Engpass bei Quartieren für Flüchtlinge

Politik / 26.05.2022 • 05:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Zahl der Flüchtlinge steigt, nicht nur aufgrund des Ukraine-Kriegs. <span class="copyright">APA</span>
Die Zahl der Flüchtlinge steigt, nicht nur aufgrund des Ukraine-Kriegs. APA

Vor allem für unbegleitete Kinder und Jugendliche fehlt es an Unterkünften.

Schwarzach Zuerst die gute Nachricht: Das Land hätte mittlerweile ausreichend Personal, um die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Vorarlberg zu betreuen. Allerdings – und das ist die schlechte Nachricht – fehlt es an Quartieren.

„Wir suchen nach wie vor sehr dringlich ein Quartier für zwölf Jugendliche“, hält Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) auf VN-Anfrage fest. Die Bereitschaft von Vermietenden, ein Haus für Kinder und Jugendliche aus Ländern wie Syrien und Afghanistan zur Verfügung zu stellen, sei derzeit leider sehr gering.

Quote bleibt unerfüllt

Insgesamt leben aktuell 75 minderjährige Flüchtlinge in Vorarlberg, die ohne Eltern oder erwachsene Angehörige nach Österreich gekommen sind. Zu ihnen zählt auch ein Unter-14-jähriger. Alle anderen sind älter. Die Zahlen sind kein Ruhmesblatt, denn eine gleichmäßige Aufteilung in den Bundesländern funktioniert derzeit nicht. „Wir können wie sechs andere Bundesländer die Quote leider nicht erfüllen und liegen im Bundesländervergleich an vorletzter Stelle“, erläutert Wiesflecker. Die Quote ist mit 43 Prozent weniger als zur Hälfte erfüllt. Das Problem sind die Quartiere.

Die Bereitschaft von Vermietenden, ein Haus für Kinder und Jugendliche aus Ländern wie Syrien und Afghanistan zur Verfügung zu stellen, ist derzeit leider sehr gering. <span class="copyright">VN</span>
Die Bereitschaft von Vermietenden, ein Haus für Kinder und Jugendliche aus Ländern wie Syrien und Afghanistan zur Verfügung zu stellen, ist derzeit leider sehr gering. VN

Bereits zu Beginn musste eine Wohngemeinschaft des Instituts für Sozialdienste schließen. Eine neue WG der Caritas in Bregenz sollte die Lage entschärfen. Dort leben aktuell 16 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, zwölf sind über das SOS Kinderdorf untergebracht und zwei in Patenfamilien des Vorarlberger Kinderdorfs. Drei der Jugendlichen leben privat, sieben im Kinder- und Jugendhilfe-Regelsystem. 35 müssen mit Erwachsenenquartieren Vorlieb nehmen, allerdings mit nachsorgender Sozialarbeit, wie Wiesflecker betont.

Von den 75 unbegleiteten Kindern und Jugendlichen haben bereits 24 den Flüchtlingsstatus, zehn gelten als subsidiär Schutzberechtigte. Bei 41 läuft das Asylverfahren noch, für sie steuert der Bund 95 Euro pro Tag und Kopf bei. Dieser Kostenersatz reiche bei weitem nicht aus, heißt es aus dem Büro der Landesrätin. Die Kosten beliefen sich in etwa auf das Doppelte. Aus der Ukraine zählt das Land bislang einen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtling. Dieser lebe zwar in einem Personenverband, habe aber keine verantwortliche erwachsene Bezugsperson.

79 Gemeinden mit Quartier

Bei den erwachsenen Flüchtlingen und Flüchtlingsfamilien ist die Situation in Vorarlberg weniger angespannt. Hier erfüllt das Land die für die Bundesländer vorgeschriebene Quote zu rund 80 Prozent. Derzeit befinden sich über 2500 Flüchtlinge in der Grundversorgung. Der Bund steuert 21 Euro pro Tag und Person bei. Aktuell sei eine neue Vereinbarung zur Kostentragung in Ausarbeitung, erläutert der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP). Dann würden die Tagsätze auf 25 Euro steigen. Die Personalsituation sei mittlerweile geregelt, sagt er: „Sie war anfänglich sehr herausfordernd.“ Bei den Quartieren sei die Herausforderung größer. Derzeit gibt es 753 Unterkünfte in 79 Gemeinden. „Die Unterbringung findet überwiegend in Kleinst- und Kleinquartieren statt. Vereinzelt gibt es Quartiere mit bis zu 20 Personen sowie einige wenige größere Quartiere“, erklärt der Landesrat. Noch reichten die Plätze aus. Von den ukrainischen Flüchtlingen sind 600 in Unterkünften der Caritas untergebracht, 910 in privaten Wohnungen. Die Quartierssuche werde aber dringender, nicht nur aufgrund der Schutzsuchenden aus der Ukraine, sondern aufgrund der insgesamt steigenden Flüchtlingszahlen aus anderen Herkunftsländern. 

Gantner hofft auf weitere Quartiere. <span class="copyright">VN</span>
Gantner hofft auf weitere Quartiere. VN

Im ersten Quartal stellten 11.118 Personen in Österreich einen Asylantrag. Das sind mehr als doppelt so viele als im Jahr zuvor. Die meisten kommen aus Afghanistan (3145) gefolgt von Syrien (2978) und Tunesien (730). Von den 11.118 Flüchtlingen waren 1557 unbegleitete Minderjährige. Die Top-3-Nationen sind wiederum Afghanistan (1222), Syrien (177) und Pakistan (42). Die Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine ist in diesen Zahlen kaum abgebildet, da die von dort Vertriebenen laut EU-Richtlinie einen Sonderstatus als Kriegsgeflüchtete erhalten. Seit Beginn des Krieges sind knapp 58.000 Ukrainer nach Österreich gekommen.