Messerangriff in Wolfurt: Kein versuchter Mord

VN / 24.01.2022 • 18:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Messerangriff in Wolfurt: Kein versuchter Mord
Der Angeklagte musste sich vor dem Geschworenensenat am Landesgericht Feldkirch verantworten. ECKERT

31-Jähriger wegen absichtlich schwerer Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Feldkirch Bis zum Ende des Beweisverfahrens vor dem Schwurgerichtshof in Feldkirch gab der Angeklagte bezüglich des Tathergangs vom 16. April 2021 in Wolfurt mehrere Versionen von sich. Der 31-Jährige hatte zwar laut dem gerichtsmedizinischen Sachverständigen Walter Rabl damals eine beachtliche Menge Schlaf- und Beruhigungsmitteln intus. Doch der Mann war daran gewöhnt und somit noch lange nicht unzurechnungsfähig.

Hochtoxische Konzentration
Die Rede ist von „hochtoxischer Konzentration“ und Rabl veranschaulicht weiter: „Wir wären damit vermutlich auf der Intensivstation.” Das damals 25-jährige Opfer der Messerattacke durch den Angeklagten hatte über zwei Promille Alkohol im Blut. Der Grund, warum es zu dem Stich mit dem großen Küchenmesser kam, ist kaum nachvollziehbar. Fakt ist, dass es ausschließlich dem Zufall zu verdanken ist, dass der Verletzte nicht tödlich getroffen wurde. Die Geschworenen mussten sich zwischen „Mordversuch“ und „absichtlich schwerer Körperverletzung“ entscheiden.

„Benzos“ angeboten
Angefangen hatte die ganze Geschichte damit, dass der Ältere dem Jüngeren Beruhigungs- und Schlafmittel angeboten hatte. Letzterer wollte allerdings weder mit Drogen noch mit Dealern zu tun haben. Die beiden einstigen Jugendfreunde gerieten aneinander. Dann kommen die verschiedensten Darstellungen des Angeklagten ins Spiel. Er spricht von einem zweiten Messer, einem Springmesser, welches sein Gegenüber in Händen gehalten habe. Er erzählt von Faustschlägen und dass er Angst gehabt habe.

Der Bregenzer, der als Opfer im Zeugenstand aussagt, kann darüber nur lachen. „Hat er das gesagt?“, fragt er ungläubig nach. Das sei nicht wahr, es sei nie ein zweites Messer im Spiel gewesen. Die Verletzung stuft der Sachverständige als „an und für sich leicht“ ein, als schwer sei sie nur deshalb zu bewerten, weil der Mann über drei Wochen im Krankenstand war. Der Stich, den der bislang Unbescholtene seitlich in den Oberkörper seines Kontrahenten führte, war laut Experten wuchtig und nicht steuerbar. „Ist die Haut einmal durchdrungen, ist der größte Widerstand überwunden“, so Rabl. Der Stich war schlussendlich 5,5 Zentimeter tief.

Opfer von Täter verarztet
Nach der Messerattacke waren beide jungen Männer schockiert.
Der Patient musste im Spital operiert werden. Der Wolfurter hatte zunächst versucht, die Sache mit eigenem Verbandszeug wieder in Ordnung zu bringen. Die Geschworenen verurteilen den Täter wegen absichtlich schwerer Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft. Dem Verletzten werden 4000 Euro Entschädigung zugesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.