Heiße Sitzsteine ohne Schatten irritieren Dornbirn

VN / 18.07.2022 • 13:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Heiße Sitzsteine ohne Schatten irritieren Dornbirn
VN/RAUch

Die Bürgermeisterin findet sie recht cool, der FPÖ-Stadtrat misst auf ihrer Oberfläche 59 Grad. Auch auf der Straße wundert man sich über den fehlenden Schatten.

Dornbirn Im Februar wurde das alte Telefonhäuschen am südlichen Ende der Fußgängerzone abgetragen. Nun ist die Neugestaltung abgeschlossen: Drei anthrazitfarbene Beton-Basaltlava-Sitzsteine, in den Nachtstunden indirekt von unten aus einem Kieskreis beleuchtet, grenzen seit einer Woche die Fußgängerzone von der Marktstraße ab.

Sie sind die ersten von insgesamt zehn geplanten “Kieselsteinen”, die als Sitzmöbel rund um die Fußgängerzone diese aufwerten sollen. Ergänzt werden sie durch neue Sitzreihen aus demselben Material beim Rat- und Kulturhaus. Während die Sitzreihen im Schatten der Bäume sind, sind dies die Steine am Ende der Fußgängerzone nicht.

Dies sorgt bei der Bürgerschaft der Messestadt doch spürbar für Verwunderung. Der Hauptkritikpunkt: Dunkle Oberflächen in direkter Sonneneinstrahlung rund um die Uhr, inmitten eines versiegelten und grauen Platzes, laden nicht gerade zum gemütlichen Sitzen im Hochsommer ein.

Ich sehe die Steine jetzt zum ersten Mal. Ich finde die Steine recht ansprechend. Falls diese Arrangement so fertig ist, fehlt aus meiner Sicht schon etwas. Am anderen Ende der Fußgängerzone gibt es etwa das Wasserspiel, in dem sich Kinder abkühlen können. Auch ein Baum hätte sicher Platz gehabt. Der Baum vom Bierlokal wirft doch kaum Schatten bis zu den Steinen. Jetzt würde ich mich hier nicht hinsetzen wollen.

Margit Beer, 48, Dornbirn

FPÖ-Stadtrat Christoph Waibel trägt seine Unzufriedenheit ebenfalls an die Öffentlichkeit. Die Steine erhitzen sich nach seiner Messung auf knapp 60 Grad. Gemessen habe er die Temperatur am Sonntag gegen 16 Uhr, bei einer Außentemperatur von 27 Grad. Ihm ist rätselhaft, wer hier sitzen soll, wenn die Steine im Sommer heiß, im Winter kalt und bei Regen nass sind. “Diese Selbstverwirklichung mancher Personen im Rathaus ist nur noch lästig”, erklärt der FPÖ-Stadtrat.

Waibel mit seinem Thermometer. Er habe die Aufnahme am Sonntag gegen 16 Uhr gemacht, also fernab der Mittagszeit. <span class="copyright">Waibel</span>
Waibel mit seinem Thermometer. Er habe die Aufnahme am Sonntag gegen 16 Uhr gemacht, also fernab der Mittagszeit. Waibel

SPÖ-Vizebürgermeister Markus Fäßler, zuständig für den Straßenbau in Dornbirn, weist die Zuständigkeit von sich. Dafür sei die Stadtentwicklung verantwortlich, sprich die ÖVP. “Es ist mir unverständlich, wie man auf die Beschattung vergessen konnte”, betont Fäßler. Es sei offensichtlich, dass sich der Platz und mit ihm die Steine untertags aufheizen. Und dieses Problem werde mit dem Klimawandel noch zunehmen. Er sieht auch die eigenen Bemühungen für eine kühlende Straßengestaltung in Dornbirn konterkariert.

Eine Unternehmerin am Ende der Fußgängerzone bestätigt, dass die Gestaltung bei ihr und den Kollegen rundum für Kopfschütteln sorgt. An Sommertagen würden die Steine zu warm. Sie fürchtet, dass sich Kinder weh tun, wenn sie unüberlegt in kurzen Hosen auf die heißen Steine wollen. “Da kann man dann doch Spiegeleier auf den Steinen braten”, ist sie überzeugt. Auch die Senioren würden untertags weiterhin lieber im Schatten der Kastanie des Bierlokals auf der Mauer sitzen als auf den neuen Steinen.

Stadt verteidigt Gestaltung

Vonseiten der Stadt Dornbirn betont man, dass die neue Stadtmöbilierung vor dem Rathaus, Kulturhaus und eben dem Ende der Fußgängerzone mit großer Zustimmung sowohl dem Planungsausschuss als auch dem Stadtrat vorgestellt wurde. Die Sitzsteine wurden beim Origano-Festival ebenfalls gut angenommen, versichert Stadtsprecher Ralf Hämmerle. Laut VOL.AT investierte die Stadt 90.000 Euro in die neuen Sitzsteine.

Aus meiner Sicht hätte man es etwas hübscher machen können. Jetzt gegen Mittag wäre es mir doch zu heiß auf den Steinen. Aber gestern spielten hier die Kinder, das war schon nett anzusehen.

Doris Fuhrmann, 66 Tierärztin in Vertretung in Dornbirn

Von der Hand zu weisen sei natürlich nicht, dass sich Stein- und Asphaltflächen bei den aktuellen Temperaturen aufheizen. Die umliegenden Häuser würden jedoch abseits der Mittagszeit durchaus ausreichend Schatten bieten, ist Hämmerle überzeugt. In diesen Zeiten seien die Steine auch gut frequentiert.

Die Idee, direkt bei den Steinen ein Baum zu pflanzen, scheitert jedoch am Untergrund. Zuviele Rohre und Leitungen verlaufen unter der Marktstraße, als das ein Baum vertretbar wäre. “Geprüft wird allerdings, ob etwas seitlich versetzt ein mittelhoch wachsender Strauch die Gestaltung ergänzen könnte”, räumt Hämmerle ein.