Politisches Gezerre um Haltestelle in Bregenz

VN / 24.09.2022 • 04:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Politisches Gezerre um Haltestelle in Bregenz

Bregenz-Hafen soll für längere Zuggarnituren ausgebaut werden. In der Stadtpolitik formiert sich Widerstand.

Bregenz In Bregenz steht erneut ein Infrastrukturprojekt der Bahn auf der Kippe. Dabei herrschte über den Ausbau der Haltestelle Bregenz-Hafen eigentlich Konsens. Erst im Dezember 2021 hatten ÖBB, Land Vorarlberg und Stadt Bregenz eine gemeinsame Willenskerklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet. An der stark frequentierten Haltestelle sollten die Bahnsteige verlängert werden, damit sie die Anforderungen für die neuen Zuggarnituren erfüllt. Baustart war für 2024 geplant, die Fertigstellung 2025. Jetzt wackelt das Vorhaben.

Die favorisierte Variante sieht vor, dass der bestehende Übergang am Hafen bleibt. <span class="copyright">VN/Paulits</span>ch
Die favorisierte Variante sieht vor, dass der bestehende Übergang am Hafen bleibt. VN/Paulitsch

Am kommenden Dienstag will der Stadtrat über den Ausbau abstimmen. Bürgermeister Michael Ritsch und seine Fraktion haben sich festgelegt. “Wir sind der Meinung, dass man jetzt nicht 20 Millionen Euro in diese Haltestelle investieren soll, weil es für uns die Vorbereitung für einen zweigleisigen oberirdischen Ausbau ist”, so der Stadtchef. Wenn er an die Zukunft von Bregenz denke, glaube er, dass es den Ausbau nicht brauche. Die Landeshauptstadt hat zwar nicht wirklich ein Mitspracherecht, gegen ihren Willen würden Land und ÖBB aber nichts unternehmen, ist sich Ritsch sicher.

Die Bahnsteige müssen verlängert werden, damit die neuen Zuggarnituren zu den Spitzenzeiten, wenn sie doppelt geführt werden, halten können. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Die Bahnsteige müssen verlängert werden, damit die neuen Zuggarnituren zu den Spitzenzeiten, wenn sie doppelt geführt werden, halten können. VN/Paulitsch

Die Zukunft der beliebten Haltestelle hängt nun vom Abstimmungsverhalten der Fraktionen im Stadtrat und zweier Ausschüsse (Mobilität und Stadtentwicklung) ab. Entschieden wird im Spiel der freien Kräfte. Mit 4100 Zu- und Ausstiegen täglich liegt Bregenz-Hafen auf Platz 9 von 37 Haltestellen im ganzen Land. Knapp 65 Züge halten direkt am See. Die Grünen sind für den Ausbau und gegen ein Auflösen der Haltestelle, die Stadt-ÖVP will am Dienstag noch eine Variantenpräsentation abwarten. Noch gelte es offene Punkte zu klären, sagt Veronika Marte. Eine Tendenz in ihrer Fraktion gebe es aber schon als Bekenntnis zum Öffentlichen Nahverkehr. Die Vorzeichen stehen demnach für eine Mehrheit zugunsten der Haltestelle Bregenz-Hafen.

Landesrat Daniel Zadra will die Abstimmung im Bregenzer Stadtrat abwarten. Dann werde man schnell das Gespräch suchen. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Landesrat Daniel Zadra will die Abstimmung im Bregenzer Stadtrat abwarten. Dann werde man schnell das Gespräch suchen. VN/Lerch

Darauf hofft auch der zuständige Landesrat Daniel Zadra (Grüne). Die Haltestelle habe eine besondere Qualität, weil sie barrierefrei und schnell zugänglich, gut geeignet für die Fahrradmitnahme und beliebt bei Touristen und Schülern sei. “Wir warten jetzt, was am kommenden Dienstag beschlossen wird. Danach werden wir gemeinsame Schritte setzen”. Man werde jedenfalls nichts gegen den Willen der Stadt unternehmen. Die Meinungsschwankungen der Stadtführung werden seitens des Landes zur Kenntnis genommen. Freude herrscht keine.

Veronika Marte (ÖVP) sieht eine Tendenz in ihrer Fraktion für einen Ausbau. Es müssen aber noch offene Fragen geklärt werden.
Veronika Marte (ÖVP) sieht eine Tendenz in ihrer Fraktion für einen Ausbau. Es müssen aber noch offene Fragen geklärt werden.

Der Ausbau der Haltestelle ist notwendig, damit die ab Fahrplanwechsel 2022/23 sukzessive neu eingestzten längeren Zuggarnituren, die in Spitzenzeiten doppelt geführt werden, in Bregenz-Hafen halten können. Erste Varianten für den Ausbau sind geprüft, ein favorisiertes Vorhaben gefunden. So soll der Bahnsteig von 140 auf 220 Meter in Richtung Lochau verlängert werden. Verlängert würde auch das Stutzgleis, worin Bürgermeister Michael Ritsch eine Art Vorarbeit für den zweigleisigen Ausbau ortet.

Dieser kleinere Übergang gut 100 Meter nach der Haltestelle Bregenz-Hafen in Richtung Lochau auf Höhe Reichsstraße 5a müsste bei der favorisierten Variante weichen. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Dieser kleinere Übergang gut 100 Meter nach der Haltestelle Bregenz-Hafen in Richtung Lochau auf Höhe Reichsstraße 5a müsste bei der favorisierten Variante weichen. VN/Gasser

Kleiner Übergang müsste weichen

Josef Valentini ist Projektkoordinator. Im VN-Gespräch skizziert er die Wunschvariante, bei der der bestehende Übergang zum Bahnsteig am Hafen bestehen bliebe. Ein weiterer gut 100 Meter entfernt auf Höhe der Reichsstraße 5a müsste aufgelassen werden. Unproblematisch sei das aber schon deshalb nicht, weil dieser für Einsatzfahrzeuge notwendig sei. “Alternativ könnte ein Übergang etwa 300 Meter weiter Richtung Lochau beim Parkplatz erfolgen oder ein bestehender beim Schwimmbad für Rettungsfahrzeuge übergangstauglich gemacht werden.”, so Valentini. Im Ausbaubereich der Haltestelle müsste zudem die Pipeline um rund einen Meter Richtung See verrückt werden.

Projektkoordinator Josef Valentini: "Die Wunschvariante sieht einen Ausbau in Richtung Lochau vor." <span class="copyright">Privat</span>
Projektkoordinator Josef Valentini: "Die Wunschvariante sieht einen Ausbau in Richtung Lochau vor." Privat

Einen Haken gibt es: den Zeitplan. Die Arbeiten können frühestens nach der Fertigstellung der Hypo-Unterführung beginnen. Bis zum Ende der Bauarbeiten 2025 für die Hafen-Haltestelle ist es doppelt geführten Zuggarnituren in der Spitzenzeit nicht möglich, diese zu nutzen. Warum erst jetzt gebaut werden soll, obwohl der Bedarf seit den Plänen zur Anschaffung neuer Zuggarnituren vor vielen Jahren bekannt ist? Bei dieser Frage spielen sich die Beteilgten den Ball zu. Wären die richtigen Entscheidungen frühzeitig getroffen worden, gäbe es bereits eine Haltestelle, die die Anforderung für die neuen Züge erfüllt, sind sich Experten indes einig.

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