Wie es mit dem Pannenradar Valluga weitergeht

VN / 15.06.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie es mit dem Pannenradar Valluga weitergeht
Die Zukunft des Wetterradars Valluga ist weiter ungewiss. Derzeit erarbeitet die ZAMG ein Vorprojekt. Bösch

Unklare Zuständigkeiten der Ministerien bremsen Neustart des seit 2017 defekten Wetterradars seit Jahren aus.

Bregenz Der Klimawandel hinterlässt Spuren. Mit ihm wächst die Sorge vor Extremwetterereignissen mit großen Schäden durch Hochwasser und Muren auch im Land. Umso dringlicher wäre ein funktionierendes Vorwarnsystem, das allerdings weiter auf sich warten lässt. Unklare Zuständigkeiten der Ministerien bremst den Neustart des seit 2017 defekten Wetterradars Valluga seit Jahren aus.

Politikum um Wetterauge

Ein Politikum um das blinde Wetterauge erregt nun vor allem im Nachbarbundesland Tirol die Gemüter. Der designierte neue Landeshauptmann Toni Mattle spricht gegenüber der Tiroler Tageszeitung von einem Trauerspiel. Das Thema werde wie eine “heiße Kartoffel” herumgereicht.

Das Wetterradar Valluga wurde im Sommer 2006 errichtet und im Jahr darauf in Betrieb genommen. <span class="copyright">Bösch</span>
Das Wetterradar Valluga wurde im Sommer 2006 errichtet und im Jahr darauf in Betrieb genommen. Bösch

Ein Blitzeinschlag hatte die Anlage im Sommer 2017 lahmgelegt. Da die notwendigen Ersatzteile am Weltmarkt nicht verfügbar waren, war das Schicksal des 2007 erbauten Radars besiegelt: Totalschaden. Eine Machbarkeitsstudie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sah schließlich die Neuerrichtung des Wetterradars Valluga auf 2809 Metern vor. Passiert ist bisher wenig. “Natürlich geht das alles auch mir viel zu langsam”, sagt der zuständige Landesrat Christian Gantner. Starkniederschläge würden zunehmen, das Wetterradar damit an Bedeutung gewinnen. “Wir sind nicht glücklich, dass wir auf diesem Auge blind sind”, so der Landesrat.

Landesrat Christian Gantner sieht die vereinbarten Schritte im Zeitplan. Aber auch ihm geht das alles viel zu langsam. <span class="copyright">VN/Sams</span>
Landesrat Christian Gantner sieht die vereinbarten Schritte im Zeitplan. Aber auch ihm geht das alles viel zu langsam. VN/Sams

Die Länder Tirol und Vorarlberg haben bei der ZAMG mittlerweile ein Vorprojekt in Auftrag gegeben, das Ende Sommer vorliegen soll. Man sei soweit im Zeitplan, sagt Gantner. Mit den Erkenntnissen wolle man dann umgehend auf die Ministerien zugehen. Bisher schoben die involvierten Klimaschutz-, Landwirtschafts- und Bildungsministerium den Ball hin und her, sahen sich jeweils nicht zuständig. Dabei geht es im Wesentlichen um die Finanzierung. Klar ist schon jetzt: Die Neuerrichtung des Radars dürfte deutlich teurer werden als bisher angenommen. Die Verhandlungen werden damit wohl nicht einfacher.

Technisch wäre eine Neuerrichtung machbar, so ZAMG-Leiter Manfred Bauer. <span class="copyright">ZAMG</span>
Technisch wäre eine Neuerrichtung machbar, so ZAMG-Leiter Manfred Bauer. ZAMG

Dass plötzlich alles schnell gehen wird, erscheint jedenfalls unwahrscheinlich. Finanziert wurde die Anlage 2007 von Bund (55 Prozent) und den Ländern Tirol (28 Prozent) und Vorarlberg (17 Prozent). Eine Kostenschätzung für die Neuerrichtung Anfang 2021 sah zwei Millionen für die Anlage und 3,3 Millionen Euro für den Betrieb in einem Zeitrahmen von 15 Jahren vor.

Detailbesprechungen laufen

Derzeit befinde man sich mitten in den Detailbesprechungen, sagt Manfred Bauer, Leiter der ZAMG in Innsbruck. Wenn jemand das Geld in die Hand nimmt, dann könne die Anlage wieder in Betrieb gehen, so der Experte. Technisch wäre es also machbar. Die Kosten der Erstabschätzung würden aber nicht halten. Bauer spricht von Leistungen, die nicht berücksichtigt waren, und der allgemeinen Teuerung. Auch die Sondersituation mit der exponierten Lage müsse berücksichtigt werden. Gearbeitet wird derzeit zudem an mehreren Optionen, wie und von wem die Anlage schließlich betrieben wird. Das Allerwichtigste sei aber die politische Entscheidung, sagt Manfred Bauer. Damit sind wieder die Ministerien am Zug. “Wir erwarten uns jedenfalls, dass es zu keinen unnötigen Verzögerungen kommt, weil das Radar sicherheitsrelevant für die Bevölkerung ist”, so Landesrat Gantner.