Vorarlberger Musiker boten Hochschaubahn der Gefühle

Kultur / 12.06.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Ensemble Concerto Stella Matutina mit der Solistin Tanja Vogrin auf der Bühne AmBach in Götzis. <span class="copyright">JU</span>
Das Ensemble Concerto Stella Matutina mit der Solistin Tanja Vogrin auf der Bühne AmBach in Götzis. JU

Concerto Stella Matutina präsentierte einen Abend der leisen Töne mit kräftigen Akzenten.

GÖTZIS. Am Beginn „Music for a while“ von Henry Purcell, als zweite Zugabe „Come again“ von John Dowland, zwei der schönsten Liebeslieder aus dem alten England. Von einem zum anderen zog sich ein vielfältiger Spannungsbogen über diesen Abend, der ganz der Liebe galt und ihren verschiedensten Ausformungen in vorwiegend leisen Tönen.

Viel mehr war es eigentlich eine Hochschaubahn der Gefühle, denn immer dort, wo allzu viel Emotionales das Geschehen zu ertränken drohte, brachte eine kluge Dramaturgie das Spiel mit handfesten Tanzrhythmen und festlichen Aufmärschen wieder auf Trab. Den Vordenkern von Concerto Stella Matutina, das sich in die Reihe erster Originalklangensembles in Österreich und der Bodenseeregion gespielt hat, gehen auch nach 17 Jahren tatsächlich niemals die guten Ideen aus. Das Publikum stürmt denn auch das ab dieser Saison verdoppelte Platzangebot der fünf Abokonzerte AmBach.    

Gefeierte Solistin Tanja Vogrin. <span class="copyright">JU</span>
Gefeierte Solistin Tanja Vogrin. JU

„Is love a sweet passion?“ als Motto war wohl nur eine rhetorische Frage nach der Liebe als süßer Leidenschaft. Zur kompetenten Beantwortung hat man mit der slowenischen Musikerin Tanja Vogrin, die vor einiger Zeit im Ensemble von Monteverdis „Orfeo“ bei den Montforter Zwischentönen aufhorchen ließ, sicher die Idealfigur für diesen speziellen Bereich aufgeboten. Man weiß nicht, soll man bei ihr im reinen, nie ausufernden, traumhaft geführten Mezzo die technische Kunstfertigkeit des barocken Gesangs mehr bewundern oder ihre Fertigkeit auf einer kleinen italienischen Harfe, die sie mit allen Finessen meisterhaft beherrscht. Oder gar die Herausforderung, wenn sie beide Disziplinen vereint und sich ohne Einbußen als Sängerin selbst an der Harfe begleitet? Jedenfalls eine große Künstlerin ihres Fachs, bei der alles perfekt, jedoch niemals steril wirkt.     

Tanja Vogrin präsentierte sich als Sängerin sowie als Harfenistin. <span class="copyright">JU</span>
Tanja Vogrin präsentierte sich als Sängerin sowie als Harfenistin. JU

Freude und Schmerz sind bei Tanja Vogrin sorgsam abgewogen, für beides findet sie eine Unzahl an Varianten und Ausdrucksmöglichkeiten. Sie ergötzt ihre Zuhörer, wenn sie in Pepuschs Kantate „Airy Cloe“ in neckischen Koloraturen ihren Mann erst anerkennt, wenn er gegen die Frau aufbegehrt, vermag aber wie etwa in „Dido’s Lament“ von Purcell über den Tod der Geliebten das Publikum auch bis ins Innerste zu berühren. All diese Perlen barocker Sangeskunst sind wie üblich bei CSM sorgsam eingebettet in Medleys, bei denen mit ein paar Akkorden von Thomas Platzgummer am Cello und Johannes Hämmerle am Cembalo meist in derselben Tonart in die neue Stimmung übergeführt wird. Das reicht von leisen Lautenklängen im „Harfen Consort“ bis zu schmetternder Festlichkeit bei Hochzeiten oder Prozessionen in der Purcell-Suite über „King Arthur“ mit ihren frechen Variationen über die Liebe in allen Lebensbereichen. Auch in dieser schlanken Besetzung mit nur einem Streichquintett, angeführt vom souveränen David Drabek, mit Blockflöte, Oboen und Fagott im Holz, zwei Trompeten, Pauken und Continuo entfaltet das Ensemble das intensiv aufeinander abgestimmte, authentische Klangbild einer großen Vergangenheit, längst ein untrügliches Markenzeichen von CSM. Ein beglücktes Publikum lässt sich gerne mittragen. Fritz Jurmann

Nächstes Abokonzert des Ensembles Concerto Stella Matutina: 14. und 16. Oktober in Götzis. 24. bis 26. Juni, “Solomon” von Händel beim Origen Festival in St Moritz.