Alterung belastet den Hebammengewerbe

VN / 18.02.2022 • 04:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alterung belastet den Hebammengewerbe
Bernadette Brieskorn will für ihre Kolleginnen Verbesserungen erreichen. VN/Paulitsch

Jüngere Generation rückt nur spärlich nach.

Schwarzenberg Die Alterung macht auch den Hebammen zu schaffen. Von den 126 aktiven Hebammen in Vorarlberg, die einen Altersschnitt von 45 plus aufweisen, wollen im Verlauf der nächsten Jahre mindestens elf in Pension gehen. Das hat eine Umfrage des Hebammengremiums ergeben. Gleichzeitig rückt die jüngere Generation nur spärlich nach. Für Bernadette Brieskorn, Leiterin der Landesgeschäftsstelle des Österreichischen Hebammengremiums, heißt das, mehr freie Stellen und attraktivere Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Zukunft des Berufs zu sichern. Dabei denkt sie unter anderem an die Einrichtung eines Geburtshauses. „Das könnte Hebammen wieder zurückbringen“, zeigt sich Brieskorn im VN-Gespräch überzeugt. Oft würden junge Frauen nämlich bleiben, wo sie die Ausbildung absolvieren, und das ist nicht im eigenen Land. Ebenso müssten die Kassenverträge aufgebessert werden. Derzeit sind drei der acht Kassenstellen für Vertragshebammen unbesetzt.

Mäßige Inanspruchnahme

Die Erhebung, die 72 Rückantworten erhielt, wurde durchgeführt, weil immer wieder zu hören war, dass es zu wenige Hebammen gibt. „Das ist nicht der Fall“, bestätigt Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Die Umfrage zeige klar, dass es nicht zu wenige Hebammen gebe, aber durch wenig attraktive Kassenverträge zu wenig kassenfinanzierte Dienstleistungen. Am häufigsten wird die Mutter-Kind-Pass-Beratung angeboten, dazu kommen Dienstleistungen wie Hausbesuche nach der Geburt, während der Schwangerschaft und zur Stillunterstützung. Die Stichprobe hat jedoch eine nur mäßige Inanspruchnahme durch Familien erbracht. Gleichzeitig gaben die meisten Hebammen an, die Nachfrage der Frauen nicht befriedigen zu können. Diese Unschärfe wird den nicht vollständig ausgefüllten Fragebögen zugeschrieben. „Die Stärke dieser Studie ist aber, dass sie den ersten Versuch darstellt, die von Hebammen in der Region angebotenen Dienstleistungen zu verstehen“, relativiert Bernadette Brieskorn und hofft auf eine Weiterentwicklung des Tätigkeitsbereichs.

Kooperationen mit Spitälern

Die meisten Hebammen arbeiten als Wahlhebammen, die Mehrheit davon in Teilzeit. Mit ihren Arbeitszeiten und der Art der Dienstleistungen sind sie im Wesentlichen zufrieden. Das gilt nicht für die Tarife der Kassenverträge. „Die Sozialversicherung und das Österreichische Hebammengremium arbeiten aktuell daran, die Kassenverträge besser auszugestalten. Wir sind optimistisch, die offenen Stellen in absehbarer Zeit besetzen zu können“, erläutert Christoph Jenny, Vorsitzender des ÖGK-Landesstellenausschusses. Es gelte gemeinsam neue Angebote zu entwickeln, die sowohl im Sinne der Familien als auch der Hebammen attraktiv sind, ergänzt Martina Rüscher: „Ich denke da an gezielte Kooperationen mit Spitälern und nachgeburtliche Betreuung zuhause.“ Gut aufgestellt sieht Bernadette Brieskorn das Land schon bei den Hausgeburtshebammen, von denen des fünf gibt. Die Zahl der Hausgeburten ist während der Pandemie gestiegen. Bei der ÖGK wurden 2021 über 30 Hausgeburten abgerechnet. Der finanzielle Aufwand betrug 10.700 Euro.