Landesregierung und Illwerke Vkw: Strompreisdeckel ist der falsche Weg

Politik / 13.07.2022 • 12:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Landesregierung und Illwerke Vkw: Strompreisdeckel ist der falsche Weg
VN/Paulitsch, DPA

Landesstatthalterin will keine eine Begrenzung der Strompreise, die Illwerke Vkw zahlen vorerst einen 40-Euro-Bonus aus.

Schwarzach Die einen können sich einen Strompreisdeckel vorstellen, die anderen nicht. Während die Rufe in Wien, Niederösterreich, Burgenland und Salzburg für eine solche Maßnahme ausspricht, um den steigenden Energiepreisen Einhalt zu gebieten, ist die Vorarlberger Landesregierung klar dagegen.

Zwar hätte eine Begrenzung des Strompreises nach oben einen gewissen Charme, sagt Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink, die Landeshauptmann Markus Wallner derzeit während seines längeren Krankenstandes vertritt. Aber man müsse auch die Argumente der Skeptiker hören. Der landeseigene Energieversorger Illwerke Vkw sehe eine Deckelung etwa kritisch, sagt die ÖVP-Politikerin.

Unternehmenssprecher Christof Burtscher bestätigt das gegenüber den VN: „Jeder Eingriff in einen Marktmechanismus ist zu hinterfragen und kann nur wohlüberlegt passieren. Aus diesem Grund kommt für die Illwerke Vkw nur eine gesamteuropäische Lösung in Frage.“ Diese fordert auch Bundeskanzler Karl Nehammer. Um mit den Gaspreisen runterzukommen brauche es internationale Anstrengungen. Das werde auf EU-Ebene diskutiert, dauere aber schon viel zu lange: „Die EU-Kommission muss in die Gänge kommen“, sieht Nehammer die Verantwortung in Brüssel.

Man müsse auch die Skeptiker wie die Illwerke Vkw hören, die einen Strompreisdeckel kritisch sehen, sagt Schöbi-Fink. <span class="copyright">DPA</span>
Man müsse auch die Skeptiker wie die Illwerke Vkw hören, die einen Strompreisdeckel kritisch sehen, sagt Schöbi-Fink. DPA

Schöbi-Fink betont, dass der Strommarkt nicht an der Grenze ende. Von einem mit Steuergeldern subventionierten günstigeren Preis würden auch ausländische Verbrauche profitieren, gibt sie außerdem zu bedenken. Man müsse sich nun Zeit lassen, sauber überlegen und gut abwägen. In Vorarlberg seien Strom- und Gaspreis ohnedies bis 1. April 2023 gesichert und der Strompreis im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr günstig.

Welche Folgen eine Deckelung hätte, lasse sich nicht pauschal beantwortet, erläutert Illwerke-Vkw-Sprecher Burtscher. „Das hängt stark davon ab, wie sie aussehen würde. Möglicherweise hätte sie gar keine Auswirkung, da die Strompreise der Illwerke VkW im Stromanbieter-Vergleich sehr niedrig liegen. Mittelfristig würde aber wohl der Wettbewerb reduziert und die Stromversorger müssten vermutlich Ergebnisverschlechterungen in Kauf nehmen.“

Die Illwerke Vkw planen aktuell bei einem Bonus für die Stromkunden zu bleiben. <span class="copyright">Illwerke Vkw</span>
Die Illwerke Vkw planen aktuell bei einem Bonus für die Stromkunden zu bleiben. Illwerke Vkw

Das Ergebnis der Illwerke Vkw ist bislang gut. Alleine im vergangene Jahr stieg der Jahresgewinn von 60 auf 136 Millionen Euro. Sechs Millionen davon nimmt das Unternehmen nun in die Hand um seinen Stromkunden je Haushalt 40 Euro zurückzugeben. Gis-befreite Haushalte bekommen 120 Euro. Dies werde automatisch auf der Rechnung gutgeschrieben. Burtscher ist überzeugt, dass der Strompreis auf Grund „unserer Preispolitik und der Maßnahmen der Bundesregierung in Vorarlberg sogar ein wenig gesunken ist“. Ob angesichts des hohen Gewinnes aus dem Vorjahr ein weiterer Bonus denkbar ist? „Wir sind der mit Abstand günstigste Anbieter in Vorarlberg und werden mit vorausschauenden Maßnahmen weiterhin versuchen, unseren Kundinnen und Kunden gute Tarife anbieten zu können.“ Aber ein weiterer Bonus sei derzeit nicht geplant, hält der Unternehmenssprecher fest.

Im laufenden Geschäftsjahr sei zwar ein vergleichbar positives Ergebnis zu erwarten. Das liege aber vor allem an der Situation des Unternehmens auf dem Energie-Großhandelsmarkt: „Die Belieferung der Endkunden liefert derzeit keinen positiven Ergebnisbeitrag. Dies wird auch in absehbarer Zeit nicht der Fall sein“, hält der Sprecher der Illwerke Vkw fest. Ob die Kosten des Unternehmens für die Stromerzeugung in gleichem Ausmaß wie die Preise steigen, beantwortet Burtscher so: „Vorarlberg kann nicht den gesamten Energiebedarf über eigenen Wasserkraft zur Verfügung stellen. Wir sind mit unseren Kraftwerken und als Energieversorger Marktteilnehmer und arbeiten daher klar mit den Mechanismen des Marktes.“

Subventionen wären besser als eine Deckelung, sagt Wifo-Chef Felbermayr. <span class="copyright">APA</span>
Subventionen wären besser als eine Deckelung, sagt Wifo-Chef Felbermayr. APA

Sollte am Ende dann doch eine Deckelung des Strompreises kommen, sei es wichtig, dass diese auf einer gemeinsamen Entscheidung aller Marktteilnehmer basiert.

Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Gabriel Felbermayr, hielte es indes für sinnvoll den Strom europaweit zu subventionieren, anstatt zu deckeln. Er kann sich beispielsweise vorstellen, “dass die Haushalte alle ein gewisses Ausmaß an Strom als Freistrom bekommen”, also als eine Gutschrift. Das würde die Preisexplosion abschwächen, ohne dass Anreize zum Stromsparen verloren gehen.