Was den Walsertalern wichtig ist

VN / 02.06.2022 • 11:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bei der JHV der Regio Großes Walsertal anwesend waren (v.l.): Landesrat Christian Gantner, Willi Müller, Werner Konzett, Alexandra Martin, Stefan Nigsch, Andrea Schwarzmann, Josef Türtscher, Alwin Müller und Erich Kaufmann.<span class="copyright">HAB</span>
Bei der JHV der Regio Großes Walsertal anwesend waren (v.l.): Landesrat Christian Gantner, Willi Müller, Werner Konzett, Alexandra Martin, Stefan Nigsch, Andrea Schwarzmann, Josef Türtscher, Alwin Müller und Erich Kaufmann.HAB

Regio Großes Walsertal hielt seine 49. Jahreshauptversammlung in Thüringerberg ab und wählte neue Obfrau.

Thüringerberg Das Große Walsertal mit seinen 3500 Bewohnern als Biosphärenpark nimmt seit über 20 Jahren eine Pionierrolle im Land ein. Anfang der Woche hatten sich die Bürgermeisterin Alexandra Martin und die Bürgermeister Alwin Müller, Willi Müller, Erich Kaufmann, Stefan Nigsch und Werner Konzett sowie die Delegierten der Gemeinden der Regio Großes Walsertal in Thüringerberg versammelt, um die 49. Jahreshauptversammlung der Regio durchzuführen und um einen neuen Obmann bzw. eine neue Obfrau zu wählen.


Obmann Josef Türtscher eröffnete die Versammlung mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr, die Problematik der Pandemie, die Zeiten der Klimakrise und den Biodiversitätsverlust. Aber es wurden auch einige Zukunftsthemen in Angriff genommen, wie z.B. der Ausbau des Breitbandes, um damit ein gutes Beispiel für andere Regionen zu sein. Er sieht, dass Veränderungen auch eine Chance bieten, Dinge neu und mutig anzugehen, und dass auch die nachhaltige Entwicklung in einer ganzheitlichen Betrachtung der einzig richtige Weg für die Zukunft und die Folgegenerationen ist. Dabei betonte er auch die Wichtigkeit, dass alle an einem Strang in dieselbe Richtung ziehen müssen, um Erfolg zu haben. Gleichzeitig bedankte er sich beim Land für die Unterstützung und begrüßte auch den neuen Regio-Manager Ingo Türtscher.

Andrea Schwarzmann wird neue Obfrau der Regio Großes Walsertal und übernimmt damit das Amt von Josef Türtscher. <span class="copyright">HAB</span>
Andrea Schwarzmann wird neue Obfrau der Regio Großes Walsertal und übernimmt damit das Amt von Josef Türtscher. HAB


Dieser stellte u.a. das Entwicklungskonzept zwischen Freiraum und Landschaft vor, betonte die Wichtigkeit der Verstärkung der regionalen Zusammenarbeit zwischen den Menschen, den Gemeinden und dem Land und dass jeder verantwortlich für die Erhaltung der Natur und der Kulturlandschaft sei.

Neuer Jugendraum und Tal/Studio

Die Zusammenarbeit in der offenen Jugendarbeit mit dem Walgau, die Bürgermeisterin Alexandra Martin in ihrem Vortrag betonte, ist sehr wichtig, auch, um der Jugend eine lebenswerte Umgebung im Tal zu geben. Im alten Gasthaus Gemsle in Blons wird der neue Jugendraum entstehen. Natürlich ist auch die Anpassung an den Klimawandel mit verschiedenen Maßnahmen ein großes Thema. Dazu sind alle Bewohner des Großen Walsertales und jene, die am Tal interessiert sind, zum Besuch und zur aktiven Mitarbeit eingeladen. Da bietet sich zum Beispiel das Tal/Studio im Johannishof in St. Gerold an. „Ein Ort für dich, für mich, für uns – Treffen, Diskutieren, Sein“ sind die Kerngedanken dieses Projekts. „Das Tal/Studio soll ein freier, offener und zugänglicher Ort der Begegnung sein, ohne Konsumzwang“, so Ingo Türtscher. In diesen Räumen werden die Themen und Prozesse im Tal sichtbar und transparent gemacht.

Die 49. Jahreshauptversammlung fand in Thüringerberg statt. <span class="copyright">HAB</span>
Die 49. Jahreshauptversammlung fand in Thüringerberg statt. HAB

Biosphärenpark-Managerin Anna Weber betonte die Wichtigkeit der nationalen Kriterien für die Biosphärenparks in Österreich und wies u.a. auf die Bewusstseinsbildung durch die Biosphärenparkschule, einer Kombination zwischen Lehrplan und Naturvermittlung hin, dazu auf die Wichtigkeit von Biotopexkursionen. Sie erwähnte Forschung und Monitoring, die dabei entstehenden und entstandenen Forschungsprojekte, die vorwissenschaftlichen Arbeiten sowie Master- und Bachelor-Arbeiten, den Besuch durch Exkursionsgruppen und wie wichtig es ist, für die Jugend im Tal Zukunftsaussichten zu erarbeiten. Im Biosphärenpark Großes Walsertal wird dazu eine von fünf österreichischen Fallstudien durchgeführt, die die Auswirkung auf Schutzziele und Schutzgebiete untersucht.

Viele Nachhaltigkeitsprojekte

Energiemanager Andreas Bertel wies auf die Umsetzung von elf Projekten und die damit verbundenen Maßnahmen hin, wie zum Beispiel „Die Kraft der Sonne“, „Nachhaltig mobil im Großen Walsertal“, die Repaircafés nach dem Motto „Verwenden statt Verschwenden“. Zentral seien auch das Energiemanagement, die regionale Förderung und die Bewusstseinsbildung in Verbindung mit der Öffentlichkeitsarbeit.


Zum Abschluss übergab Obmann Josef Türtscher, immerhin hatte er maßgeblich 25 Jahre lang erfolgreich die Regio geleitet, sein Amt an die von der Versammlung einstimmig gewählte Landtagsabgeordnete Andrea Schwarzmann. Josef Türtscher blickte mit Recht voller Stolz auf die im Walsertal geleistete Arbeit zurück. Er betonte die Wichtigkeit der Vorbildfunktion seines Tales, konnte sich aber einen Seitenhieb nicht ersparen mit der Bemerkung: „Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland.“ Dazu wurde ihm von Bürgermeister Willi Müller und seiner Nachfolgerin ein Korb mit regionalen Köstlichkeiten überreicht. Andrea Schwarzmann bedankte sich bei Josef Türtscher und betonte, dass sie gewillt sei, sich den neuen Anforderungen zu stellen. Sie sieht sich als Moderatorin zwischen Management der Regio und dem Biosphärenpark sowie der Bevölkerung.


Landesrat Christian Gantner übermittelte Grüße des Landes mit der Versicherung der weiteren Unterstützung. Er anerkannte die besonderen Werte der Vorarlberger Talschaften und Regionen, rühmte dabei auch die Vorbildfunktion des Großen Walsertales für ganz Österreich und gratulierte dem alten Obmann sowie der neuen Obfrau. Zum Abschluss erklang dann, gesungen von allen Anwesenden, die heimliche Hymne des Tales: „Uf da Berga ischt mi Läba!“ HAB