Gericht: Mit falschen Krankheiten 127.000 Euro ergaunert

VN / 30.08.2022 • 19:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Angeklagte beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. <span class="copyright">Eckert</span>
Die Angeklagte beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Eckert

Gutgläubiger überwies Ex-Prostituierten über fünf Jahre lang großzügig Geldbeträge. 

feldkirch Sie ist 43 Jahre alt, arbeitete einst als Prostituierte, jetzt ist sie Kassiererin. Zum Prozess am Landesgericht Feldkirch kommt sie in hochhackigen Schuhen und engen Hosen, während der Verhandlung zieht sie den Lippenstift nach. Dass sie den zehn Jahre älteren Mann, der stumm ein paar Stühle neben ihr sitzt, um eine große Menge Geld betrogen hat, scheint sie nicht allzu sehr zu belasten. Der Arbeiter hat einen harten Job, verdient sein Geld schwer und ist der Frau schlichtweg auf den Leim gegangen. 2013 lernten die beiden sich kennen, 2017 häuften sich die Geschichten von Krankheit, Spitalsaufenthalten und enormen Gesundheitsausgaben. Der Mann vertraute ihr und zahlte und zahlte.

Angebliche Leiden

An erlogenen Ausgaben für die Gesundheit der Frau rechnet Markus Fink, Anwalt des Betrogenen, 92.557 Euro zusammen. Immer wieder kam sie mit Beträgen, die sie für ihre diversen Leiden angeblich bezahlen musste.

Dazu kamen weitere Beträge, die sie von dem Mann erbat. Kautionen, Miete für die Wohnung, Geld für eine Waschmaschine, für ein neues Bett. Immer wieder flossen auch hier beträchtliche Summen. Das große Geld warfen jedoch die Lügen um die Gesundheit ab. Einmal 25.000, einmal 15.000 Euro. Im Jänner versuchte es die dreiste Betrügerin nochmals mit 50.000 Euro, doch da wurde es dem Arbeiter zu viel und er konsultierte einen Rechtsanwalt. Der stoppte das dreiste Treiben mit einer Anzeige wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges. Bis dahin waren 127.000 Euro geflossen. Alles in dem Glauben, die Frau sei schwer krank.

Dubioser Hintergrund

Die Angeklagte räumt zwar ein, ihren Bekannten immer wieder angelogen zu haben. Ihr Motiv ist allerdings recht abenteuerlich. Sie sei von einem Dritten, dessen Namen sie auch nennt, mit Gewalt zu sexuellen Handlungen gedrängt und bedroht worden. Sie als dreifache Mutter habe Angst um ihre Tochter im Teenageralter gehabt.

Der Mann habe sie zu den Lügen gezwungen und ihr das gesamte Geld abgenommen, so ihre Schilderung. Die Staatsanwaltschaft wird dieser Geschichte nachgehen. Aber vorerst tut das nichts zur Sache. Sie hat dem Opfer mit Lügengeschichten Geld herausgelockt, einen Teil muss sie laut Gerichtsurteil wieder zurückzahlen. Der Staat will ebenfalls im Wege des Verfalls 127.000 Euro.

Die 43-Jährige wird zu 14 Monaten Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1600 Euro verurteilt. Letzteren Betrag wird die Frau wohl irgendwann bezahlen müssen. Der Rest ist reine Theorie, sie ist im Insolvenzverfahren. Das Opfer wird sein Geld ziemlich sicher nie wieder sehen.