche.

Dornbirn Vor 17 Jahren verschlug es Gisela Rohr (42) nach Vorarlberg. Der Umzug von Graz nach Dornbirn war dem Job geschuldet. Hier fand sie Arbeit und letztlich auch eine neue Heimat. So vorgesehen war das zwar nicht – geplant war vielmehr eine Rückkehr in die Steiermark – doch davon ist längst nicht mehr die Rede. „Ich fühle mich wohl in Vorarlberg“, sagt Gisela Rohr. Gleiches gilt für ihre drei Kinder. Auch beruflich hat die Psychologin Fuß gefasst. Seit Juli 2021 koordiniert sie die Hospizbegleitung für Kinder und Jugendliche der Caritas, kurz HOKI genannt. „Eine Herzensentscheidung“, wie sie sagt „und eine glückliche Fügung“, wie sie ergänzt. „Ich habe mich schon als Jugendliche mit dem Thema Tod beschäftigt und die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross regelrecht verschlungen“, erzählt Gisela Rohr. Während ihres Studiums engagierte sie sich zudem ehrenamtlich bei der Kinderkrebshilfe und erlebte dort hautnah, wie schmal die Grenze zwischen Leben und Tod häufig ist. Sie berichtet aber auch von sehr vielen positiven und schönen Erfahrungen. Inzwischen ist aus dem Ehrenamt eine hauptberufliche Tätigkeit geworden.

In der Natur findet Gisela Rohr die Kraft, die sie für ihre Tätigkeit braucht.
In der Natur findet Gisela Rohr die Kraft, die sie für ihre Tätigkeit braucht.

Von Kindern lernen

Schon vor ihrem Einstieg als HOKI-Koordinatorin war Gisela Rohr bei der Caritas, damals jedoch als Mitarbeiterin in der Sucht- und Alkoholberatung. Dann legte sie für die eigenen Kinder eine längere Pause ein. Jetzt begleiten sie Kinder auch beruflich. „Hospizarbeit ist vielleicht nicht immer einfach, aber immer bereichernd“, bekräftigt Gisela Rohr. Der Tod werde nur allzu gerne ausgeklammert, aber: „Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit kann sehr viele Ressourcen freisetzen. Wenn man sich damit befasst, hat das positive Auswirkungen auf das eigene Leben, und man kann ganz anders auf Menschen in Trauer zugehen.“ Ein eigenes Kapitel ist die Begleitung von Kindern, die von Tod und Trauer betroffen sind. Was Gisela Rohr auch weiß: „Erwachsene können sehr viel von Kindern lernen.“ Kinder, hat sie erfahren, sagen ganz klar, was sie wollen oder nicht wollen. „Sie sind spontan und ehrlich, und auch in Zeiten von Krankheit, Tod und Trauer hat in ihrem Leben viel Freude und Leichtigkeit einen Platz.“

Gisela Rohr ist nicht nur an ihrem Schreibtisch zu finden. <span class="copyright">Caritas</span>
Gisela Rohr ist nicht nur an ihrem Schreibtisch zu finden. Caritas

Wohltuende Hilfe von außen

Gisela Rohr arbeitet als HOKI-Koordinatorin an vorderster Front. Sie klärt in den Familien ab, was sie brauchen und vermittelt ehrenamtliche Hospizbegleiter. Das Hauptteam besteht aus 17 Ehrenamtlichen und begleitet aktuell 22 Familien. Im vergangenen Jahr wurden 48 Familien unterstützt, bei 17 waren Kinder und Jugendliche lebensbedrohlich erkrankt. Manchmal erfolgt der Erstkontakt über Angehörige, manchmal über soziale Einrichtungen oder Krankenhäuser. „Fast immer sind die Familien jedoch an einem Punkt, an dem sie keine Kraft mehr haben und ihnen Hilfe von außen guttut.“ Das Kennenlernen der Kinder erfolgt häufig über das Spielen. „Da öffnen sich Kinder schnell, fassen Vertrauen und erzählen, was sie beschäftigt“, erlebt Gisela Rohr in dieser Beziehung kaum Berührungsängste. Das Team selbst ist bestens für die Aufgaben geschult und so eine echte Entlastung für die Eltern.

Nach den ersten Monaten des Ankommens in der neuen Tätigkeit hat Gisela Rohr schon reichlich Ideen gesammelt, damit die Kinder aus einem „bunten Strauß verschiedener Zugänge“ auswählen können. „Die Angebote der Waldpädagogik mussten auf Grund von Corona leider zurückgefahren werden“, bedauert Rohr, möchte diese aber auf jeden Fall wieder aufgreifen. Ebenso plant sie Workshops und Weiterbildungen für Freiwillige, die im Übrigen jederzeit willkommen sind.  Die Pandemie stellt auch für ihren Bereich noch immer eine Herausforderung dar. „Wir müssen sehr flexibel agieren“, erklärt Gisela Rohr. Wo Unterstützung nötig ist, wird sie unter Einhaltung der erforderlichen Schutzmaßnahmen aber jederzeit geleistet.

Zur Person

Mag. Gisela Rohr

Alter: 42

Ausbildung: Studium der Psychologie in Graz

Beruf: Psychologin, Koordinatorin Hospizbegleitung für Kinder und Jugendliche bei der Caritas

Wohnort: Dornbirn

Familie: drei Kinder, Tobias (15), Isabella (13) und Philipp (9)

Hobbys: In der Natur sein, vom See bis zum Berg, Musizieren, Lesen, Freunde treffen

Kontakt HOKI: Tel: 05522/200-1112, Mobil: 0676/884205112, hopiz@caritas.at

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