Warteliste und Ausweichen ins Tirol: Ewige Suche nach einem Hausarzt

VN / 02.07.2022 • 02:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Warteliste und Ausweichen ins Tirol: Ewige Suche nach einem Hausarzt
Latzer, APA

Tochter auf verzweifelter Suche nach einem Hausarzt für 82-jährige Patientin.

Rankweil Petra Latzer klingt entschlossen. Dass ihre 82-jährige Mutter für eine Nachbehandlung keinen Termin bei einem Allgemeinmediziner in Rankweil bekommt, will sie nicht einfach hinnehmen. „Wie kann es sein, dass ein Arzt in Pension geht und die Nachfolge nicht organisiert wird?“, stellt sie in den Raum.

In der Not nach Tirol

Eine Antwort darauf hätte sich die Rankweilerin eigentlich von der Ombudsstelle der ÖGK erhofft. Allerdings blieb eine Reaktion bis heute aus. „Dreimal habe ich die Ombudsstelle kontaktiert“, ärgert sie sich vernehmlich. Die erste E-Mail, in der sie die Problematik ausführlich darlegte, datiert vom 25. Mai. In Ermangelung eines Hausarztes fährt sie jetzt zur Kontrolluntersuchung, die im Juli ansteht, mit ihrer betagten Mutter in die Uniklinik nach Innsbruck: „Dort bekommt man noch einen Termin und wird sogar gefragt, ob der Zeitpunkt wegen der Anfahrt nicht zu früh ist.“ Petra Latzer muss es einfach sagen, denn: „Die Situation beunruhigt mich und unsere Familie schon sehr.“

Petra Latzer hat beschlossen, das Problem öffentlich zu machen.
Petra Latzer hat beschlossen, das Problem öffentlich zu machen.

Was Petra Latzer da beschreibt, dürfte wohl kein Einzelfall sein. Termine zu bekommen wird, wie die VN berichteten, selbst bei Allgemeinmedizinern in Vorarlberg immer schwieriger. Dabei steht die große Pensionierungswelle im niedergelassenen Bereich noch bevor. In den kommenden Jahren gehen 70 Kassenärzte in Pension, davon allein 36 Allgemeinmediziner.

Dornbirn, die größte Stadt des Landes, etwa verliert heuer gleich zwei Allgemeinärzte mit großen Praxen. Das Problem: Vakante Kassenstellen lassen sich immer schwerer nachbesetzen. Auch die Mutter von Petra Latzer verlor ihren Hausarzt an den Ruhestand. „Ich selbst war nicht seine Patientin“, erzählt sie, weshalb sie den Pensionsantritt nicht mitbekommen habe.

Aber selbst die Mutter sei nicht informiert worden, merkt die Tochter kritisch an. Zusätzlich ist die 82-Jährige schon länger bei einer Internistin in Behandlung. „Sie hilft uns, wo sie kann“, merkt Petra Latzer dankbar an. Für weitere Behandlungen und Medikamentenverschreibungen brauche die Mutter jedoch auch einen Allgemeinmediziner.

Vergebliches Bemühen

Wie prekär die Situation ist, bekam Latzer bei der letzten Kontrolle vor Augen geführt. „Die Internistin wollte wissen, an welche Kollegin oder welchen Kollegen sie den Arztbrief schicken darf“, berichtet Petra Latzer. Sie konnte niemanden benennen. Daraufhin fuhr sie sofort zu den niedergelassenen Ärzten und sprach dort persönlich vor. Zu hören bekam sie unter anderem: „Wir sind leider voll, können die Mutter aber auf die Warteliste setzen.“ Dann noch der wohlgemeinte Hinweis: Sollte ein größeres Problem auftreten, solle sie nochmals anrufen. „Ich war nervlich am Boden, wusste nicht, was ich noch unternehmen soll.“ Immer noch aufgewühlt schildert die Frau ihre Emotionen nach den vergeblichen Bemühungen.

Inzwischen muss die Seniorin auch damit zurechtkommen, dass nur noch eine Niere funktioniert. „Wie kann es sein, dass eine Patientin mit dieser Krankheitsgeschichte nicht von einem Arzt übernommen und betreut wird?“, fragt sich die Tochter, der Verzweiflung nahe. Ihr höfliches Hilfeersuchen an die ÖGK fand bislang kein Echo. Petra Latzer erzählt ihre Geschichte, weil sie überzeugt ist, dass es vielen Menschen so ergeht. „Meine Mutter verlässt sich auf mich, andere haben vielleicht niemanden, der für sie kämpft.“

Die FPÖ will den Ärztemangel sowie die Forderung nach Versorgungssicherheit in der „Aktuellen Stunde“ der Landtagssitzung am kommenden Mittwoch, 7. Juli, thematisieren.

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