Nach 26 Jahren in Ecuador übernimmt Georg Nigsch Pfarren im Brandnertal

VN / 26.02.2022 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach 26 Jahren in Ecuador übernimmt Georg Nigsch Pfarren im Brandnertal
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Pfarrer Georg Nigsch war 26 Jahre im Amazonasgebiet tätig. Nun kehrte er ins Land zurück.

Brand, Bürserberg Pilot wäre er in jungen Jahren gerne geworden. „Für technische Berufe habe ich mich immer schon interessiert“, sagt Georg Nigsch. Geflogen sei er in seinem Leben zwar viel, ins Cockpit habe er es jedoch bisher nur als Zuschauer geschafft. „Mit der Zeit bin ich zur Ansicht gelangt, dass ich doch lieber mit Menschen arbeite. Das empfinde ich als erfüllender.“ So folgt er als Pfarrer einer anderen himmlischen Mission.

Nach seiner Priesterweihe in St. Martin im Jahr 1983 und acht Jahren als Kaplan in Dornbirn und Bregenz führte ihn seine Mission nach Südamerika, genauer ins Vicariato Apostólico de Zamora in Ecuador. 15 Dörfer gehören zu der kleinen Pfarrei im Amazonasgebiet. Das Klima ist tropisch feucht, die Gesundheitsversorgung miserabel, die Arbeit vielseitig. Neben seinen Aufgaben als Seelsorger der Gemeinden hat Georg Nigsch sich als Leiter des Bildungshauses intensiv und gern um die Ausbildung der Katecheten, der Religionslehrer, gekümmert. Auch als Baumeister war er immer wieder tätig. Während der 26 Jahre, die er im Süden Ecuadors verbrachte, half er beim Bau einer Missionsklinik, einer Kapelle sowie beim Ausbau eines Versammlungsraums, des Bildungshauses und der Katecheseräume mit.

Große Unterschiede

„Ich bin gern dort gewesen“, sagt der Pfarrer. Die Entscheidung, nach Südamerika zu gehen, habe er damals selbst getroffen. „Mich hat halt das Fernweh gepackt“, erklärt er mit einem Schulterzucken und lacht. Vermisst habe er vor allem die Jahreszeiten. „Und das Skifahren“. Alle zwei Jahre habe er seine Heimat besucht. Der erste Heimaturlaub sei allerdings ein schwieriger gewesen, wie er einräumt: „Mir ist bewusst geworden, wie krass der Unterschied ist, vor allem in materieller Hinsicht.“ Also habe er aufgehört, die beiden Länder, Kulturen, ja Welten zu vergleichen. „Es gibt Reichtum und Armut auf beiden Seiten“, sagt er. „In Ecuador sind die Menschen materiell gesehen arm. Es gibt aber einiges, das man in Europa von ihnen lernen könnte: Solidarität, Zusammenhalt in den Familien, Gemeinschaftsgefühl. Da sind wir ihnen nicht voraus.“

Pfarrer Georg Nigsch übernimmt ab 1. März neben Brand auch noch die Pfarre Bürserberg. <span class="copyright">VN/SMS</span>
Pfarrer Georg Nigsch übernimmt ab 1. März neben Brand auch noch die Pfarre Bürserberg. VN/SMS

Der Riebel am Sonntag

Aufgewachsen ist Georg Nigsch im Bregenzerwald, in Schoppernau, im Heimatort seiner Mutter. Sein Vater war ein Walser aus Sonntag. Der sonntägliche Besuch der Kirche war ebenso Programm wie der tägliche Riebel zum Frühstück. „Mit Ausnahme am Aschermittwoch und Karfreitag und wenn der Riebelgrieß ausging.“ Das Traditionsgericht habe er in Ecuador vermisst, wie er gesteht. Dort sei er von den Missionsschwestern kulinarisch verwöhnt worden. „Dreimal am Tag hat es Reis gegeben“, sagt er schulterzuckend. Heute genieße er wieder jeden Morgen seinen Riebel.

Was ihn dazu bewogen hat, Priester zu werden? „Ich glaube, im Laufe des Lebens muss es zu einer Motivationsvertiefung kommen. Ich habe acht Jahre lang die Marianum-Schule in Bregenz besucht. Eigentlich nur, weil sie ein Hallenbad hatten. Das war mein Grund.“ Über die genauen Beweggründe schweigt er. „Das ist mein Geheimnis.“

Erst einmal zurückhaltend sein

26 Jahre lebte Georg Nigsch in Südamerika. Vor rund vier Jahren kehrte er in seine Heimat zurück. Seit vergangenen September leitet er die Pfarre in Brand und ab 1. März auch jene in Bürserberg. „Ich habe jahrelang überlegt, was ich tun soll“, sagt er. Schließlich kam er zum Schluss, dass er seine Pension nicht in Ecuador verbringen will. „Der Abschied ist mir schwergefallen. Es war meine zweite Heimat.“

In seinem neuen Zuhause, fast am Ende des Brandnertals, hat er sich mittlerweile gut eingerichtet. Nun will er zuschauen, beobachten und die Leute kennenlernen. Hören, welche Bedürfnisse sie haben. Einige Ideen hätte er ja schon, wie er mit einem Augenzwinkern einräumt. Verraten will er sie nicht. „Ich will erst mal zurückhaltend sein, schauen, dass ich ein normaler Pfarrer bin“, sagt er und lacht. Wichtig sei ihm, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, auch wenn er als Pfarrer eine besondere Stellung habe. „Der Heilige Augustinus sagte einst: Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof. Diese Einstellung hat mir schon immer gut gefallen. Danach strebe ich.“ VN-SMS