Die neuen Russ-Preis-Träger: Stark durch Gemeinsamkeit

VN / 02.09.2022 • 05:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
V. l.: VN-Herausgeber Eugen A. Russ, Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink, Ehrentraud und Willi Hagleitner, VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und Laudator Reinhard Haller.<span class="copyright"> VN/Rhomberg, Paulitsch</span>
V. l.: VN-Herausgeber Eugen A. Russ, Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink, Ehrentraud und Willi Hagleitner, VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und Laudator Reinhard Haller. VN/Rhomberg, Paulitsch

Ehrentraud und Willi Hagleitner wurden für ihr jahrzehntelanges soziales Wirken ausgezeichnet.

bregenz Sie tun mehr, als sie müssten, verfolgen ihre Anliegen beherzter als andere. Das ist es, was die bisherigen Russ-Preis-Träger eint. Damit haben sie das Leben vieler Menschen im Land und das Land selbst ein Stückchen besser gemacht. Das gilt in hohem Maße auch für die diesjährigen Träger des Dr.-Toni-und-Rosa-Russ-Preises und -Rings, der am Donnerstagabend verliehen wurde. Dennoch wartete die 53. Auflage der Veranstaltung mit einer Besonderheit auf, denn erstmals erhielt mit Ehrentraud (77) und Willi Hagleitner (82) ein Ehepaar diese Auszeichnung.

Willi und Ehrentraud Hagleitner standen auch bei den Dankesreden gemeinsam auf der Bühne.
Willi und Ehrentraud Hagleitner standen auch bei den Dankesreden gemeinsam auf der Bühne.

Zusammenhalt als Wert

Jahrzehnte engagierten sie sich in verschiedensten Bereichen, dabei immer das Wohlergehen der Mitmenschen im Auge. „Das Ehepaar Hagleitner zeigt uns, wie wichtig es ist, Dinge gemeinsam zu tun“, unterstrich VN-Herausgeber Eugen A. Russ in seiner Begrüßungsrede den Wert des Zusammenhalts und persönlicher Initiativen für das große Ganze. Für das seit bald 60 Jahren verheiratete Paar kam die Nominierung für den Russpreis überraschend. „Nach dem ersten Schreck war aber schnell die Freude da“, bekannte Ehrentraud Hagleitner.

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„Wir nehmen die Auszeichnung nicht nur gemeinsam an, sondern auch, und das ist uns wichtig, stellvertretend für die vielen Menschen, die uns begleitet, beraten, animiert und in vielfältigster Weise unterstützt haben“, ergänzte Willi Hagleitner. Der wertschätzende, liebevolle und möglichst vorurteilsfreie Umgang miteinander und mit den Mitmenschen sei für sie bis zum heutigen Tag wegweisend geblieben. Selbstkritisch führte er an, dass dies nicht immer bzw. nicht immer gleich gut gelinge.

Ehrentraud und Willi Hagleitner im Kreise ihrer Familie.
Ehrentraud und Willi Hagleitner im Kreise ihrer Familie.

Das letzte Wort

Hagleitner, der 55 Jahre in Bregenz als Stadtvertreter aktiv war, sparte auch die aktuelle Politik nicht aus. Von ihr wünscht er sich, den gemeinsamen Nenner in den Mittelpunkt zu stellen, statt sich Gedanken zu machen, was politische Mitbewerber möglichst schlecht aussehen lässt. Ebenso sollten sich Förderungen an sozialen Wirklichkeiten orientieren. An die Gesellschaft appellierte Willi Hagleitner, Mitverantwortung für den Mitmenschen wahrzunehmen und das Handeln danach auszurichten, denn: „Wir alle sind letztlich der Staat und das Gemeinwesen.“ Der Schlusssatz ging an seine Frau, wobei aufrichtige Zuneigung aus seiner Feststellung sprach: „Es wird vielfach behauptet, der Mann habe das letzte Wort. Das ist in unserem Fall nicht so, liebe Ehrentraud. Deshalb überlasse ich nun gerne dir das Mikrofon.“ Nachsatz: „Sie hatte und hat öfter das letzte Wort, fallweise merkte ich das nur nicht.“

Laudator Reinhard Haller zeichnete das Wirken des Ehepaars Hagleitner in launigen Worten nach.
Laudator Reinhard Haller zeichnete das Wirken des Ehepaars Hagleitner in launigen Worten nach.

Ehrentraud Hagleitner bezog in ihren Dank die eigenen Familien, Eltern und Geschwister ein, „die uns viel für das Leben mitgegeben haben“. Die Mutter von sieben Kindern brach aber auch eine Lanze für junge Mütter: „Sie stehen unter enormem Druck, um den oft überhöhten Idealen an sie zu entsprechen.“ Wahlfreiheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen lebbar werden. Gleichwohl möchte Ehrentraud Hagleitner, dass gesehen wird, dass auch Mutter-Sein ein Beruf ist, der gesellschaftliche Anerkennung und ökonomische Absicherung benötigt. „Bis es so weit ist, braucht es wohl noch viele kreative Ideen und neue Denkmuster“, merkte Ehrentraud Hagleitner mit der Erfahrung eines langen Frauenlebens an.

Zahlreich fanden die Festgäste den Weg auf die Werkstattbühne im Bregenzer Festspielhaus.
Zahlreich fanden die Festgäste den Weg auf die Werkstattbühne im Bregenzer Festspielhaus.

Sie war es auch, die psychische Erkrankungen durch die Gründung des Vereins HPE aus dem Tabu holte. Der Verein hilft Angehörigen von psychisch Kranken durch Beratung, Selbsthilfegruppen und Weiterbildung. Trotz der Schwere des Themas habe sie bereichernde Jahre erlebt. Ihr Anliegen: „Helfen Sie mit, in der Öffentlichkeit ein menschliches Bild von Psychosen zu zeichnen und um mehr Verständnis zu werben. Mehr Vielfalt und Toleranz tut uns allen gut, nicht nur gegenüber Fremden von außen. Auch das innere Fremdsein, das Fremdwerden in der eigenen Haut, ist in einem großzügigen kulturellen Klima weniger bedrohlich.”

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