Warum die verzögerte Sanierung des Kornmarkttheaters Kosten erzeugen könnte

Kultur / 30.06.2022 • 03:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Die Notwendigkeit steht fest, aber die Politik stellt das Kornmarkttheater auf Warteposition.

Bregenz Die Zeit ist ein dehnbarer Begriff. Abonnenten des Vorarlberger Landestheaters, die sich schon darauf gefreut haben, dass sie zu Saisonbeginn 2025 in einem renovierten Kornmarkttheater sitzen werden, müssen sich noch ein Jahr länger gedulden.

Noch vor wenigen Monaten wurde der Sanierungsstart mit Herbst 2024 angegeben, nun heißt es auf VN-Nachfrage in der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft (Kuges), dass es erst in der Saison 2025/2026 so weit sein wird. Diesbezüglich spricht Kuges-Geschäftsführer Werner Döring aber klare Worte: “Wenn es im kommenden Herbst keinen Landesregierungsbeschluss gibt, dann wackelt auch dieser Termin.” Kosten fallen dann allerdings trotzdem an, denn die technischen Einrichtungen sind pauschal gesagt dringend reparaturbedürftig und diesbezüglich gibt es keine Alternative. Eine weitere Verzögerung würde sich somit äußerst ungünstig auf die Zukunft des Landestheaters auswirken, denn die Lage ist ernst. Döring spricht auch vom Fallen des Vorhangs, wenn die Sicherheitsstandards aufgrund der Reparaturbedürftigkeit einiger technischer Anlagen nicht mehr gewährleistet werden können.

Kostenpunkt 9,6 Millionen Euro

Was die Gesamtkosten betrifft, so gibt es vorerst keine neue Zahlenkonstellation. 9,6 Millionen Euro standen im Jänner dieses Jahres im Raum, noch gilt diese Summe, wobei zu berücksichtigen ist, dass sie angesichts der momentanen Teuerungswelle nicht in Stein gemeißelt sein kann. Absprachen gibt es bezüglich der Aufteilung. Die Stadt Bregenz, der die Immobilie gehört (während sich das Land die Alleinnutzung gesichert hat), übernimmt 20 Prozent.

Öffnung zum Tizianplatz

Läuft alles nach Plan, so wird das Projekt im kommenden Jahr europaweit ausgeschrieben. Renderings, die bislang kursierten, will Döring nicht in Umlauf bringen. Es handle sich dabei lediglich um Ausbaustudien, die die Architekten nicht einschränken sollten, obwohl sie einige sehr interessante Details aufweisen. So sollte die baulich hermetische Abriegelung in Richtung Tizianplatz bzw. Kunsthaus aufgelöst werden. Die hohe, fensterlose Wand, die der Geschichte des Gebäudes als ehemaliges Kornhaus geschuldet ist, könnte mit Türen versehen werden, die erstens ein neues Foyer ergeben und zweitens auch dem Charakter eines offenen Hauses entsprechen.

<p class="caption">Mit einem Stück von Werner Schwab gelang dem Landestheater ein großartiger Saisonabschluss. <span class="copyright">LT/Köhler</span></p>

Mit einem Stück von Werner Schwab gelang dem Landestheater ein großartiger Saisonabschluss. LT/Köhler

„Wenn heuer kein Regierungsbeschluss zustande kommt, fallen dennoch Reparaturkosten an.“

Werner Döring, Geschäftsführer der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft

Öffnung im übertragenen Sinn zeichnet sich auch im Spielplan von Intendantin Stephanie Gräve ab. Neben Klassikern wie “Nora” von Ibsen und „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Brecht sieht ihr Vorhaben auch die Auseinandersetzung mit den Schriftstellern Kundeyt Surdum (1937-2016) und Max Riccabona (1915-1997) vor. Das kann man unter dem Begriff “gesellschaftspolitisch relevantes Theater” subsumieren. Dass mehr jüngeres Publikum als bisher darauf anspricht, hat sich bereits gezeigt. Darüberhinaus ist das Vorarlberger Landestheater, wenn auch nicht so massiv wie anderswo, mit Problemen konfrontiert, die sich aufgrund der Pandemie in vielen Theatern zeigen, denn das Publikum verhält sich nach Unsicherheiten und Corona-Auflagen noch etwas zögerlich.

Finanzierung

Dass das Vorarlberger Landestheater mit einem Budget von rund vier Millionen Euro im Vergleich zu anderen Bühnen unterfinanziert ist, lässt sich nicht schönreden. Angesichts der Tatsache, dass mit der Vertragsverlängerung von Intendantin Gräve die Absicht verbunden ist, das Theater weiterzuentwickeln, gibt sich Döring hinsichtlich der Budgetgespräche aber optimistisch. Er verstehe, dass im öffentlichen Haushalt in Zeiten wie diesen vorsichtig zu agieren ist, neben Bildung und Forschung sei die Kultur aber als wichtige Lebensader zu sehen.

Die Produktion "Else (ohne Fräulein)" des Vorarlberger Landestheaters soll in der kommenden Spielzeit in Wien gezeigt werden. <span class="copyright">LT/Köhler</span>
Die Produktion "Else (ohne Fräulein)" des Vorarlberger Landestheaters soll in der kommenden Spielzeit in Wien gezeigt werden. LT/Köhler