Bademeisterinnen: Von Sicherheit, Klischees und Respekt

VN / 26.06.2022 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Bademeisterinnen Alina Anwander, Sophie Winkler und Anja Wieser (v. l.) sorgen im Bregenzer Strandbad für Ordnung und Sicherheit. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Die Bademeisterinnen Alina Anwander, Sophie Winkler und Anja Wieser (v. l.) sorgen im Bregenzer Strandbad für Ordnung und Sicherheit. VN/Paulitsch

Schimpftiraden und höchstes Lob: Alina, Sophie und Anja haben als Bademeisterinnen schon einiges erlebt.

Bregenz Abends im Bregenzer Strandbad: Um 20 Uhr schließen die Pforten und es ist bald Dienstschluss für das Personal am Beckenrand und am See. Sophie Winkler (21) dreht an der Kabeltrommel des Beckenreinigers und lässt den Schlauch ins Wasser sinken. “Mit dem Gerät werden unter anderem Blätter und Haargummis rausgefischt”, erklärt die junge Bademeisterin. Dies ist nur eine von vielen Aufgaben, die die Bregenzerin und ihre Kolleginnen und Kollegen täglich meistern. So schauen sie auf die Sicherheit der Badegäste, leisten Erste Hilfe, klären Konflikte, kümmern sich um die Wasserqualität und verleihen Liegen und Bälle.

Unter anderem ist Sophie Winkler auch für Erste-Hilfe-Einsätze gut gerüstet.
Unter anderem ist Sophie Winkler auch für Erste-Hilfe-Einsätze gut gerüstet.

Im Bregenzer Strandbad sind über den Sommer verteilt insgesamt 25 Bademeister und Gehilfen in verschiedenen Anstellungsverhältnissen beschäftigt, darunter auch Sophie und ihre Kolleginnen Anja Wieser (20) und Alina Anwander (24), die alle jüngst die Bademeisterprüfung abgelegt haben und damit eine wichtige Personallücke schließen.

Für Alina ist es bereits die achte Saison im Strandbad. “Ich bin über die Wasserrettung zum Strandbad gekommen und habe dann als Ferialerin gestartet”, erzählt Alina und fügt mit einem Lächeln hinzu: “Später habe ich dann Sophie und Anja eingelernt.”

Für Alina Anwander ist es die achte Saison im Bregenzer Strandbad.
Für Alina Anwander ist es die achte Saison im Bregenzer Strandbad.

Inzwischen studiert die Fußacherin in Wien Chemie und hat heuer gemeinsam mit Sophie, die als Technikassistentin bei den Stadtwerken beschäftigt ist und auch noch für die Matura lernt, die Bademeisterprüfung abgelegt. Ebenso über die Wasserrettung und als Ferialerin fand Anja den Weg ans kühle Nass. Die Lochauerin absolviert eine Physiotherapieausbildung und ist am Wochenende als Bademeisterin im Einsatz.

Anja Wieser hat die Bademeisterprüfung im Vorjahr abgelegt und ist an den Wochenenden im Strandbad im Einsatz.
Anja Wieser hat die Bademeisterprüfung im Vorjahr abgelegt und ist an den Wochenenden im Strandbad im Einsatz.

Erlebt haben die drei jungen Frauen im Lauf der Jahre schon einiges. “Es gibt nichts, was es nicht gibt. Und je heißer es ist, desto kuriosere Dinge passieren”, erläutert Anja den Bademeisteralltag. An Spitzentagen haben es die Strandbadmitarbeiter mit 7000 Gästen zu tun. Von der Schimpftirade wegen Corona-Maßnahmen über schwere Verletzungen bis hin zu Rettungsaktionen bei brenzligen Gewittersituationen: Die jungen Frauen haben schon viele Erfahrungen gesammelt. Daher versuchen sie die Baderegeln konsequent zu kommunizieren, um für ein ungetrübtes Badevergnügen zu sorgen.

Es ist auch schon passiert, dass eine Mama einfach ihr Kind bei mir abstellen wollte. Aber wir sind keine Babysitter.

Alina Anwander, Bademeisterin

Sorgen bereitet ihnen immer wieder die Sorglosigkeit mancher Eltern. “Nur weil die Kleinen Schwimmflügel anhaben, heißt es nicht, dass nichts passieren kann”, weiß Anja und fügt hinzu: “Wir können nicht überall gleichzeitig sein.” Da gebe es dann schon immer wieder Diskussionen mit Eltern, die ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen. “Es ist auch schon passiert, dass eine Mama einfach ihr Kind bei mir abstellen wollte. Aber wir sind keine Babysitter, sondern sind für die Sicherheit aller da”, appelliert auch Alina an die Eltern.

Alina, Sophie und Anja sind Bademeisterinnen mit Leib und Seele.
Alina, Sophie und Anja sind Bademeisterinnen mit Leib und Seele.

Manchmal mangle es eben doch auch an Respekt, erzählen die jungen Schützerinnen der Badenden. Während Freibadbesucher bei Erste-Hilfe-Themen oder persönlichen Angelegenheiten sehr gerne Rat bei den jungen Retterinnen suchen, so gestalte sich auch so mancher Ordnungsruf bei bestimmten Gruppen als eher schwierig, obwohl sie es nur gut meinen. “Aber wir sind ja untereinander im Team sehr gut vernetzt und unsere männlichen Kollegen wären immer gleich zur Stelle, sollte es mal heikel werden”, erzählen Alina und Sophie und Anja ergänzt mit einem Schmunzeln: “Manchmal gehen wir Frauen auch zu zweit hin. Das schaut dann gleich etwas furchteinflößend aus.”

Das Schönste am Bademeisterjob sind für Sophie, Alina und Anja Momente, wenn das Team oder die Anlage gelobt wird. Auch Kindern beim Aufwachsen zuzusehen und deren Lächeln zu sehen, wenn ein Wehwehchen gut versorgt wurde, bereitet ihnen Freude. Auch das Gesellige kommt nicht zu kurz. Die jungen Frauen sind mittlerweile nicht nur Kolleginnen, sondern auch gute Freundinnen. Nach Dienstschluss lassen sie gemeinsam mit anderen Teammitgliedern den Tag Revue passieren und genießen den Sonnenuntergang, während der Beckenreiniger die Überreste des Badetags einsaugt.