Judith Reichart wieder im Amt: Beschuldiger haben Erklärungsbedarf

Kultur / 08.04.2022 • 13:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Judith Reichart wieder im Amt: Beschuldiger haben Erklärungsbedarf
Judith Reichart nimmt am 8. April ihre Tätigkeit als Leiterin des Bregenzer Kultursverice wieder auf. Rainer

Staatsanwaltschaft hat alle Ermittlungen gegen Judith Reichart eingestellt. Team Bregenz spricht von “haltlosen Vorwürfen”, Neos begrüßen “Entscheidung des Rechtsstaates”.

Bregenz Judith Reichart, die nach Vorwürfen, die Veronika Marte (ÖVP), Sandra Schoch (Grüne) und Alexander Moosbrugger (damals Neos) gegen sie erhoben hatten, im Stadtrat im Oktober letzten Jahres vorübergehend ihres Dienstes enthoben wurde, ist zu hundert Prozent rehabilitiert. Sie nimmt ihre Funktion als Leiterin des Bregenzer Kulturservice umgehend wieder auf. Die Staatsanwaltschaft hat nun sämtliche Ermittlungen gegen die Kunsthistorikerin eingestellt. Das Landeskriminalamt hatte, wie Anfang März berichtet, einen mehr als 700 Seiten langen Abschlussbericht vorgelegt, in dem Judith Reichart von ausnahmslos allen Vorwürfen entlastet wurde. „Die Stadt hatte immer größtes Interesse daran, dass die behaupteten Ungereimtheiten zur Gänze aufgeklärt und die medial erhobenen Vorwürfe entkräftet werden”, wird Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ) in einer Aussendung zitiert. Gegenüber den VN brachte er seine Freude über den Ausgang der Causa zum Ausdruck: “Ich bin am Freitag gleich in der Früh in ihrem Büro”.

Vorwürfe, die Veronika Marte (ÖVP), Alexander Moosbrugger (damals Neos) und Sandra Schoch (Grüne) gegen Judith Reichard erhoben haben, erwiesen sich als haltlos.<span class="copyright"> VN </span>
Vorwürfe, die Veronika Marte (ÖVP), Alexander Moosbrugger (damals Neos) und Sandra Schoch (Grüne) gegen Judith Reichard erhoben haben, erwiesen sich als haltlos. VN

Ein “politisches Spiel”

Schon der Bericht des Landeskriminalamtes bestätigte für ihn, dass hinter allen Vorwürfen ein „politisches Spiel“ steckt, in dem für ihn als Leiter von rund 700 Mitarbeitern eine Art und Weise zum Ausdruck kommt, wie man mit Menschen niemals umgeht, erklärte er gegenüber den VN. Die genannten Politiker hätten Erklärungsbedarf. Diesen bekräftigt auch Stadträtin Annette Fritsch, Vorsitzende seiner Fraktion Team Bregenz. Mit “haltlosen Vorwürfen” hätten Veronika Marte, Sandra Schoch und Alexander Moosbrugger nicht nur der Reputation von Judith Reichart massiv geschadet, sondern auch dem Ansehen der Landeshauptstadt als Kulturstadt. Alexander Moosbrugger sei “nach dieser Blamage” in seiner Funktion als Prüfungsausschussvorsitzender nicht länger tragbar. Dass Moosbrugger, den die Neos mittlerweile ausgeschlossen haben, den Sitz im Prüfungsausschuss der ÖVP verdankt, verdeutlicht die Gemengelage. Jedenfalls begrüßen die Neos die “Entscheidung des Rechtsstaates” und bemerken in einer Aussendung, dass Schoch, Marte und Moosbrugger versucht haben, “durch offenbar falsche Anschuldigungen eine Mitarbeiterin der Stadt zu sabotieren.”

Einstellung des Verfahrens von Beschuldiger verzögert

Rechtsanwalt Martin Mennel, der Judith Reichart vertritt, erklärt zudem, dass Alexander Moosbrugger nach dem Vorliegen des Berichtes des Landeskriminalamtes, der seine Mandantin vollends entlastete, die bevorstehende Einstellung der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft verzögert hat. Noch Ende März habe Moosbrugger Eingaben bei der Staatsanwaltschaft mit wiederholten Vorwürfen gemacht, dabei aber auch vertrauliche Unterlagen aus dem Prüfungsausschuss der Stadt vorgelegt.

„Öffentlich von Politikern dermaßen zu Unrecht vorgeführt zu werden, ist kaum zu ertragen”, erklärte Judith Reichart gestern, sie freue sich jedoch, endlich wieder zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen für Kunst und Kultur in der Stadt arbeiten zu können.

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