Gericht: Lebensmüder steckte Hotelzimmer in Brand

VN / 04.08.2022 • 15:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Betroffene vor Richterin Sabrina Tagwercher.
Der Betroffene vor Richterin Sabrina Tagwercher.

Welche Konsequenzen ein Suizidversuch mit Brandstiftung für einen 43-Jährigen hat.

feldkirch Im März 2021 wurde die Feuerwehr zum Brand eines Hotelzimmers im Oberland gerufen. Wegen der starken Rauchentwicklung musste das ganze Gebäude evakuiert werden.

Am Brandherd selbst stießen die Einsatzkräfte auf einen an seinen Armen schwer verletzten Mann. Wie sich herausstellte, hatte der damals 42-Jährige eine Couch in Brand gesteckt. Und das mit Absicht.

Eineinhalb Jahre später sitzt derselbe Mann im Verhandlungssaal am Landesgericht Feldkirch. Wegen Brandstiftung. Doch die Staatsanwaltschaft sieht darin keine gerichtlich relevante Straftat. Sie plädiert auf eine Einweisung des Betroffenen (nicht Angeklagten) in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Denn der heute 43-Jährige soll die Feuersbrunst damals unter dem Einfluss einer schweren depressiven Erkrankung mit manifester Suizidalität und akuten paranoid-psychotischen Symptomen verursacht haben.

Pulsadern aufgeschnitten

Die Staatsanwältin drückt die Vorgänge in drastischen Worten aus. „Der Betroffene schnitt sich zunächst die Pulsadern auf. Als dieser Suizidversuch erfolglos war, entfachte er mit einer brennenden Zigarette und einem alkoholhaltigen Desinfektionsmittel das Feuer, um an den Rauchgasen zu ersticken oder am Brand selbst zu sterben.“

Ursache für die Verzweiflungstat sei die Trennung von seiner Familie gewesen, die er nicht verkraftete. Er wohnte schon seit längerem allein im Hotelzimmer, als er den Entschluss zum Suizid fasste.

Bei der Verhandlung zeigt sich der Betroffene alles andere als kooperativ. Konkreten Fragen der Richterin Sabrina Tagwercher zur Tat weicht er konsequent aus. Bei der polizeilichen Einvernahme hatte der Betroffene noch von „Stimmen“ erzählt, die ihm die Handlung befohlen hätten. Vor Gericht hingegen spricht er etwa von einem Mann im dritten Stock, der „damals türkische Musik laufen ließ und das alles organisiert habe.“ Beim Prozess hat der 43-Jährige eine Tasche vor sich liegen, nimmt immer wieder irgendwelche Schriftstücke heraus und schmeißt sie mit lautstarken Bemerkungen zu Boden. Schließlich wird er aufgefordert, den Verhandlungssaal zu verlassen.

Bedingte Einweisung

Währenddessen empfiehlt der anwesende psychiatrische Sachverständige Franz Riedl, den Betroffenen einer verpflichtenden psychiatrischen Ambulanz zuzuführen. Die Richterin folgt den Empfehlungen und spricht deshalb nur eine bedingte Einweisung des Mannes in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher für eine Probezeit von fünf Jahren aus.