Stille Malerei, die es in sich hat

Kultur / 21.05.2022 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Werke von Reto Emch im Dachgeschoss des Künstlerhauses Palais Thurn und Taxis in Bregenz. <span class="copyright">AG</span>
Werke von Reto Emch im Dachgeschoss des Künstlerhauses Palais Thurn und Taxis in Bregenz. AG

Zehn internationale Positionen geben sich im Künstlerhaus „spektakulär unscheinbar“.

BREGENZ Nicht nur der Teufel steckt im Detail, sondern auch die Sensation, möchte man angesichts der Arbeiten der aktuellen Ausstellung im Bregenzer Künstlerhaus sagen. „Spektakulär unscheinbar“ lautet das Motto der vom Vorarlberger Künstler Alfred Graf mit gewohnt feinem, kuratorischen Händchen konzipierten Schau, die zehn internationale, zumeist malerische Positionen von Österreich über die Schweiz bis nach Großbritannien, Ungarn und Russland, ins Haus bringt. Eine erste geballte Begegnung erfolgt im Erdgeschoss, wo jede/r der zehn Künstlerinnen und Künstlern mit einer Arbeit vertreten ist, die Kurzvorstellung entpuppt sich als klug komprimiertes Intro, das Lust auf mehr macht. Und reichlich Mehr gibt es von Keller bis Dachgeschoss in unterschiedlichen Konstellationen und dialogischen Zusammenstellungen zu sehen.

Der Titel ist tatsächlich Programm. <span class="copyright">Florian Raith</span>
Der Titel ist tatsächlich Programm. Florian Raith

Dass das Künstlerhaus erstmals seit längerer Zeit mit nur einer Ausstellung bespielt wird, steht dieser „stillen“ Malerei gut an, denn der Titel ist tatsächlich Programm: Das auf den ersten Blick Schlichte, Unscheinbare offenbart bei näherer Betrachtung eine unglaubliche Fülle an Details, Strukturen, Farben und Überlagerungen, die sich zu auch räumlich tiefgründigen Werken verschränken. Bei aller Diversität der Strategien und Mittel teilen sich die beteiligten Künstleren Reto Emch, Alfred Graf, Aurelia Gratzer, Alex Klein, Michael Kravagna, Ian McKeever, Elizaveta Podgornaia, Rudolfine P. Rossmann, Klára Rudas und Helmut Swoboda weitestgehend die ungegenständliche, nicht immer klassische Malerei in all ihren Spielarten als Metier.

<span class="copyright">Florian Raith</span>
Florian Raith


Mit großer Kelle und das Motto in seiner eigenwilligen Präsentationsform beinahe sprengend, richtet Reto Emch (geb. 1961) an. Der Schweizer Künstler stellt sich im EG mit seinem „Bregenzer Bilderhaufen“ aus sieben bedruckten und dynamisch bemalten Bildträgern vor, während er die Malerei bei seiner Installation im Dachgeschoss der Oxidation überlässt, die auf ausgerollte Bleibahnen einwirkt. Auch Alfred Graf (1958) ist kein klassischer Maler. Seine Materialien wie Sand, Erde, Steine und Wachs findet er in der Natur, bei Wanderungen in heimischen Gefilden und auf Reisen in weiter entfernten Destinationen wie zuletzt Sri Lanka, sodass seine Werke auch wie Momentaufnahmen einer Weltkarte anmuten.

Werke von Alfred Graf. <span class="copyright">AG</span>
Werke von Alfred Graf. AG

Auf der Basis von Fotos aus Immobilienbroschüren entstehen die architektonisch angelegten Gemälde der Wiener Künstlerin Aurelia Gratzer (1978), die auf geometrischen Kompositionen, feinen Linien und einer Vielzahl von Strukturen und Farbverläufen beruhen. Der Brite Ian McKeever (1946) bewegt sich dagegen bevorzugt in der Farbwelt von Schwarz und Weiß, die für ihn ihre jeweils eigene, besondere Lichtqualität verkörpern. In Bregenz sind kleinerformatige Werke aus der Serie „Hour Painting“ zu sehen, die die Dimension Zeit in seine Malerei bringen. Wenn bei Alex Kleins (1960) Gemälden ein Entstehungszeitraum von bis zu zehn Jahren angegeben wird, ist das kein Druckfehler. Titel wie „Schichtung“ verraten das bereits und tatsächlich können es bis zu 200 Farbschichten werden, die sich an den ausgefransten, aufgeworfenen Bildrändern teilweise ablesen lassen. Im ersten Geschoss verschwimmen die zartfarbigen Arbeiten des Wieners fast mit der Wand und finden in der Malerei von Michael Kravagna (1962) einen farbtechnisch passenden Dialogpartner. Auch der in Belgien lebende österreichische Künstler Kravagna arbeitet in vielen auf- und wieder abgetragenen Schichten mit Öl, Tempera und Pigmenten, gerne auf quadratischen Bildträgern. 30 kleinere Arbeiten, als Block gehängt, wirken in ihrer opulenten Farbigkeit und Textur beinahe textil.

Links ein Werk von Aurelia Gratzer. <span class="copyright">Florian Raith</span>
Links ein Werk von Aurelia Gratzer. Florian Raith

Veritable Textilien, arrangiert und teilweise mit Farbe inszeniert, bilden die Grundlage für die malerischen Fotoarbeiten der gebürtigen Russin Elizaveta Podgornaia (1991), die ein reales Motiv am Ende abstrakt erscheinen lassen. Der Bezug zur Natur offenbart sich in den Eitemperagemälden von Rudolfine P. Rossmann (1958) häufig bereits im Titel. Die charakteristischen netzartigen Strukturen entstehen durch den flüssigen Farbauftrag auf den waagrecht positionierten Bildträgern. Abstraktion als Dialog der Formen und verschiedener Farben kennzeichnet dagegen die Ölmalerei der Ungarin Klára Rudas (1983), während Helmut Swoboda (1958) seinem Motiv, dem oberösterreichischen Ort Gosau, sowie fast monochrom wirkenden Bildtafeln, seit Jahren treu bleibt. Die letzte sichtbare Reminiszenz an Landschaft und Motiv pflegt der Künstler mit einem Besen von der Leinwand zu wischen. Ariane Grabher

Geöffnet im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Gallusstraße 10, Bregenz, bis 26. Juni, Mi bis Sa von 14 bis 18 Uhr, So und Feiertage von 11 bis 17 Uhr. Zur Finissage findet am 26. Juni, ab 16 Uhr, ein Sommerfest statt.