Maske fällt in vielen Bereichen, Grüner Pass auf ein Jahr verlängert

Politik / 14.04.2022 • 13:48 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Maske fällt in vielen Bereichen, Grüner Pass auf ein Jahr verlängert
Runter mit der Maske ab Samstag: Außer in vulnerablen Settings wird gelockert, verkündete Gesundheitsminister Rauch am Donnerstag. APA/Hans Punz

Am Donnerstag präsentierte Gesundheitsminister Johannes Rauch die neuen Coronaregeln, die bis 8. Juli gelten.

Wien Die Situation entspannt sich. Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) sieht daher den richtigen Zeitpunkt für Erleichterungen gekommen. Bei einer Pressekonferenz zur neuen Corona-Verordnung erklärte er, dass die FFP2-Maskenpflicht ab Karsamstag nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln samt Haltestellen, im “lebensnotwendigen Handel” wie Supermärkten, Apotheken, Drogerien oder Banken und in Krankenhäusern, Alters- und Pflegeheimen gilt. In letztgenanntem Bereich mit besonders vulnerablen Personen bleiben auch 3G-Settings bestehen. Im normalen Handel, bei Veranstaltungen und in der Nachtgastronomie muss keine Maske mehr getragen werden. Der Grüne Pass wird auf ein Jahr verlängert. Die Verordnung gilt bis 8. Juli, dem Beginn der Sommerferien.

Stark zurückgenommen werden die Präventionskonzepte. Sie müssen außerhalb des Pflege- und Gesundheitssektors nur noch bei Veranstaltungen mit 500 Personen oder mehr erstellt und ein Präventionsbeauftragter ernannt werden.

Vorarlberg weiterhin rot

Zum ersten Mal seit Jänner zählen sechs Bundesländer nicht
mehr zur Höchstrisiko-Zone und sind damit orange auf der Corona-Ampel. Weiter im roten Bereich ist jedoch neben dem Burgenland und Kärnten und Vorarlberg.

Rauch verteidigte trotz Entspannungen die weiterhin teilweise aufrechterhaltene Maskenpflicht: “Natürlich trägt keiner im Sommer gerne Masken. Aber diese kleine Unannehmlichkeit sollten wir in Kauf nehmen, weil wir andere und uns selbst damit schützen.” Das sei notwendig, da die Pandemie nicht vorbei ist: “Neue Virusvarianten geistern herum, wir wissen auch noch nicht, was im Herbst ist.”

Boostern im Herbst

Das nationale Impfgremium empfiehlt die vierte Impfung für über 80-Jährige. Aber es gibt noch keine generelle Empfehlung für den vierten Stich. Die Gültigkeit des Grünen Passes für dreifach Geimpfte wird daher auf zwölf Monate verlängert. Für zweimal Geimpfte und für Genesene gilt er sechs Monate. “Jetzt schon muss die Botschaft sein: Wir müssen uns vorbereiten. Das beinhaltet im August, im September und Oktober eine Auffrischungsimpfung”, appelliert Rauch.

Von Laer: Vulnerable weiter schützen

Die Virologin Dorothee von Laer befürwortet im Gespräch mit den VN diese Lockerungen. Angesichts der fallenden Infektionszahlen könnten sogar für die kommende Zeit fast alle Coronamaßnahmen fallen, meint sie. In bestimmten Settings brauche es aber weiterhin Auflagen. “Wenn man in Einrichtungen mit vulnerablen Personen geht, also etwa Altersheime, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, sollte man weiterhin einen negativen Test vorweisen müssen.” Die Virologin rät zudem Risikogruppen dringend,  eigenverantwortlich zu handeln und in Innenräumen mit fremden Personen eine Maske zu tragen. Dazu zählt sie zum Beispiel Personen über 60 Jahre, Diabeteskranke, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Übergewichtige.

Die Maske schütze am besten vor Infektionen und die Impfung vor schweren Verläufen, präzisiert von Laer. Es werde immer klarer, dass dreimal Geimpften auch nach längerer Zeit noch einen guten Schutz vor schweren Verläufen haben. Aber der Schutz vor der reinen Infektion nehme ab, sagt von Laer: “Ich denke es wird darauf hinauslaufen, dass sich die dreifach Geimpften den vierten Stich vor der Herbstwelle Anfang bis Mitte September abholen.”

Appell an ungeimpfte Über-60-Jährige

Wichtig sei nun vor allem, dass sich ältere Umgeimpfte rasch impfen lassen, appelliert von Laer: “Ich bin absolute Verfechterin der Impfpflicht ab 60. Wenn man die Über-60-Jährigen schützt, kann man 90 Prozent der Krankenhausbelegung einsparen. Das ist dann doch ein ganz starkes Argument.” Eigentlich ist es jetzt fast zu spät, kritisiert von Laer: “Am besten wäre, Ungeimpfte hätten ihren dritten Stich schon vor Oktober.”

Fast 15 Prozent der Altersgruppe über 65 ist österreichweit noch ungeimpft. In Vorarlberg sind es sogar aktuell 16,27 Prozent. “Das sind die Personen, die im Herbst die Krankenhäuser füllen und das Gesundheitssystem überlasten werden. Es ist eigentlich wieder viel zu kurzsichtig, dass man glaubt, sich das noch im Herbst überlegen zu können. Nein. Es braucht drei Impfungen für einen guten Schutz. Die ganz Ungeimpften müssen jetzt anfangen.” Auch Long-Covid sei auf die Dauer eine Belastung des Gesundheitssystems, daher sei ein voller Impfschutz auch für die Unter-60-Jährigen weiterhin sinnvoll.

“Nicht mehr heldenhaft krank arbeiten gehen”

Während der Covid-Infektion plädiert von Laer weiter auf Isolierung während der ersten fünf bis sieben Tage. “Das sollte auch kontrolliert werden”, sagt von Laer. Dass Kontaktpersonen in Quarantäne gehen, hält sie für nicht mehr notwendig. “Ich bin der Meinung, dass Influenzainfizierte ebenfalls eine Woche verpflichtend zu Hause bleiben sollen, damit sie auf der Arbeit nicht ihre Kollegen anstecken. Aber es ist ja hoffentlich nach Corona nun im Bewusstsein der Menschen angekommen, dass es nicht heldenhaft ist, wenn man völlig erkältet zum Dienst erscheint”, ergänzt die Virologin.

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