Altachs Herr der Grasnarben

Sport / 30.07.2022 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Altachs Herr der Grasnarben
VN/RHomberg

Seit Jahren sorgt Ferdi Jussel dafür, dass sein Cashpoint SCR Altach in der “Rasentabelle” der Bundesliga einen Top-Drei-Platz einnimmt. Zuletzt gab es für den 70-Jährigen vom großen BVB neben einem großen Lob für den perfekten Rasen zusätzlich noch ein Geschenk.

Altach Nein, es war kein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, sondern vielmehr ein kleines Dankeschön für den perfekten Rasen. Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund übergaben nach den beiden Testspielen gegen Valencia und Villarreal ein Geschenk an Ferdi Jussel. “Dafür bin ich ja da”, sagt der gebürtige Feldkircher in seiner ihm eigenen bescheidenen Art. Nur nicht zu viel an Lob, nur nicht zu viel in den Vordergrund oder gar zu viel Fragen beantworten. Dabei wird der 70-Jährige im Kollegenkreis durchaus für seine Geselligkeit geschätzt.

Zur Person

Ferdinand “Ferdi” Jussel
Geboren:
24. Juli 1952
Wohnort: Altach
Beruf: gelernter Maurer, jetzt Pensionist
Familie: verheiratet mit Maria

Barfuß geht Ferdi Jussel seiner Arbeit im Stadion nach. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Barfuß geht Ferdi Jussel seiner Arbeit im Stadion nach. Rhomberg
So kennen die Spieler Ferdi Jussel. Mit dem Arbeitsgerät, den Stadionrasen pflegend. <span class="copyright">Rhomberg</span>
So kennen die Spieler Ferdi Jussel. Mit dem Arbeitsgerät, den Stadionrasen pflegend. Rhomberg

“Es gibt keine Geheimnisse unter den Platzwarts. Jeder kocht halt sein eigenes Süppchen.”

Ferdi Jussel über die Pflege des Stadionrasens

Ferdi, wie er von allen liebevoll genannt wird, ist eine Institution in Altach, ein echtes Original. Eigentlich ist der Verein in seiner jüngsten Klubgeschichte (rund 40 Jahre) ohne den stets ein wenig grantig und unnahbar wirkenden Platzwart nicht vorstellbar. “Ich glaube, es war der Kopf Rainer”, erzählt er auf die Frage, wie er zu Altach gekommen ist. Selbst das Datum (“Wohl Anfang der 80er-Jahre”) hat er nicht mehr im Kopf. Klar, Ferdi ist da, gefühlt ist er es schon immer. Er erinnert sich an die Zeit in der Landesliga, an Trainer wie Alfons Dobler oder Spieler wie Frank Flatz, der später auch sein Trauzeuge war.

Ferdi Jussel (rechts) mit Altachs Teammanager Mario Mayer. <span class="copyright">gepa</span>
Ferdi Jussel (rechts) mit Altachs Teammanager Mario Mayer. gepa

Besonderes Markenzeichen

Ein Markenzeichen von Jussel ist ganz sicher sein Hang zum “Barfuß-Gehen”. Selbst bei der Arbeit spürt er lieber jede Grasnarbe. Es stört ihn dabei nicht einmal, dass seine stets gebräunten Füße beim Linienziehen in ein “tiefes Weiß” tauchen. Wichtiger ist ihm da, später den Durst bei einem wohlverdienten Most im sogenannten “Arbeiter-VIP” der Cashpoint Arena zu stillen. Bei Spielern ist der Platzwart gleichermaßen beliebt wie gefürchtet, zumal er penibel auf das satte Grün in der Arena achtet. Was die meisten nicht mehr wissen: Ferdi Jussel ist ein begnadeter Jodler. Daran erinnern sich die alten SCRA-Kicker, als man noch – zusammen mit den 1b-Mannschaften – in der Regionalliga West nach Salzburg und ins Tirol fuhr. Als Zeugwart war er damals stets mit von der Partie. Und nicht selten brillierte er bei der Heimfahrt beim “Kufsteiner-Lieg” mit einer Jodeleinlage.

Ferdi Jussel (im Bild hinter Benedikt Zech) 2017 im Europacup-Einsatz. <span class="copyright">gepa</span>
Ferdi Jussel (im Bild hinter Benedikt Zech) 2017 im Europacup-Einsatz. gepa
2014 gab es bei der Meisterfeier von Kapitän Philipp Netzer eine Bierdusche für Ferdi Jussel. <span class="copyright">gepa</span>
2014 gab es bei der Meisterfeier von Kapitän Philipp Netzer eine Bierdusche für Ferdi Jussel. gepa
War schon immer stets zur Stelle, wenn er gebraucht wird: Ferdi Jussel. <span class="copyright">gepa</span>
War schon immer stets zur Stelle, wenn er gebraucht wird: Ferdi Jussel. gepa

Selbst Fußball gespielt habe er nicht, erzählt er. Dennoch liebt er das Spiel mit dem runden Leder heiß. Erzählungen, wonach er in frühen Jahren – noch im Riedle – bei Spielen unter den SCRA-Funktionären als Stürmer glänzte, kosten ihn nur ein Lächeln. Getreu dem Motto “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold” widmet er sich lieber der Arbeit. Einst als Zeugwart oder schon als Masseur sowie in der Wäscherei im Einsatz, ist das Stadion längst zu seiner zweiten Heimat geworden. Heute ist es der Rasen, der es dem rüstigen Pensionisten angetan hat. Zumal er aus früherer Tätigkeit in einer Gartenbaufirma beste Vorkenntnisse besitzt. Davon profitiert heute sein SCR Altach, aber auch die gegnerischen Mannschaften, deren Spieler das Grün in der Cashpoint Arena stets mit Bestnoten versehen.