Dank Stammzellen wieder gut zu Fuß

VN / 23.09.2022 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Brigitte Hagen (l.) aus Hard und die Familie Graller aus Hohenems können nach schmerzvollen Zeiten wieder lachen. <span class="copyright">VN/MM, Paulitsch</span>
Brigitte Hagen (l.) aus Hard und die Familie Graller aus Hohenems können nach schmerzvollen Zeiten wieder lachen. VN/MM, Paulitsch

Patienten berichten von sehr guten Erfahrungen mit ambulanter Therapie.

Bregenz Veronika Graller ist erst 31 und doch machten ihr schon Abnützungserscheinungen im Kniegelenk das Leben schwer. Jede Tour wurde für die bergbegeisterte Hohenemserin zur Tortur. Herkömmliche Therapien brachten keine Linderung. Schließlich wandte sich die junge Frau an den Bregenzer Orthopäden Michael Fink. Er behandelt Kniegelenks-Arthrosen seit gut zwei Jahren mittels Stammzellen aus Bauchfett. „Ich war von der Wirkung überzeugt“, sagt Veronika und: „Es hat funktioniert.“ Seitdem gestaltet sich ihr Alltag schmerzfrei. „Auch Bergtouren sind wieder problemlos möglich“, freut sich Veronika Graller. Die Eltern, Silvia (65) und Wolfgang (67), ebenfalls von Arthrose in den Kniegelenken geplagt, machten es der Tochter nach. Mit ebenso gutem Resultat.

Ultimativer Härtetest

Arthrosen entstehen, wenn der für Beweglichkeit und Dämpfung verantwortliche Knorpel in den Gelenken abgebaut wird. Besonders betroffen sind Knie- und Hüftgelenke. Neben konservativen Behandlungsmaßnahmen wie diversen Injektionen mit Cortisonpräparaten, Hyaluronsäureserien und Physiotherapie blieb bislang oft nur der Ersatz durch ein künstliches Gelenk. Diese Option bekamen auch Silvia und Wolfgang Graller von ihren behandelnden Ärzten ans Herz gelegt, nachdem andere Interventionen nicht fruchteten. Doch darauf wollte sich das Ehepaar noch nicht einlassen. Als sie in den VN lasen, dass die Stammzellentherapie auch in Vorarlberg angeboten wird, stand für beide sofort fest: „Das lassen wir machen.“ Der Eingriff verlief erfolgreich. Silvia Graller schwärmt von einem neuen Lebensgefühl und fügt schmunzelnd an: „Wir haben in der Pension schließlich noch viel vor.“ Ihr Mann schafft wieder Berge, von denen er glaubte, da nie mehr hinaufzukommen. Beim als sehr steil bekannten Abstieg von der Geißspitze in Tschagguns zur Lindauer Hütte unterzog Wolfgang sein stammzellentherapiertes Knie dem ultimativen Härtetest. „Alles ging gut.“

Michael Fink mit dem Kniegelenk, der Achillesferse vieler Menschen.
Michael Fink mit dem Kniegelenk, der Achillesferse vieler Menschen.

Problemlos über Treppen

Voraussetzung für ein Funktionieren des Eingriffs ist das Vorhandensein einer gewissen Menge an Knorpel. Entnommen werden die benötigten Stammzellen aus dem Bauchfett. Es handelt sich um sogenannte mesenchymale Stammzellen. „Diese Zellen sind sehr wandlungsfähig. Sie können Fettgewebe, Knochen und Knorpel regenerieren“, erklärt Fink. Die Methode half auch Brigitte Hagen (64) aus Hard auf die Beine. Sie hat sich heuer beide Knie damit behandeln lassen. „Vorher benötigte ich mindestens jeden dritten Tag ein Schmerzmittel.“ Das habe sie gestört, noch mehr aber, dass sie mit ihrem Hund kein Agility mehr möglich war. Jetzt ist alles anders. „Unglaublich“, konstatiert Hagen. „Ich brauche keine Tabletten, und Treppensteigen geht auch ohne Schwierigkeiten.“ Sie spricht von geschenkten Jahren. Eine große Belastung sei von ihr abgefallen. Alle würden den Eingriff wieder durchführen lassen.

<p class="caption">Die Zentrifuge übernimmt die Vorarbeiten, um eine Behandlung möglich zu machen.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span></p>

Die Zentrifuge übernimmt die Vorarbeiten, um eine Behandlung möglich zu machen. 

Weitere Forschungen

Ob eine Wiederholung etwas bringt, daran forscht derzeit eine Gruppe von Orthopäden in Polen. Es gibt auch noch keine Langzeiterfahrungen, dafür laut Michal Fink übrzeugende Vier-Jahres-Ergebnisse. Demnach haben 80 Prozent der Patienten die Behandlung als gut bis sehr gut bewertet. Der Eingriff dauert etwa 90 Minuten. Danach kann das Gelenk sofort belastet werden. Fink rät in den meisten Fällen zu einer anschließenden Physiotherapie, um durch Schonung bedingte Fehlhaltungen auszumerzen. „Jede Form von Bewegung ist erlaubt“, betont der Orthopäde. Die Reize, die körperliche Aktivität auf die eingebrachten Stammzellen ausübt, beschleunigen die Regeneration. Die Kosten müssen die Patienten selbst tragen. Manche Privatversicherungen zahlen zumindest einen Teil der Behandlung. Die Wartezeit auf einen Termin liegt aktuell bei acht Wochen.