Diese Bühne lockt bereits weit mehr als hunderttausend Besucher an

Kultur / 06.04.2022 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Diese Bühne lockt bereits weit mehr als hunderttausend Besucher an
Das Festspielhaus mit der Seebühne: “Madama Butterfly” steht zum ersten Mal als Seeproduktion auf dem Programm der 1946 gegründeten Bregenzer Festspiele. Stiplovsek

Das Podium für “Madama Butterfly” ist parat und die Bregenzer Festspiele beginnen bereits zu Ostern.

Bregenz Ein wenig von der Herausforderung erspüren, die auf die Sängerinnen und Sänger der Seebühnenproduktion der Bregenzer Festspiele zukommt, das ist vor allem dann möglich, wenn Intendantin Elisabeth Sobotka mit dem kaufmännischen Direktor Michael Diem und dem Präsidenten Hans-Peter Metzler zum Richtfest lädt. Alle zwei Jahre kommt ein neues Werk auf den See, die Bühne soll im besten Fall eine Skulptur sein, in der sich das Thema der Oper verdichtet. Nach dem großen, rundum beweglichen Clown samt Ballon für “Rigoletto” von Verdi, gibt man sich für Puccinis “Madama Butterfly” nun scheinbar bescheidener. Aber immerhin, das gewellte Blatt Papier, das es hier in den Uferbereich geweht hat und das den Darstellern Trittfestigkeit abverlangt, misst 1340 Quadratmeter, wiegt etwa 300 Tonnen und ragt nur beim niedrigen Frühjahrswasserspiegel so weit wie jetzt aus dem See. Bis zum obersten Rand bespiel- bzw. begehbar, ist mit einer Bewegbarkeit des Podiums nicht zu rechnen.

Das zentrale Bühnenelement für "Madama Butterfly" entspricht einer in den Uferbereich des Bodensees gewehten Zeichnung und misst 1340 Quadratmeter. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Das zentrale Bühnenelement für "Madama Butterfly" entspricht einer in den Uferbereich des Bodensees gewehten Zeichnung und misst 1340 Quadratmeter. Stiplovsek

Dass sich darauf aber einiges projizieren lässt, das wurde von Elisabeth Sobotka definitiv bestätigt, während sich Regisseur Andreas Homoki bezüglich noch hinzukommender Bühnenteile bedeckt hält. Wer offenen Auges die Bühne beschritt, hat aber auch entdeckt, dass das kleine Papierschiffchen auf der Seite groß genug ist, um einige Personen zu transportieren. Die Schienen am Seegrund lassen auf ein vor die Kulisse schiebbares Teil schließen und dass mit der unglücklich verliebten Cio-Cio-San und dem überheblichen Pinkerton die traditionelle japanische Kultur auf die USA trifft, wird noch mit Stars and Stripes akzentuiert.

Musik wie für den See geschaffen

Das Erspüren eines Ortes und die Abklärung der Möglichkeit habe zu “Madama Butterfly” geführt. Partout durchsetzen wollte die Intendantin das Werk nicht, doch die Musik sei wie geschaffen für den See. Bühnenbildner Michael Levine sieht im Blatt eine weggeworfene Zeichnung, Ausstatter Antony McDonald (der in Bregenz bereits vor rund 20 Jahren “Ein Maskenball” und “La Bohème” mitverantwortete) setzt unter anderem auf erkennbar japanische Silhouetten. Und wenn man noch weiß, dass Homoki, der von der Umsetzung des 3-D-Bühnenmodells durch die Festspieltechnik begeistert ist, ein Amerika der 50er-Jahre im Auge hat, lässt sich bereits viel imaginieren. Tickets für “Madama Butterfly” gibt es noch, aber sie werden langsam rar, hieß es. Auch diese Seebühnenproduktion hat bereits die Kraft, weit mehr als hunderttausend Besucher anzulocken.

Sartres "Geschlossene Gesellschaft" steht bereits zu Ostern als Exklusivgastspiel des Wiener Burgtheaters auf dem Programm. <span class="copyright">Horn</span>
Sartres "Geschlossene Gesellschaft" steht bereits zu Ostern als Exklusivgastspiel des Wiener Burgtheaters auf dem Programm. Horn

Am 20. Juli, zur Eröffnung einer umfangreichen Festspielsaison, findet die Premiere auf dem See statt. Bereits zu Ostern gibt es ein Festspiel-Intro mit Sartres “Geschlossene Gesellschaft” des Burgtheaters. “In der Fragestellung zur Freiheit und ihrer Konsequenz zeigt das Stück seine Substanz und hier erreicht das Spiel bzw. die Debatte von Dörte Lyssewski, Regina Fritsch und Tobias Moretti besondere Dichte und Dringlichkeit”, hieß es im Bericht der Vorarlberger Nachrichten von der Premiere im Februar in Wien.

Intendantin Elisabeth Sobotka mit dem Regie- und Ausstatterteam Andreas Homoki, Michael Levine und Antony McDonald beim Richtfest auf der Seebühne. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Intendantin Elisabeth Sobotka mit dem Regie- und Ausstatterteam Andreas Homoki, Michael Levine und Antony McDonald beim Richtfest auf der Seebühne. Stiplovsek

“Geschlossene Gesellschaft”, 16. und 17. April, Festspielhaus; Premiere “Madama Butterfly”, 20. Juli, Seebühne, Festspielsaison bis 21. August: bregenzerfestspiele.com

Ein Papierschiffchen kommt ebenfalls zum Einsatz.
Ein Papierschiffchen kommt ebenfalls zum Einsatz.
Dass derzeit noch Spaziergänger an der Bühne vorbeiflanieren können, zeigt auch die Offenheit der Bregenzer Festspiele. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Dass derzeit noch Spaziergänger an der Bühne vorbeiflanieren können, zeigt auch die Offenheit der Bregenzer Festspiele. Stiplovsek