Leidvolles Warten auf das Schmerzboard

VN / 23.02.2022 • 08:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Leidvolles Warten auf das Schmerzboard
Schmerzpatienten benötigen oft eine große Menge an Schmerzmitteln. ADOBE STOCK

Das neue Projekt soll frühestens im Juni im LKH Hohenems anlaufen können.

hard Die Zuweisung zur Schmerzambulanz hat Fritz Winkler (65) von seinem Hausarzt schon bekommen. Allein, es fehlt noch an der Infrastruktur, um das Projekt in Betrieb nehmen zu können. Schmerzpatienten, deren ganze Hoffnung im Neustart des ambulanten Schmerzboards liegt, müssen sich noch kräftig gedulden. Laut VN-Recherchen wird das Schmerzboard im Landeskrankenhaus Hohenems frühestens im Juni anlaufen. Derzeit ist eine Koordinationsstelle im Aufbau, die zuweisende niedergelassene Ärzte von der Administration entlasten soll, in dem die dort Beschäftigten die Befunde einholen bzw. die Patienten zur Begutachtung einladen. Darauf wartet auch Fritz Winkler: “Ich wäre sehr froh, wenn ich Hilfe bekäme, denn meine Lebensqualität leidet sehr”, sagt er.

Weit verbreitet

Schmerzen, und da vor allem chronische, sind ein weitverbreitetes Problem. In Vorarlberg wird die Zahl der Betroffenen auf rund 65.000 geschätzt. Zu Ihnen gehört Fritz Winkler. Der Harder war bereits bei zahlreichen Spezialisten in Innsbruck, Wien, Deutschland und der Schweiz vorstellig geworden. “Ich habe viel Geld für ärztliche Konsultationen ausgegeben”, erzählt der Harder. Auch ein dreiwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik in Bad Füssing brachte ihm keine Erleichterung. Werden die Schmerzen unerträglich, nimmt Winkler die stärksten Medikamente, “und das inzwischen bis zu zweimal wöchentlich. Um den Schmerzmittelverbrauch dennoch zu reduzieren, hat er hat sich eine eigene Strategie für den Umgang mit dem Schmerz zurechtgelegt. “Bevor ich Medikamente nehme, lege ich mir eine heiße Wärmflasche bzw. ein Eis-Akku auf den Kopf, um den Schmerz zu verändern.” Lediglich die Migräne hat Fritz Winkler einigermaßen im Griff, alles andere holt ihn immer wieder ein. Die Folge sind starke Depressionen, unter denen auch seine Frau leidet.

<p class="caption">Woher die Kopfschmerzen von Fritz Winkler rühren, konnte bislang nicht eruiert werden. </p>

Woher die Kopfschmerzen von Fritz Winkler rühren, konnte bislang nicht eruiert werden. 

Viel ausprobiert

Die Liste der Arzneimittel, die er schon verschrieben bekommen hat, ist lang, ebenso jene der konservativen Therapien. Krankengymnastik, Entspannungstherapie, Qi-Gong, Schmerzbewältigung, Schmerzedukation, psychologische Einzelberatung, Physiotherapie, Akupunktur, Ergotherapie, Kreativtherapie, Massage, Fango: Viel hat der Schmerzpatient schon ausprobiert. “Jetzt hoffe ich, mithilfe des Schmerzboards endlich eine Diagnose zu bekommen.”

Ein Schmerzboard, das niedergelassene Mediziner nutzen konnten, gab es bereits, doch es wurde kaum angenommen und im Zuge der Pandemie gänzlich eingestellt. Die Ärzte beklagten einen zu hohen Aufwand für die Vorbereitung eines Falls. Deshalb brachte die ÖGK eine Neuorganisation mit einem niederschwelligen Zugang auf Schiene. Die Kosten für drei Jahre belaufen sich auf 180.000 Euro. Jetzt muss es nur noch in die Gänge kommen.