Informationsbedarf im Seehotel am Kaiserstrand

Markt / 26.01.2022 • 04:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Informationsbedarf im Seehotel am Kaiserstrand
Das Seehotel am Kaiserstrand punktet mit seiner außergewöhnlichen Lage. VN

Das Hotel am Kaiserstrand ist geschlossen. Gäste wurden offenbar nicht informiert. Gespräche mit Interessenten laufen.

Lochau In Vorarlberg hat die Insolvenz des Seehotels am Kaiserstrand Schlagzeilen gemacht. Am 2. November 2021 wurde über die Betreibergesellschaft (RIMC Seehotel Am Kaiserstrand Hotel Betriebs GmbH) das Konkursverfahren eröffnet. Im Zuge dessen wurde auch die Schließung des Unternehmens angeordnet.

Seither kann auf der Homepage des Hotels zwar kein Zimmer mehr gebucht werden, allerdings findet sich dort überhaupt kein Hinweis darauf, dass das Hotel geschlossen hat. Wer anruft, landet sogleich auf dem Anrufbeantworter. Informationen bekommt man auch dort nicht. „Die Speicherkapazität ist überschritten“, heißt es nur. Nur die Präsenzen auf den Plattformen Facebook und Instagram wurden gelöscht.

Auf der Homepage steht nichts von der faktischen Schließung des Hotels.
Auf der Homepage steht nichts von der faktischen Schließung des Hotels.

Vor verschlossenen Türen

Das führt nun dazu, dass Gäste aus dem Ausland, die weit im Voraus – beispielsweise für die Festspielzeit 2022 gebucht haben – gar nicht wissen könnten, dass das Hotel geschlossen hat. Auch von Vorarlberger Unternehmen, die für den Sommer Zimmer für Geschäftspartner gebucht haben, heißt es, sie seien von RIMC nicht darüber informiert worden, dass die Reservierung aufgrund der Schließung hinfällig ist. Wer also nichts von der Insolvenz mitbekommen hat und sich auf einen Urlaub im Seehotel freut, könnte herb enttäuscht werden und vor verschlossenen Türen stehen.

Die Immobilie gehört über eine Tochtergesellschaft der DFV Deutsche Fondsvermögen AG. Dabei handelt es sich um einen Immobilienfonds, an dem rund 300 Anleger beteiligt sind, die naturgemäß an einer Rendite interessiert sind. Sie entscheiden somit letztlich über die Zukunft des Hauses, das unter Denkmalschutz steht. Der Fonds wurde 2012 mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 25,7 Millionen Euro emittiert. Die Ausschüttung wurde anfänglich mit 5,75 Prozent pro Jahr und über die Laufzeit steigend auf acht Prozent jährlich angegeben.

Gespräche laufen

Indes läuft die Suche nach einem neuen Pächter. Gefunden wurde dieser noch nicht. Allerdings zeichnet sich eine Lösung ab. Wie Eigentümer-Sprecher Dieter Bitschnau gegenüber den VN erklärt, herrsche seit Bekanntwerden ein großes Interesse. Es gebe rund 30 Interessenten aus dem In- und Ausland. „Aktuell laufen die Gespräche und Sondierungen.“ Gerüchten, wonach das Hotel in ein Altersheim umgewandelt werden soll, widerspricht Bitschnau. „Das war und ist definitiv nie ein Thema gewesen.“ Jedenfalls ist das Haus nun offiziell frei. Denn im Konkursverfahren wurde rechtskräftig, dass der Eigentümer wieder darüber verfügen kann.  

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Eigentümer-Sprecher Dieter Bitschnau. wkv

Für den Tourismusstandort Vorarlberg wäre der Weiterbetrieb als Hotel jedenfalls wünschenswert. Denn ein Haus dieser Größenordnung würde gerade im Hinblick auf die Festspielzeit fehlen.

Insolvenzverfahren: 3,083 Millionen an Forderungen anerkannt

Im Rahmen des Konkursverfahrens über die RIMC Seehotel Am Kaiserstrand Hotel Betriebs GmbH fand nun die allgemeine Prüfungstagsatzung statt. 114 Gläubiger hatten Forderungen von insgesamt 5,167 Millionen Euro angemeldet. Rechtskräftig anerkannt wurden letztlich Forderungen in Höhe von 3,083 Millionen Euro. Es sei hier aber noch von nachträglichen Forderungsanerkenntnissen auszugehen, sodass sich die Passiva noch erhöhen werden. Interessantes Detail: Der Alpenländische Kreditorenverband stellt in der Angelegenheit fest, dass „zeitnah zur Insolvenzeröffnung festzustellen war, dass eine positive Fortführung des Unternehmens keinesfalls darstellbar ist.“

Über die Zukunft des Hotels werden bald die Eigentümer entscheiden. <span class="copyright">VN</span><p class="caption"><p class="caption">
Über die Zukunft des Hotels werden bald die Eigentümer entscheiden. VN