Robert Weber: Das Schlitzohr ohne Ablaufdatum

Sport / 12.01.2022 • 23:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Robert Weber: Das Schlitzohr ohne Ablaufdatum
Der Harder Robert Weber hält sämtliche ÖHB-Bestmarken bei WM- und EM-Endrunden. GEPA

Österreichs EM- und WM-Rekordtorschütze im Handball bestreitet seine neunte Endrunde bei einem Großevent.

Bratislava Robert Weber ist ohne Zweifel der erfolgreichste Handballer Vorarlbergs. Der 36-jährige Harder kann auf eine Vielzahl an Rekorden verweisen und hat großen Anteil daran, dass Österreichs Männerteam in den letzten zwölf Jahren zahlreiche Magic Moments feiern konnte. Bei der heute beginnenden 15. EM-Endrunde in Ungarn und Slowakei wird der Linkshänder als erster ÖHB-Spieler in der Geschichte zum neunten Mal in Folge bei einem Großevent auf dem Parkett stehen. Sofern er ohne Verletzung bleibt, würde Weber im abschließenden Vorrundenspiel am Dienstag (20.30 Uhr) gegen Weißrussland sein 200. A-Länderspiel bestreiten. Schon jetzt scheint der Dauerbrenner mit 197 Teameinsätzen und 863 Volltreffern in den Top fünf der ewigen ÖHB-Bestenliste auf. „Es wäre sicher falsch, würde ich behaupten, dass mich die außergewöhnlichen Zahlen nicht mit Stolz erfüllen. Schon alleine der Umstand, dass ich bereits mein halbes Leben im Nationalteam tätig bin, ist eine ganz besondere Ehre und Auszeichnung.“

Ungeachtet dessen, dass der Goalgetter wegen seiner Treffsicherheit zumeist im Mittelpunkt des Interesses steht, will Weber die Lorbeeren nicht ausschließlich nur seinen Qualitäten zuschreiben: „Natürlich stehen jene Spieler, die viele Tore werfen, öfter im Fokus als andere. Doch Handball ist ein Mannschaftssport und ohne Unterstützung der Nebenspieler wären die beeindruckenden Werte von mir nicht möglich gewesen. Ich sehe mich als Teil der Einheit, der stets versucht, seinen Beitrag zum Gesamterfolg der Mannschaft beizutragen.“

Teamdebüt vor 6265 Tagen

Obwohl der Wuzzlerkönig vom Bodensee mit dem unglaublichen Wurfrepertoire vor 6265 Tagen, beim 30:20-Sieg in Innsbruck gegen Italien am 19. November 2004 sein A-Teamdebüt feierte, kennen die Freude und die Lust nach Toren beim Rechtsaußen scheinbar keine Grenzen. Zusammen mit ÖHB-Langzeitlegende Viktor Szilagyi und Nikola Bilyk ist der Linkshänder sicher jener Spieler, der Österreichs Aufstieg in den erweiterten Kreis der Weltspitze geprägt hat.

In jedem der 48 Endrundenspiele getroffen

Der Mann mit dem magischen linken Handgelenk, der es meisterlich versteht, mit seinem unerschöpflichen Potenzial an Varianten und Trickwürfen die gegnerischen Torhüter zur Verzweiflung zu bringen, war bei allen Finalturnieren mit rot-weiß-roter Beteiligung dabei und schaffte das Kunststück, in allen 26 WM- und 22 EM-Endrundenspielen zumindest ein Tor zu erzielen. Mit 236 Treffern (Schnitt 4,9 pro Länderspiel) seit der EURO 2010 im eigenen Land ist er die überlegene Nummer eins in der internen ÖHB-Statistik bei Großevents.

Dass das Schlitzohr ohne Ablaufdatum nicht nur im Nationalteam, sondern auch auf Vereinesbene zu den Besten der Besten seines Faches zählt, stellt der beim Alpla HC Hard groß gewordene und seit Sommer 2008 in der Deutschen Bundesliga tätige Linkshänder in den 13 Spielperioden in der stärken Liga der Welt unter Beweis. In seinen zehn Saisonen beim SC Magdeburg warf sich Weber mit 2108 Treffen an die Spitze der ewigen Torschützenliste des Traditionsclubs in Sachsen-Anhalt.

„Egal ob neunte Endrunde oder 200. Länderspiel:
Wenn ich auf der Platte stehe, will ich Tore werfen und gewinnen.“

Robert Weber, ÖHB-Rekordtorschütze bei WM- und EM-Endrunden
Robert Weber: Das Schlitzohr ohne Ablaufdatum
EM-Endrunde 2010 in Wien.

Zusammen mit den 111 Treffern bei Balingen (Saison 2008/09) und den Toren in den letzten zwei Jahren für seinen aktuellen Arbeitgeber, die HSG Nordhorn, gehört Weber mit 2454 Treffern zu den fünf erfolgreichsten Torschützen in der ewigen DKH-Bestenliste. In zwölf Saisonen gehörte Weber acht Mal zu den Top-3-Werfern der Liga und krönte sich 2015 mit 271 Treffern in 36 Ligaspielen (Schnitt 7,3 pro Partie) zum Torschützenkönig.

Robert Weber: Das Schlitzohr ohne Ablaufdatum
EM-Endrunde 2014 in Dänemark.
Robert Weber: Das Schlitzohr ohne Ablaufdatum
EM-Endrunde 2018 in Kroatien.

Obwohl der Goalgetter vom Dienst mit Nordhorn-Lingen letzten Sommer in die zweite DKB-Bundesliga abgestiegen ist, ist sein Hunger nach Toren nach wie vor ungebremst: „Mir ist egal, ob es sich um ein Länder- oder Ligaspiel handelt. Wenn ich auf der Platte stehe, will ich Tore werfen und gewinnen. Sofern ich gesund bleibe, möchte ich auf jeden Fall noch ein paar Jahre auf diesem Niveau spielen.“

Jeder kann jeden schlagen

Bei der EURO 2022 erwartet Weber ein offenes Rennen um die zwei Plätze in der Hauptrunde: „Von der Papierform her kann jeder jeden schlagen. Bereits die Auftaktpartie gegen Polen ist ein Schlüsselspiel. Wir wollen bis zum Schluss alle Trümpfe selbst in der Hand halten und nicht auf fremde Hilfe angewissen sein. Perfekt wäre, wenn wir in meinem 200. Länderspiel mit einem Sieg über die Weißrussen in die Hauptrunde einziehen würden.“

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.