Edelbert Köb hat das Schicksal einer wichtigen Institution des Landes gelenkt

Kultur / 01.04.2022 • 21:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Edelbert Köb hat das Schicksal einer wichtigen Institution des Landes gelenkt
Edelbert Köb mit Selbstbildnissen des Vorarlberger Künstlers Edmund Kalb. Sagmeister

wien, Bregenz Edelbert Köb hatte für die Eigenheit, dass das Kunsthaus Bregenz in Deutschland, der Schweiz und überhaupt international, wo man es längst zu den ersten Häusern zählt, beinahe stärker wahrgenommen wird, als in der Bundeshauptstadt, eine Erklärung: „Wien hat mit sich selbst zu tun.“ Der Experte muss es wissen, er war Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, einige Jahre auch Prorektor, Präsident der Wiener Secession, Direktor des Museums moderner Kunst (mumok), er kuratierte zahlreiche Ausstellungen, initiierte Sammlungen und entwickelte Reformen für die Wiener Museumslandschaft, die im „Weißbuch“ dokumentiert sind. Am 31. März konnte Edelbert Köb seinen 80. Geburtstag feiern.

Edelbert Köb ist Gründungsdirektor des Kunsthaus Bregenz. <span class="copyright">Hofmeister</span>
Edelbert Köb ist Gründungsdirektor des Kunsthaus Bregenz. Hofmeister

Der streitbare Geist, gebürtige Vorarlberger, ist Gründungsdirektor des 1997 eröffneten und damit nun seit 25 Jahren bestehenden Kunsthaus Bregenz. “Er hatte alle Fähigkeiten, die eine solche Neugründung gegen viele Widerstände und Schwierigkeiten erfordern: Hartnäckigkeit, Beharrlichkeit, Mut, Unbestechlichkeit, strategisches Denken, Visionen und Menschlichkeit”, schreibt der Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister, sein Mitstreiter und Kurator im schon fünf Jahre zuvor eingerichteten Büro. Das Wissen um Kunst, Architektur und Design war ausschlaggebend für die Durchsetzung der Errichtung des Gebäudes nach den Plänen des vielfach ausgezeichneten Architekten Peter Zumthor und für dessen internationale Ausrichtung.

Plädoyer für Qualität

Aus heutiger Sicht wirken die Diskussionen in den Gründerjahren skurril. Das Land beabsichtigte die Errichtung einer Landesgalerie in Feldkirch. In einem Gespräch mit den VN erzählte Köb einmal von einer Auseinandersetzung mit einem Juristen im Zug, bei der nicht nur Einigkeit darüber bestand, dass jener, der überregional denkt, eine Positionierung in der Landeshauptstadt bevorzugt, sondern auch berücksichtigen muss, dass sich Künstlerinnen und Künstler im internationalen Kontext sehen wollen. Geradezu eine Zitterpartie war schließlich die Umbenennung der Landesgalerie in Kunsthaus Bregenz. Köb ging diplomatisch vor und beließ es eine Zeitlang bei beiden Bezeichnungen.

Über Jahre und auch als Direktor des mumok plädierte Köb für eine tiefgreifende Auseinandersetzung über Qualitätskriterien, die die Museen bzw. Institutionen nicht mehr selbst führen. Es verwundert nicht, dass Köb, der in Bregenz den Bau begleitete, in Wien gleich einmal Eingriffe in die Architektur des mumok vornehmen ließ und sich mit seiner Forderung für mehr Platz für die zeitgenössische Kunst nicht zurückhielt. VN-cd

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