Menschenrechtsaktivismus in Bunt

Kultur / 04.04.2022 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Menschenrechtsaktivismus in Bunt
Inspiriert von Andy Warhols Serie malte Ai mehrere Porträts von Mao Zedong mit subversiver Note. APA

Die große Ai-Weiwei-Ausstellung in der Albertina modern erinnert auch an jene im Kunsthaus Bregenz.

Wien, Bregenz Botschaft an Botschaft reihte sich in der großen Ausstellung von Ai Weiwei, mit der im Berliner Gropius-Bau das Schaffen des chinesischen Künstlers und Menschenrechtsaktivisten (geb. 1957) nahezu umfassend präsentiert wurde. Das ist fast acht Jahre her. Vieles davon gibt es nun in der Albertina modern, wo nachvollziehbar viel Wind um ein Projekt gemacht wird. Schließlich ist es Direktor Klaus Albrecht Schröder gelungen, einen Künstler mit seinem Werk zu präsentieren, der in den internationalen Ranking-Listen auftaucht und dessen Menschenrechtsaktivismus in leicht zugänglichen Arbeiten zum Ausdruck kommt. Ai Weiwei lebt nun in Portugal und konnte zur Eröffnung in Wien anwesend sein. In der Zeit der Berliner Großausstellung durfte er China noch nicht verlassen.

Ai Weiwei 2010 in Bregenz; vor der Ausstellungseröffnung 2011 im Kunsthaus wurde er festgenommen. Das Katalogbuch zur Bregenzer Ausstellung ist noch erhältlich. <span class="copyright"> sagmeister</span>
Ai Weiwei 2010 in Bregenz; vor der Ausstellungseröffnung 2011 im Kunsthaus wurde er festgenommen. Das Katalogbuch zur Bregenzer Ausstellung ist noch erhältlich.  sagmeister

Noch tragischer war seine Situation, als das Kunsthaus Bregenz seine Ausstellung plante. Im Jahr 2010 hatte ihn der damalige KUB-Direktor Yilmaz Dziewior für die gemeinsam mit den Vorarlberger Nachrichten realisierte Aktion „Kunst sammeln und erleben“ gewinnen können. Ai Weiwei sollte wie elf weitere Künstlerkolleginnen und -kollegen mit internationaler Reputation Zeitungsseiten gestalten und diese dann für Sammler im Rahmen seiner Ausstellung signieren. Wenige Wochen vor der Eröffnung, im April 2011, wurde der Künstler, der für die Konzeptionierung seiner Schau eine Zeitlang in Bregenz war, in Peking festgenommen. Im Westen war es klar, dass ihn die chinesische Führung, die ihm ein Finanzvergehen anhängen wollte, wegen seiner Regimekritik drangsalierte. Das Ausmaß dieser Maßnahmen wurde schon in Berlin beängstigend nachvollziehbar, wo Besucher einen Nachbau jener Arrestzelle betreten konnten, in der Ai Weiwei Tag und Nacht von zwei Beamten bewacht wurde. In Wien legt Ai Weiwei nun mit der Nachstellung mehrere Bewachungsszenen und einem Video eins drauf.

Die Ausstellung in Bregenz hatte Ai Weiwei noch selbst mitgeplant.  <span class="copyright">KUB</span>
Die Ausstellung in Bregenz hatte Ai Weiwei noch selbst mitgeplant.  KUB

Interessant, dass in Wien neben den oft subversiven Arbeiten zu Zensur und Diktatur, in deren Machart Ai Weiwei seinen Bezug zur Pop-Art, zum Dadaismus und Duchamp offenlegt, seine architektonischen Konzepte so gut wie nicht gestreift werden. In Bregenz, wo 2011 somit überhaupt die erste große Präsentation von Ai Weiwei-Arbeiten in Österreich stattfand, lag der Fokus darauf. So hatte der Künstler etwa mit Architekturbüros wie Herzog & de Meuron in Peking zusammengearbeitet und sich aus politischen Gründen wieder aus dem Projekt verabschiedet sowie rund hundert junge Architekten aus aller Welt eingeladen, um Einfamilienhäuser in der mongolischen Steppe zu entwerfen.

In den Arbeiten zu Zensur und Diktatur legt Ai Weiwei auch seinen Bezug zur Pop-Art, zum Dadaismus und zu Duchamp offen. <span class="copyright">APA</span>
In den Arbeiten zu Zensur und Diktatur legt Ai Weiwei auch seinen Bezug zur Pop-Art, zum Dadaismus und zu Duchamp offen. APA

Zu den ergreifendsten der neuen Werke zählt ein in Flüchtlingslagern gedrehter Dokumentarfilm, der die humanitäre Katastrophe verdeutlicht. Während die großflächigen Installationen mit Schwimmwesten von Flüchtlingen vor ein paar Jahren am Konzerthaus in Berlin oder jene in München mit den Schulrucksäcken sehr berührten, die an die Tausenden bei einem Erdbeben umgekommenen Kinder erinnern, verliert sich die Botschaft in jener Ästhetik, die sich in Wien in den Vordergrund drängt, wenn die Rücksäcke zur Schlange geformt werden. Jene poetischen Metamorphosen, die er historischen Objekten angedeihen lässt, die Zuordnung, Erinnern und Zerstörung thematisieren, haben hingegen Biss.

Die Ausstellung in der Albertina modern in Wien ist bis 4. September, täglich 10 bis 18 Uhr, geöffnet. Ein Katalogbuch liegt auf.

Dioramen mit Haftszenen und eine Schlange aus Schultaschen der bei einem Erdbeben ums Leben gekommenen Kinder.  <span class="copyright">APA</span>
Dioramen mit Haftszenen und eine Schlange aus Schultaschen der bei einem Erdbeben ums Leben gekommenen Kinder.  APA
Vieldiskutiert: Ai Weiweis Auseinandersetzung mit Flüchtlingstragödien in Installationen und Nachbildungen aus Legosteinen. <span class="copyright">APA</span>
Vieldiskutiert: Ai Weiweis Auseinandersetzung mit Flüchtlingstragödien in Installationen und Nachbildungen aus Legosteinen. APA

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