Wo es bei den niedergelassenen Ärzten hapert

VN / 27.06.2022 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Hausarzt dringend gesucht: Auch in Vorarlberg wird es langsam eng. <span class="copyright">APA</span>
Hausarzt dringend gesucht: Auch in Vorarlberg wird es langsam eng. APA

ÖGK-Arbeitnehmervertreter fordert besser Einbindung der Wahlärzte in die Kassenversorgung.

Dornbirn Die komplette Abschaffung des Wahlärztesystems ist politisch nicht durchsetzbar. Damit hat sich ÖGK-Arbeitnehmervertreter Andreas Huss abgefunden. Seine diesbezügliche Forderung sorgte im vergangenen Jahr gehörig für Aufregung. Er bleibt jedoch dabei, dass Wahlärzte stärker in die Kassenversorgung eingebunden werden müssen, wie er bei einem von der SPÖ angesetzten Pressegespräch betonte. Grund ist der zunehmende Mangel an Allgemeinmedizinern im niedergelassenen Bereich. Offene Stellen lassen sich nur noch schwer bis gar nicht mehr besetzen. Für sieben Kassenstellen, die im heurigen Frühjahr ausgeschrieben waren, ging keine einzige Bewerbung ein, verdeutlichte die SPÖ-Landtagsabgeordnete Manuela Auer. Sie sieht den niederschwelligen und kostenfreien Zugang zur Gesundheitsversorgung zunehmend gefährdet, weil Patienten vermehrt auf Wahlärzte ausweichen müssten.

Geänderte Lebensplanung

Sorge bereitet zudem die bevorstehende Pensionierungswelle. Bis 2027 gehen 70 Kassenärzte in den Ruhestand. Zu ihnen gehört auch die SPÖ-Landesvorsitzende Gabriele Sprickler-Falschlunger. Nach 33 Jahren als Allgemeinmedizinerin in Dornbirn wird sie im September ihre Praxis schließen. Trotz Ausschreibung in ganz Österreich sowie im süddeutschen Raum fand sich bislang kein Nachfolger. Vorarlberg hat aktuell 335 ärztliche Kassenstellen, davon 160 in der Allgemeinmedizin. Mit einem Mangel an Einkommen lässt sich das bescheidene Interesse an der Kassenmedizin nach Meinung von Andreas Huss nicht begründen. „Ärzte verdienen mehr als andere Freiberufler“, zitierte er aus einem Rechnungshofbericht. Allerdings habe sich die Lebensplanung junger Ärzte verändert. „Beruf und Familie müssen vereinbar sein, und niemand will heutzutage noch als Alleinkämpfer tätig sein“, führte der ÖGK-Vertreter zwei Ursachen an.

Ein Verteilungsproblem

Für ihn steht außer Frage: „Wir müssen das System neu denken.“ Es braucht demnach neue Formen der Zusammenarbeit, den Ausbau von Primärversorgungseinheiten, die in Vorarlberg aber noch fehlen, insgesamt mehr Kassenstellen sowie Unterstützung im Umfeld der Übernahme eines Kassenvertrags. In diesem Zusammenhang hob Andreas Huss die Kinderärztezentren in Dornbirn und Feldkirch hervor, wo der aks bekanntlich die Administration schaukelt. Als eine weitere zentrale Forderung nannte er ein versorgungswirksameres und transparenteres Wahlarztsystem mit zum Beispiel verpflichtender Anbindung an das e-card-System. „Wir wissen oft nicht, was Wahlärzte machen.“ In manchen Fällen sei Homöopathie noch die evidenzbasierteste Behandlung. In Vorarlberg gibt es 316 Wahlärzte, von denen jedoch nur 48 relativ versorgungswirksam sind. Will heißen: Lediglich sie rechnen mit der ÖGK medizinisch relevante Leistungen ab. Huss: „Daran lässt sich grundsätzlich erkennen, dass es keinen generellen Ärztemangel gibt, sondern vielmehr ein Verteilungsproblem der ärztlichen Ressourcen.“ Österreichweit sind bei der Ärztekammer 47.000 Mediziner gelistet.