Der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt

VN / 08.04.2022 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Susanne Westreicher möchte jedem Patienten die bestmögliche Unterstützung anbieten.
Susanne Westreicher möchte jedem Patienten die bestmögliche Unterstützung anbieten.

Susanne Westreicher eröffnet ihre Praxis als Psychiaterin und Psychotherapeutin in Rankweil.

Rankweil Ein recht ungewöhnlicher Berufswunsch stand für Susanne Westreicher schon in ihren Jugendjahren fest: Psychiaterin zu werden. „Es gab in meiner Familie keine Ärzte und auch keine psychischen Erkrankungen, aber ich wollte immer schon Medizin studieren und mich auf das Fachgebiet Psychiatrie spezialisieren. Woher dieser Wunsch kommt, ist mir bis heute unerklärlich. Während meines Studiums in Innsbruck erkrankte eine Freundin an Bulimie. Ich habe sie in dieser Zeit begleitet und sie unterstützt. Durch diese Erfahrung wurde mir umso mehr bewusst, wie wichtig eine kompetente Ansprechperson bei psychischen Erkrankungen ist“, erinnert sich Westreicher.

Ganzheitlicher Ansatz

Sie ist nie von ihrem Wunsch abgekommen. Geradlinig, strukturiert und klar – wie es ihrem Charakter entspricht – zog sie ihr Studium durch. Ein Großteil Famulaturen, die das Studium erforderte, absolvierte sie zielgerichtet im Landeskrankenhaus Rankweil. Dort begann sie nach ihrem Abschluss in der Akutpsychiatrie zu arbeiten. Das Berufsbild entsprach schlussendlich voll ihren Erwartungen. Da der engagierten Psychiaterin ein ganzheitlicher Ansatz wichtig ist, bildete sie sich fortlaufend weiter: „Die zusätzliche Psychotherapeutische Ausbildung ist für mich besonders wichtig, Psychiatrie und Psychotherapie gehören für mich zusammen. Das Zusammenspiel von beiden Bereichen bildet die Grundlage für den Prozess der Gesundung des Patienten. Zusätzlich ist eine medizinische Abklärung wichtig, um körperliche Ursachen bei Krankheiten wie beispielsweise einer Depression ausschließen zu können.“

Genaues Zuhören und Geduld

Der Mensch als Ganzes steht bei Susanne Westreicher im Mittelpunkt, dazu gehört auch das psychosoziale Umfeld und die Biografie des jeweiligen Betroffenen. „Ich möchte den Menschen dort abholen, wo er steht und ihm die bestmögliche Unterstützung anbieten. Dieser sehr individuelle Zugang ist sehr komplex, wenn alle Faktoren berücksichtigt werden. Eine Therapie erfordert genaues Zuhören und Geduld, es soll ein geschützter Rahmen und Sicherheit geboten werden. Leider kommen Patienten oft erst mit einem enormen Leidensdruck in meine Praxis. Manchmal wäre eine frühere Hilfestellung sehr hilfreich.“ Die empathische Medizinerin sieht in den letzten Jahren eine Zunahme von Depressionen und Angsterkrankungen, die durch den zunehmenden gesellschaftlichen Druck sowie Unsicherheiten am Arbeitsplatz und im Familienleben ausgelöst werden, oft auch bei jungen Leuten. Gerade sensible Menschen erleben ihre Umwelt oftmals als sehr bedrohlich, eine entsprechende Psychotherapie kann zu Stabilität verhelfen.

Psychotraumatherapie

Weitere Ausbildungen von Westreicher sind, neben Psychopharmatherapie und systemischer Psychotherapie, EMDR-Therapie (eyemovement desensiation and reprocessing), NADA Ohrakupunktur, geriatrische und palliative Betreuung sowie Psychotraumatherapie. Zudem hat sie einem Lehrgang für Alterspsychiatrie absolviert. Das Spezialgebiet Psychotraumatherapie liegt ihr, sie ist eine der wenigen, die diese Therapieform in Vorarlberg anbietet. Ein Trauma kann ein Verkehrsunfall, ein seelischer oder körperlicher Missbrauch, der plötzliche Verlust eines geliebten Menschen oder auch ein Bindungstraumata aus der Kindheit sein. Die Verarbeitung solcher Traumata ist ein Prozess, der oft Jahre dauert und eine gute Begleitung braucht.

Nachdem Westreicher fünf Jahre die Leitung einer psychiatrischen Ambulanz in einer Klinik in Trübach in der Schweiz innehatte, führte sie in Nenzing zwei Jahre eine Praxis. Nunmehr hat sie sich entschlossen, ab dem 2. Mai in der Schützenstraße 5 in Rankweil eine Praxis zu eröffnen. Weitere Infos gibt es unter www.ordination-westreicher.at BI