Van der Bellen möchte “sparsamen” Wahlkampf führen und wirbt um Spenden

Politik / 23.05.2022 • 11:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Der Bundespräsident verkündete am Montag offiziell seine Kandidatur und will “keine laute Politikshow”

Wien “Also ja. Ich bewerbe mich erneut um das Amt des Bundespräsidenten der Republik Österreich.” Mit diesen Worte verkündete Alexander Van der Bellen erneut seine Kandidatur. Er möchte auch in den kommenden sechs Jahren Österreich von ganzem Herzen dienen. Van der Bellen wolle einen kurzen, konzentrierten Wahlkampf anlegen, erklärte er bei seinem Statement Montagvormittag in Wien. Es sei nicht die Zeit für “laute Politikshow”. TV-Konfrontationen mit anderen Anwärtern schloss der Präsident aber nicht per se aus: “Diskutieren tue ich ja gerne.” Abgewickelt wird die Kampagne von einem Verein.

Wahlkampfbudget lukrieren

“Jeder Wahlkampf, sei er auch noch so konzentriert, kostet ein bisschen Geld”, sagt Van der Bellen und daran werde gerade gearbeitet. Genaue Beträge, wieviel Budget notwendig sein wird, nannte er noch nicht. “Die Grünen werden uns schon unterstützen”, zeigt sich der ehemalige Grünen-Klubobmann (1999 bis 2008), der nun parteiunabhängig agiert, zuversichtlich. Schon 2016 hat Van der Bellen einen großen Teil seines Wahlbudgets aus Spenden lukriert – darunter auch Großspender wie der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner und das Unternehmen SLE Schuh, die jeweils 150.000 Euro beisteuerten.

Der Großteil der Mittel kam aber von den Grünen, die ihren früheren Parteichef mit 4,8 Millionen Euro unterstützten, sowie knapp 40.000 Euro von der SPÖ, deren Kandidat Rudolf Hundstorfer im ersten Wahlgang ausgeschieden war. Den Rest finanzierten Spendeneinnahmen von insgesamt knapp über drei Millionen Euro. Rund 1,9 Millionen Euro lukrierte Van der Bellen aber auch durch über 20.000 kleineren Spenden bis 2500 Euro, wie aus den im Internet veröffentlichten Spendenlisten hervorgeht.

Es solle aber ein sparsamer Wahlkampf werden. Was genau weggelassen werde, weiß er noch nicht. Auf Wahlplakate zu verzichten, wäre aber “sehr unüblich für Österreich”. Die letzte “Wahlschlacht” zog sich – inklusive der aufgehobenen Stichwahl und der Wahlwiederholung – fast über ein ganzes Jahr. Entsprechend hoch waren die Kosten mit 8 Millionen Euro für Hofer und 7,9 Millionen für den schließlich siegreichen Kandidaten.

Vertrauen in Politik erschüttert

Van der Bellen zog in seinem Statement Resümee über die vergangenen, sehr turbulenten Jahre. “Es war schon länger klar, dass wir als Gesellschaft in einer Zeitenwende angekommen sind”, sagt er. Auch Ibiza belaste das Land noch immer. Das Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in die Politik sei bis heute ins Mark erschüttert. Er plädiert für Zuversicht: “Wir müssen weiterkommen und wir wollen weiterkommen.”

Die Pandemie brachte Krankheit, Angst, Sorgen, Vereinsamung, Spaltung, Streit, Bedrohung von Arbeitsplätzen, der Wirtschaft und Tod von Angehörigen. “Ein Riss hat sich quer durch das Land durch Freundschaften und Familien gegraben”, sagt Van der Bellen. Schließlich kam der “Kriegswahnsinn”, indem der russische Präsident Wladimir Putin die Ukraine attackierte. “Das betrifft uns alle, ob wir das wollen oder nicht”, sagt der Bundespräsident. Denn Lebenserhaltungs- und Energiekosten steigen in direkter Folge des Kriegs. “Die ökonomischen Opfer, die wir bringen müssen, sind der Preis für Freiheit und Demokratie”, sagt er und ergänzt: “Wir werden unsere Wirtschaft auf solide und zukunftsweisende Beine stellen. Unabhängig von Tyrannen, die am Gashahn oder am Bohrloch sitzen.”

“Junger Hüpfer” vor sechs Jahren

Natürlich habe er überlegt, ob ihn das Amt ein “zweites Mal braucht”, erläutert Van der Bellen. Und beantwortet die Frage mit einem deutlichen “Ja”. Seine Stärken seien Erfahrung, Ruhe und Unabhängigkeit. Er fühle sich dem Amt heute noch mehr gewachsen, also vor sechs Jahren, als er vergleichsweise “ein junger Hüpfer war”. Wichtig sei ihm zudem, dass der Planet auch für die Kinder lebenswert bleibt. Van der Bellen wünscht sich vor allem eine Welt für Mädchen, in der “Gleichberechtigung selbstverständlich ist”.