„Was passiert mit Florian?“

VN / 29.06.2022 • 10:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Maria Wohlgenannt kümmert sich liebevoll um ihren Großneffen. Unterstützt wird sie von Katze „Socke“. <span class="copyright">HRJ (2)</span>
Maria Wohlgenannt kümmert sich liebevoll um ihren Großneffen. Unterstützt wird sie von Katze „Socke“. HRJ (2)

Maria Wohlgenannt pflegt ihren Großneffen rund um die Uhr. Jetzt ist sie selber krank und braucht Hilfe.

DORNBIRN Florian war noch ein Säugling, als ihn seine Großtante Maria Wohlgenannt zu sich nahm. Nach seiner Geburt hieß es, dieses Kind wird nicht einmal ein Jahr alt. Jetzt ist Florian 21. Es sind Fürsorge und Liebe, die den schwerbehinderten, schwerkranken jungen Mann am Leben halten.

Florian leidet an einer Cerebralparese mit Mehrfachbehinderung. Unter anderem ist er wegen der Tetraparese (Lähmung aller vier Extremitäten) immobil. Wegen der ausgeprägten Schluckstörung wird er über eine Magensonde ernährt. Wegen der Lungenfunktionsstörung ist Sauerstoffversorgung und ständiges Absaugen erforderlich.

„Meine Liebe gibt ihm Kraft, aber Florian gibt auch mir Kraft. Das ist gegenseitig.“

Maria Wohlgenannt
Pflegende Angehörige

Er liegt in einem speziellen Pflegebett. Seine Haut ist blass, fast durchsichtig, dadurch wirkt er zerbrechlich. Sein Blick ist an die Decke gerichtet. Er kann sich nicht mitteilen, nimmt aber jedes an ihn gerichtete Wort und jede Berührung wahr. Seine Großtante, die ihn rund um die Uhr gepflegt, streichelt immer wieder sein Gesicht, hält ihn fest: „Florian braucht das“, betont sie. „Berührung ist sein Lebenselixier.“

Hochs und Tiefs

Bei Florians Geburt im September 2000 war seine Mutter erst 15 Jahre alt und litt an einer psychischen Erkrankung. „Darum kam das Kind zu mir und blieb bei mir“, erklärt Wohlgenannt. Damals war sie eine geschiedene Frau mit drei Kindern und lebte bereits 30 Jahre in diesem Haus, im Bürgle, hoch über Dornbirn. „Hier heroben bin ich aufgewachsen – auf einem Bauernhöfle, nicht weit von hier, mit neun Geschwistern, drei Kühen, zwei Schweinen, Hühnern, Hasen, Meerschweinchen, Katzen und Hunden“, erinnert sie sich. Beruflich war sie nach dem Abschluss der Haushaltungsschule immer im Verkauf tätig, bis zur Pensionierung im Sommer 2003. Florian ist seit Jänner 2001 in ihrer Obhut.

Heute blickt die 72-Jährige auf eine Zeit mit vielen Hochs und Tiefs zurück. Zu den Tiefs zählen die Erkrankungen, derentwegen ihr Schützling immer wieder behandelt werden musste: „Lungenentzündung hat er ziemlich oft. Und zeitweise leidet er an epileptischen Absencen.“ Den bisher wohl kritischsten Moment überstand Florian 2012, als er Essen in die Lunge aspirierte und daraufhin neun Wochen im Spital lag. Das habe er fast nicht überlebt.

Florian braucht Berührung.
Florian braucht Berührung.

Seit drei Jahren sei Florian relativ stabil, informiert Wohlgenannt. „Natürlich hat er auch schlechte Phasen, doch er ist ein Kämpfer. Meine Liebe gibt ihm Kraft, aber Florian gibt auch mir Kraft. Das ist gegenseitig.“ Jetzt ist Maria Wohlgenannt selber krank geworden. Sie muss wegen einer defekten Herzklappe und einem Aorten-Aneurysma operiert werden. Und das möglichst bald. Doch da ist die Angst um Florian, die Wohlgenannt schier verzweifeln lässt.

Wer sie und Florian finanziell unterstützen möchte, kann das über das Spendenkonto der Vorarlberger Kinderhilfsorganisation „Stunde des Herzens“: Sparkasse Bludenz, IBAN: AT342060703200033474, BIC: SSBLAT21, Spendenzweck: Maria Wohlgenannt.

Florian braucht nunmal permanent Vollbetreuung und liebevolle Zuwendung: „Was passiert mit ihm, wenn ich wochenlang nicht bei ihm sein kann?“ fragt sie besorgt. Es ist schon ein Problem, die Grundpflege während ihrer Abwesenheit zu sichern. Ihr zufolge haben die Pflege-Institutionen für solche schweren Fälle kein Personal, „und die 24-Stunden-Betreuerinnen machen das nicht, weil sie dafür eine Intensivpflege-Ausbildung brauchen“. Darum sucht sie private Betreuer:innen, die sich abwechselnd um Florian kümmern. Das kostet allerdings viel Geld, das die Pensionistin nicht hat.

Erholung im Garten

Wenn der Eingriff überstanden ist und Maria Wohlgenannt aus dem Spital entlassen wird, muss sie es noch eine Weile ruhig angehen. Das ist ihr klar. Um zu Kräften zu kommen und die Rund-um-die-Uhr-Pflege wieder aufnehmen zu können, braucht sie einen erholsamen Ausgleich. „Den habe ich bei der Gartenarbeit“, sagt sie. „Erholung ist für mich, draußen an der frischen Luft zu werkeln.“ Das kann sie jedoch nur dann, wenn jemand da ist, der zu Florian schaut. Zum Glück habe sie Angehörige und Freundinnen, die zu ihr kommen, um sie stundenweise zu entlasten, sagt sie: „Hätte ich diese lieben Menschen nicht, wüsste ich nicht, wo ich heute stehen würde.“ Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das, Frau Wohlgenannt? Sie zieht die Augenbrauen hoch und antwortet: „Ich brauche keine Wünsche. Wichtig ist, dass es Florian gut geht. Dann geht es auch mir gut.“ HRJ