Was eine Wirtschaftsprüfung in der Causa Wirtschaftsbund leisten kann

Politik / 22.04.2022 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jürgen Reiner ist Präsident der Vorarlberger Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. <span class="copyright">VN/PS</span>
Jürgen Reiner ist Präsident der Vorarlberger Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. VN/PS

Eine Steuerprüfung hat einen anderen Fokus, erklärt Wirtschaftsprüfer Jürgen Reiner.

Wien Landeshauptmann Markus Wallner kündigte an, dass eine externe Kanzlei mit der Wirtschaftsprüfung rund um die Vorgänge im Wirtschaftsbund beauftragt werden soll. Doch was kann eine solche im Vergleich zu einer Steuerprüfung leisten? Jürgen Reiner, Landespräsident der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Vorarlberg, klärt auf.

Anderer Fokus

„Der Wirtschaftsprüfer hat einen anderen Fokus“, erklärt Reiner im VN-Gespräch. Die Steuerprüfung kläre alle Fragen in Bezug auf die steuerliche Bemessungsgrundlage. Aus Sicht des Finanzamts ist es für die Höhe der Steuerbemessungsgrundlage aber oft nicht unbedingt relevant, wo das Geld hingegangen ist. Für eine Institution wie den Wirtschaftsbund sei prinzipiell, aber auch interessant, ob das Geld im Sinne der Zielsetzung verwendet wurde.

„Die Rolle des Wirtschaftsprüfers wird aber gelegentlich missinterpretiert“, sagt Reiner. Ihre Funktion sei nur zu prüfen, ob der Jahresabschluss korrekt ist und die Positionen richtig ausgewiesen sind. Es gibt aber in der Regel keinen Auftrag einer Gebarungskontrolle. Falls ein Unternehmen eine Fehlinvestition getätigt habe, vielleicht sogar absichtlich oder mutwillig, aber es ist ordentlich ausgewiesen im Jahresabschluss: Dann wurde die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage richtig dargestellt. „Das heißt aber nicht, dass die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage nicht besser hätten sein können“, so der Wirtschaftsprüfer.

Kosten-Nutzen-Frage

Das eine Wirtschaftsprüfung nicht prinzipiell Usus ist, sei eine Kosten-Nutzen-Frage. Ein Wirtschaftsprüfer ist mit Kosten verbunden. Bei der Neuübernahme eines Unternehmens, aber auch bei einem Obmannwechsel, wie nun beim Wirtschaftsbund, ist es von Interesse, ob alles seine Richtigkeit hat oder wie es einem Unternehmen prinzipiell gehe, erklärt Reiner.

Wenn zwei der folgenden drei Merkmale gegeben sind, sind Unternehmen zwei Jahre hintereinander prüfungspflichtig: im Jahresabschluss mehr als zehn Millionen Umsatz, fünf Millionen Bilanzsumme oder 50 Dienstnehmer. „Aber manchmal, wenn ein Unternehmen verkauft wird, kommt auch bei einer geringeren Größe ein Wirtschaftsprüfer ins Spiel, damit die neuen Eigentümer wissen, was sie übernehmen und ob eventuell noch Dinge vorliegen, über die man sich unterhalten muss“, berichtet Reiner aus der Praxis.

Eigenbelege nicht so viel wert wie Rechnung

Wie sieht es nun mit Ersatzbelegen, umgangssprachlich Eigenbelege genannt, aus? Für die Umsatzsteuer ist eine umsatzsteuergerechte Rechnung mit UID-Nummer, Datum und die Art der Leistung oder Lieferung notwendig. Für die Einkommens- und damit auch die Körperschaftssteuer steht im Gesetz, dass man die Ausgaben glaubhaft machen muss. „Sie hat natürlich nicht so viel Wert wie eine Rechnung, die ein echter Nachweis ist“, so Reiner. „Glaubhaft machen“ bedeute aber, dass sehr wohl ein Eigenbeleg akzeptiert wird, wenn er glaubhaft erscheint. Ein Beispiel ist der Schneeräumer, den man bar bezahlt: Wenn das im Jänner passiert, ist das glaubhaft, im Juli nicht. Auch bei Veranstaltungen werden Dienstleister oftmals bar entschädigt.