Pflegeschüler hängen in der Luft

VN / 31.03.2022 • 21:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pflegeschüler hängen in der Luft
Pflegeschüler sehen ihre Ausbildung und damit ihre berufliche Zukunft gefährdet. KH Dornbirn/Lisa Mathis

2G-Regel für Praktika in Spitälern sorgt weiter für Ärger.

Feldkirch „Es ist für uns ein Schock und sowas von nicht fassbar, vor welche Entscheidung man uns stellt und dass weder die Landeskrankenhäuser noch die Schule uns da in irgendeiner Weise helfen.“ Diese Zeilen stammen aus einer E-Mail von Schülern der Krankenpflegeschule Feldkirch. Wie berichtet, dürfen verpflichtende Praktika in den Landeskrankenhäusern seit 1. März nur noch von geimpften oder genesenen Schülern absolviert werden. Eine befristete Ausnahme gibt es für jene, die ihre Ausbildung per Jahresende abschließen. Sie müssen regelmäßig einen negativen PCR-Test vorlegen. Der Ärger ist groß, bislang erhalten die Schüler aber nur von Personen Zuspruch, die die Personalnot täglich in den Spitälern am eigenen Leib spüren. Krankenhausbeschäftigte haben ihren Unmut über diese Maßnahme auch in Zuschriften an die VN kundgetan. Unter ihnen ist der Betriebsratsvorsitzende des LKH Rankweil, Arthur Bertsch. Er sagt: „In der aktuellen Pflegenot wäre es sehr bedauerlich, wenn Lernende in der Pflege aufgrund dieser Vorgaben einen Abbruch der Ausbildung in Erwägung ziehen.“

Großes Unverständnis

Die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) hat den Schritt mit dem Schutz für Patienten und Mitarbeitende begründet. Eine seit 30 Jahren in einem Landeskrankenhaus tätige Krankenschwester hält dagegen: „Es gab immer schon Infektionskrankheiten. Wir mussten uns und unsere Patienten immer schon schützen und haben auch gelernt, damit umzugehen.“ Mittlerweile sei auch nicht mehr Corona das Problem, wie man den aktuellen Zahlen auf der Seite der Landeskrankenhäuser entnehmen könne, sondern der immer größer werdende Personalmangel. Arthur Bertsch versteht die Empörung ebenfalls: „Der Schritt ist auch für mich unverständlich, da er in bereits bestehende Ausbildungsverträge eingreift.“ Konkret bedeute das, dass erforderliche Praktika für Auszubildende im ersten und zweiten Ausbildungsjahr, wenn sie den 2-G-Status nicht erfüllen, in den Landeskrankenhäusern überhaupt nicht mehr möglich sind. Bertsch hofft in Gesprächen mit Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher doch noch auf eine gütliche Lösung.

Nicht auf Spitäler angewiesen

Studierende des Studienzweigs „Gesundheit und Krankenpflege“ an der FH trifft die Maßnahme dann, wenn sie einen Praktikumsplatz an einem Krankenhaus in Vorarlberg wollen. Sie sind darauf jedoch nicht angewiesen, sondern können selbst wählen. „Natürlich versuchen wir, alle Studierenden im Land zu halten“, bekräftigt Studiengangsleiterin Andrea Kuckert-Wöstheinrich. Vorrangig geht es ihr jedoch darum, allen Studenten einen Abschluss zu ermöglichen. Deshalb gibt es das Angebot an jene des zweiten und vierten Semesters, ihr Praktikum dort zu absolvieren, wo es gut möglich ist, und das auch anerkannt werden kann. „Damit sollten wir über die Runden kommen“, ist sie zuversichtlich, eine passable Lösung gefunden zu haben. Wie sehr die Maßnahme den Schülern zu schaffen macht, hat eine Krankenschwester erlebt. „Ich habe kürzlich ein Gespräch mit einer Schülerin geführt. Sie war aufgelöst und hat geweint“, berichtet sie. Entweder sie lasse sich impfen oder sie müsse die Schule aufgeben. „Das kann doch nicht sein, dass das Recht auf Bildung an so eine Maßnahme geknüpft wird, noch dazu mitten in der Ausbildung“, ergreift sie Partei für die jungen Leute. „Wir sollten froh sein, dass sich junge Menschen überhaupt noch für den Pflegeberuf interessieren.“ Vielen motivierten Schülern und Bewerbern werde jetzt der Glaube an diesen tollen Beruf genommen.