Welche Gemeinde zu viel Uran im Trinkwasser hat

VN / 18.05.2022 • 15:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Quelle weist eine zu hohe Urankonzentration auf, weshalb der Hochbehälter erneuert werden muss.<span class="copyright">MAB</span>
Die Quelle weist eine zu hohe Urankonzentration auf, weshalb der Hochbehälter erneuert werden muss.MAB

Urankonzentration zu hoch und bauliche Mängel: Dieser Hochbehälter muss um viel Geld ertüchtigt werden.

Schruns Die Trinkwasserquelle Gamplaschg im gleichnamigen Ortsgebiet von Schruns weist mit einem Wert von 37 Mikrogramm pro Liter eine deutlich erhöhte Urankonzentration auf; erlaubt sind eigentlich nur 15 Mikrogramm pro Liter. Das hat eine Trinkwasseruntersuchung durch das Umweltinstitut des Landes Vorarlberg ergeben.


Der hohe Urangehalt ist durch die geologischen Verhältnisse bedingt. Um einen vorläufigen Weiterbetrieb der öffentlichen Wasserversorgung sicherzustellen, erging ein Antrag an das Amt der Vorarlberger Landesregierung, vorerst auf die Dauer eines Jahres die geltenden Grenzwerte für Uran auszusetzen. Im Zuge eines Ortsaugenscheins wurden weitere Mängel des in den Jahren 1953/1954 errichteten Hochbehälters Gamplaschg festgestellt. Es herrschen dort nicht nur unzureichende Platzverhältnisse für den Einbau einer entsprechenden Aufbereitungsanlage, sondern auch altersbedingt eine Vielzahl baulicher Mängel, die nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen entsprechen.

Zu klein und keinen Stromanschluss

Auch das Nutzvolumen des Speichers mit insgesamt 50 Kubikmetern ist zu klein und wird den Anforderungen im Hinblick auf die Löschwasserbereitstellung nicht mehr gerecht. Zudem verfügt der Hochbehälter über keinen Stromanschluss, sodass weder eine stationäre Beleuchtung noch erforderliche Überwachungseinrichtungen für die Erfassung des Wasserstandes und der Zu- und Abflussmessungen vorhanden sind.

Die Trinkwasserquelle hat einen zu hohen Urananteil. <span class="copyright">MAB</span>
Die Trinkwasserquelle hat einen zu hohen Urananteil. MAB

Die Firma Adler+Partner empfiehlt deshalb, den Hochbehälter Gamplaschg mit einem erweiterten Fassungsvermögen von 150 Kubikmetern sowie mit einer Uranentfernungsanlage neu zu bauen. Da aber besagte Uranentfernungsanlage hohe Folgekosten wie den Austausch des Filtermaterials nach sich zieht, wirft die Firma Adler+Partner eine andere Variante in den Raum, und zwar die Beschickung des Hochbehälters Gamplaschg aus dem Hochbehälter Ried. Hierfür müssten Pumpstationen an den Hochbehältern Ried und Hof installiert sowie eine neue Wasserleitung verlegt werden. Eine Stromversorgung der Hochbehälter Gamplaschg und Hof seien laut der Firma Adler+Partner aber bei beiden Lösungsvorschlägen unabdingbar.

Hohe Kosten

Auf die Gemeinde kommen so oder so hohe Kosten zu. Laut einer Grobkostenschätzung beläuft sich die Variante 1 mit der Uranentfernungsanlage auf 710.000 Euro, die Pumplösung kostet zwar etwas weniger, aber dennoch 665.000 Euro netto. Die Gemeinde kann aber auf Landes- und Bundesförderungen in Höhe von 27 bzw. 16 Prozent hoffen.


Aus Sicht der Firma Adler+Partner zeigen sich bei den laufenden Betriebskosten beider Varianten markante Unterschiede. So muss bei Variante 1 (Uranentfernungsanlage) mit jährlichen Betriebskosten von rund 15.000 Euro gerechnet werden. Im Vergleich dazu fallen beim Pumpbetrieb mit einer durchschnittlichen Tagesmenge von 40 Kubikmetern nur 4100 Euro pro Jahr an Energiekosten an. Für die dritte Variante, das Wasser aus weiter entfernten, höher gelegenen Quellen mit geringem oder gar keinem Urangehalt heranzuleiten und es anschließend im Hochbehälter Gamplaschg mit dem anderen Wasser zu vermischen, bis der Urangrenzwert unterschritten ist, gibt es noch keine Grobkostenschätzung.


Laut Institut für Umwelt und Lebensmittelsicherheit des Landes Vorarlberg gab es nur noch eine andere Wasserversorgung im Land, bei welcher ein zu hoher Urangehalt festgestellt wurde. Da diese Wasserversorgung über eine zweite Quelle verfügt, bei welcher der Urangehalt den gesetzlichen Vorgaben entspricht, konnte durch die alleinige Verwendung dieser zweiten Quelle das Problem behoben werden. VN/JUN

Natürliches Uran ist ein Schwermetall, schwach radioaktiv und kommt in Gesteinen vor. Dabei hängt das Vorkommen stark von den geologischen Gegebenheiten ab und kann lokal variieren. Mittlerweile wurde der Richtwert von 15 Mikrogramm pro Liter (µg/l) überholt. Auf Basis einer epidemiologischen Studie aus Finnland wurde ein neuer Richtwert mit 30 µg/l festgelegt.

Durch die festgestellte Urankonzentration von 37 µg/l im Trinkwasser der Quelle Gamplaschg kommt es zu einer minimalen Erhöhung der natürlichen Strahlenbelastung von circa 31 µSv. Bei einem Flug nach New York ist man einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt (50 µSv). Daher besteht bei der Urankonzentration in der Quelle Gamplaschg weder ein Risiko für Erwachsene noch für Säuglinge und Kleinkinder. Erst bei einer Konzentration von 242 µg/l Uran im Trinkwasser würde der Richtwert bezüglich Strahlenbelastung überschritten werden.

Auch der Schwermetallgehalt im Uran ist nicht gesundheitsschädigend. Erst bei einem Wert von 1500 µg/l traten in einer Untersuchung leichte Beeinträchtigungen der Nierenfunktion auf, bei Menschen mit Vorerkrankung könnte das schon bei 150 µg/l der Fall sein. Eine Überschreitung des Richtwertes mit 37 Mikrogramm pro Liter bedeutet laut Dr. Stefan Seebacher, Amtsarzt der Bezirkshauptmannschaft Bludenz, keine akute Gefahr für die Gesundheit. Aus Vorsorgegründen sei aber der Richtwert von 15 µg/l einzuhalten. Die Konzentration von Uran im Trinkwasser mit 37 µg/l liegt nur geringfügig über dem neuen Richtwert von 30 µg/l. In Humanstudien konnten keine negativen Effekte auf die Nieren festgestellt werden.