“Gasspeicher ohne Zugriff nichts wert”

Politik / 24.09.2022 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Gasspeicher ohne Zugriff nichts wert"
Canva, VN

Vorarlberg leitet sein Gas durch Deutschland. Landeshauptmann Wallner wartet auf den Vertrag, dass das auch im Notfall passiert.

Schwarzach “Wir sind ungeduldig, denn der Winter steht vor der Tür”, sagt Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) im Gespräch mit den VN. Im Prinzip sei Vorarlberg gut abgesichert für den Winter. Nur fehle weiterhin die Rechtssicherheit bei der Gasdurchleitung durch Deutschland. Mitte Juli hatten Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) und der deutsche Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) Solidarität im Gasnotfall vereinbart. Bislang blieb es bei der Absichtserklärung, einen gültigen Vertrag gibt es noch nicht.

Die Gespräche laufen und der Vertrag sei am Fertigwerden, heißt es auf Nachfrage aus dem Büro Gewessler. Noch gebe es aber keinen Zeithorizont. Man gehe aber davon aus, dass der Vertrag bald stehe. Es gebe Willensbekundungen von beiden Seiten. Bei dem Treffen Mitte Juli wurden zwischen den Ländern bereits drei Punkte besprochen: Die Durchleitungsrechte über Deutschland nach Tirol und Vorarlberg, die Nutzung der Erdgasspeicher, vor allen Haidachs, und eine gemeinsame Anstrengung zur Diversifizierung des Gases. Nun liegt der Vertrag zur Begutachtung in Deutschland.

Der Gasspeicher Haidach ist ebenfalls Thema bei dem Abkommen zwischen Deutschland und Österreich, das noch ausgearbeitet wird. In Vorarlberg wird man langsam nervös, da das Land am deutschen Netz hängt. <span class="copyright">APA/Barbara Gindl</span>
Der Gasspeicher Haidach ist ebenfalls Thema bei dem Abkommen zwischen Deutschland und Österreich, das noch ausgearbeitet wird. In Vorarlberg wird man langsam nervös, da das Land am deutschen Netz hängt. APA/Barbara Gindl

Ist Vorarlberg dennoch für den Winter gerüstet? Das Land habe sich über die Illwerke vkw um Speichermöglichkeiten gekümmert, betont Wallner. Die angemieteten Speicher in Oberösterreich sichern ein Viertel des Jahresbedarfs Vorarlbergs und seien zu 98 Prozent gefüllt. Ein großer Teil des bereits reservierten Gases am Terminmarkt komme zudem nicht aus Russland. Nun müsse rechtlich einwandfrei gesichert sein, dass das Gas über Deutschland auch durchgeleitet wird, da es keine Möglichkeiten innerhalb Österreichs gibt. “Ein Speicher, auf den wir im Notfall nicht zugreifen können, ist nichts wert”, so der Landeshauptmann.

Gegenwind für Windkraft

Doch auch auf anderen Ebenen rund um die Energiegewinnung gibt es in Vorarlberg gerade Gesprächsbedarf. In Vorarlberg steht kein einziges Windrad. Durch die angekündigte Novelle der Umweltverträglichkeitsprüfung, die im Klimaschutzministerium ausgearbeitet wird, könnten die Verfahren beschleunigt werden. “Es wird immer ein besonders intensiver Tanz um die Windräder gemacht, die uns in Vorarlberg nicht allzu viel bringen werden. Wir wollen erneuerbare Energie forcieren, aber das größte Potenzial hat bei uns die Wasserkraft”, so Wallner.

Ein möglicher Standort für ein Windrad ist der Pfänder. “Wenn da etwas kommt, sind wir sicher nicht dagegen”, sagt Wallner. Es gebe aber großes Unverständnis im Land, dass man bei Windkraft die Bürgerinnen und Bürger nicht befragen will und “die Gemeinden überfährt”, sagt Wallner. Bei der Wasserkraft würde man hingegen sieben bis zehn Jahre auf die Genehmigungsverfahren warten. “Im Moment habe ich den Eindruck, man will die Windkraft forcieren und die Wasserkraft links liegen lassen.” Deshalb habe Vorarlberg bei der UVP-Novelle eingefordert, dass es auch bei der Wasserkraft ein deutlich höheres Tempo braucht. Er hebt das Potenzial des geplanten Pumpspeicherkraftwerks hervor, das das größte in Österreich werden soll. “Wenn dann die Antwort lautet, dass das frühestens 2037 am Netz sein kann, dann ist das zu spät”, sagt Wallner und meint damit auch das österreichweite Ziel, dass bis 2030 der gesamte Strom aus Erneuerbarer Energie gespeist werden soll.

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