Gericht: 61 Kilo Marihuana aus „Ländleaufzucht“

VN / 15.09.2022 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte will sich wieder auf den rechten Weg bringen. <span class="copyright">Eckert</span>
Der Angeklagte will sich wieder auf den rechten Weg bringen. Eckert

Zweieinhalb Jahre Haftstrafe für Erntehelfer, für den sich das Geschäft mit dem „Gras“ nicht lohnte.

feldkirch Der Angeklagte am Landesgericht Feldkirch ist 33 Jahre alt und mehrfacher Vater, hat einen Job, in dem er gut verdient und ist wieder clean.

Doch 2019 war die Lage anders. Der Mann befand sich nach Jobverlust mit 70.000 Euro aushaftenden Schulden im Privatkonkurs. Anfangs half er einem Bekannten bei Umbauarbeiten im Haus, dann wurde ihm ein lukrativ scheinendes Angebot gemacht.

Er solle bei der Ernte von Cannabis helfen, mehrere Indoorplantagen in Vorarlberg standen auf dem Plan. Der Mann stimmte zu. 2000 Euro sollte er pro Ernte bekommen. Insgesamt half er vier Mal, bei der letzten Ernte war das Ergebnis so schlecht, dass er insgesamt „nur“ 6000 Euro bekam.

Auf frischer Tat ertappt

Die Ernte wurde allerdings abrupt unterbrochen, als die Betreiber der Anlage auf frischer Tat betreten wurden. Der Angeklagte war die letzten zwei Jahre im Ausland und hätte laut seiner Verteidigerin dort weiterhin ausharren können. „Mein Mandant stellte sich aber freiwillig, er will die Sache erledigt haben“, sagt die Anwältin.

So zeigte sich der Arbeiter kooperativ und räumte Mengen und Tatzeiträume ein. Insgesamt wurden von 2019 bis 2020 über 61 Kilo Marihuana geerntet, bei weiteren rund sechseinhalb Kilo blieb der Suchtgifthandel beim Versuch. Der Erntehelfer rutschte auch selbst in die Sucht ab, konsumierte Marihuana und Kokain. Heute sei er clean, sagt er. Die vorgelegten Testergebnisse belegen dies, die Drogensucht scheint der Vergangenheit anzugehören. Der bislang Unbescholtene will nun neu durchstarten. Beim Schlusswort, wo er sein Fehlverhalten nochmals einräumt und bereut, kämpft der Beschuldigte mit den Tränen.

Ähnliche Fälle

Es ist nicht der erste „Erntehelfer“, der am Landesgericht verurteilt wird. Richterin Magdalena Rafolt erläutert, dass die Situation der Angeklagten sich immer wieder ähneln würden. Bedrückende finanzielle Situation, keinen Job, Aussicht auf schnelles Geld oder komfortable Wohngelegenheit.

Die wenigsten realisieren, auf was sie sich einlassen und welche Strafen drohen, wenn derart große Erntemengen auffliegen. Viele der Verurteilten waren zuvor unbescholten, sozial integriert, bei der Ernte untergeordnet tätig und bekamen im Vergleich zu den Drahtziehern nur ein „Butterbrot“ als Entlohnung. Der Senat sieht eine Strafe von zweieinhalb Jahren als angemessen an. Mildernd waren Unbescholtenheit und Geständnis und dass ein Teil des Giftes sichergestellt wurde. Erschwerend waren die Tatwiederholung und die große Menge. Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig.