Viel Ärger mit den Energiegutscheinen

VN / 03.06.2022 • 04:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wilfried Stürz, 66, hat den falschen Gutschein in der Hand. Er und viele andere müssen sich nun Ende Monat um einen neuen bemühen. <span class="copyright">VN/RAUch</span>
Wilfried Stürz, 66, hat den falschen Gutschein in der Hand. Er und viele andere müssen sich nun Ende Monat um einen neuen bemühen. VN/RAUch

In vielen Wohnblöcken landen die Gutscheine im falschen Briefkasten. Dies sorgt für Ärger und Frust.

Bregenz Fragt man Wilfried Stürz in Bregenz nach dem Energiegutschein, packt ihn die Wut. Angefangen hat es, als er beim Onlineausfüllen des Geburtsdatums Monat für Monat zurückblättern musste, ganze 50 Jahre. Und dann das: Er hatte den Gutschein einer anderen Wohnung in der Hand.

Adressiert sind die Gutscheine nicht an die Bewohner, sondern an die Tops, sprich die Wohnungen selbst. 35 Parteien leben bei ihm im Haus, keine hat den richtigen Gutschein erhalten. Der hausinterne Tausch, so dass jeder schlussendlich den richtigen Gutschein in der Hand hält, klappt aber auch nicht. “Die einen haben ihn weggeworfen, da er nicht direkt adressiert war. Andere haben ihn schon abgeschickt, da ihnen der Fehler nicht auffiel”, weiß Stürz.

Hilfe erst im Juli

Ein Rundruf bei Hotline und Ministerien brachte auch nichts, jede Stelle verwies ihn weiter. Stürz und viele andere sollten nun neue Gutscheine ordern, dies sei aber technisch erst Ende Juni möglich.

“Man hat das Gefühl, sie wollen nicht, dass man die Gutscheine einlöst”, bringt es der 66-Jährige auf den Punkt. Gerade jene, die es oft am dringendsten benötigen, werden so abgeschreckt. “Manche denken sicher, sie selbst hätten was falsch gemacht und rühren sich aus Scham nicht”, befürchtet der Bregenzer.

Wien sieht wenig Problemfälle

Im Finanzministerium hat man von den Problemen gehört und hatte entsprechend auch schon Kontakt mit der Post. Die Gutscheine müssten den Adressen zugeordnet werden, da die Förderung dem Hauptwohnsitz und nicht der Person zugeordnet wird. Ansonsten funktioniere der Austausch unter den Hausbewohnern selbst recht gut, vermutet man in Wien. “Das zeigt sich auch daran, dass lediglich bei einem halben Promille aller versandten Gutscheine aus diesem Grund Anrufe einlangen”, erklärt ein Ministeriumssprecher.

Stolperfallen im Energiegutschein

Zählpunktnummer Sie ist die erste große Herausforderung für viele. Die Zählpunktnummer findet sich nicht am Stromzähler, sondern auf der Stromrechnung. Sie umfasst nicht weniger als 33 Ziffern und beginnt mit “AT00”. Viele suchen diese aber auf dem Stromzähler und geben daher die Seriennummer des Gerätes an.

Hauptzähler Gerade wer ein Einfamilienhaus nachträglich in ein Mehrparteienhaus mit mehreren Wohnungen umrüstete, hat meist nur einen Stromzähler für mehrere Wohnungen. Nur der Besitzer des offiziellen Hauptzählers und Vertragspartner des Energielieferanten hat Anspruch auf den Gutschein und kann einen einlösen.

Hauptwohnsitz Ähnlich ist es mit Nebenwohnsitzen. Nur für den Hauptwohnsitz gilt der Gutschein. Wer keinen in Österreich hat, kann diesen auch nicht einlösen.

Hilfe gibt es über die Hotline zum Energiegutschein, erreichbar unter 050 233 798. Der Gutschein kann auch online eingereicht werden.

Hunderte Anrufe täglich

Dies ist jedoch längst nicht die einzige Herausforderung. Viele Empfänger sind mit der Suche nach ihrer Zählpunktnummer gefordert. “Mit Beginn dieser Woche haben die Anfragen sprunghaft auf jeweils über 500 Anrufe pro Tag zugenommen”, erklärt Konzernsprecher Andreas Neuhauser. Davor waren es etwa 100 am Tag. “Als sehr nützlich erweist sich die Suchfunktion auf unserer Website. Kunden können in wenigen Sekunden die für sie relevante Zählpunktsnummer finden.” Mehr als 70 Prozent aller Anfragen können auf diesem Weg einfach und schnell abgewickelt werden. Doch auch allgemeinere Fragen werden an die illwerke vkw herangetragen. In der konkreten Abwicklung werden verschiedene Verbesserungspotentiale ersichtlich, erklärt der Energieanbieter diplomatisch.

In den nächsten Tagen sollten alle Gutscheine zugestellt sein, versichert das Finanzministerium. Wer bis Ende Monat dennoch über keinen Gutschein verfügt, soll diesen über die Hotline (050 233 798) anfordern. Ähnliches gilt für jene, die den Gutschein für eine andere Adresse als ihre Hauptmeldeadresse nutzen wollten. Diese werden postalisch oder per Mail informiert. Den Status eines eingereichten Gutscheins lässt sich auch online abfragen.

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