Mensch und Roboter als hochpräzises System

VN / 05.10.2022 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Operateure und Personal wurden speziell auf das neue Gerät geschult.</p>

Operateure und Personal wurden speziell auf das neue Gerät geschult.

Schon mehr als 200 Eingriffe am LKH Feldkirch mit der Roboter-Chirurgie.

Feldkirch Sehr aufmerksam hat Josef das Med Konkret verfolgt, in dem hinter die Kulissen der neuen OP-Spange am Landeskrankenhaus Feldkirch geblickt und unter anderem die Roboter-Chirurgie vorgestellt wurde. Knapp eineinhalb Jahre später musste der 74-jährige Lustenauer selbst unters Messer. „Ein Prostatakarzinom musste raus“, erzählt er. Jetzt ist es eliminiert, auch dank des roboterassistierten „da-Vinci“-Systems. Josef war der 201. Patient. Angst vor dem Eingriff habe er keine verspürt: „Nach dem Med Konkret war ich von der Präzision des Systems überzeugt.“ Inzwischen ist der Patient wieder zu Hause. Nur fünf Tage dauerte der Spitalsaufenthalt. „Das hat mich ebenfalls positiv überrascht“, sagt er.

Verlängerter Arm

Seit der Inbetriebnahme des roboterassistierten Chirurgie-Systems „da-Vinci“ wurden bereits mehr als 200 Eingriffe durchgeführt. Insbesondere in der Urologie hat der OP-Roboter die Behandlung revolutioniert. „Der Begriff Roboter trifft es jedoch nicht genau“, klärt Primar Alfred Hobisch, Leiter der Urologie und Projektleiter für roboterassistierte Chirurgie, auf, denn: „Es handelt sich um keinen Roboter im herkömmlichen Sinn, der eigenständig Bewegungen ausführt. Vielmehr agiert der Roboter als verlängerter Arm des Operateurs.“ Auf diese Weise lassen sich Eingriffe, bei welchen lediglich kleine Hautschnitte gesetzt werden, noch präziser und schonender durchführen. Der OP-Roboter verfügt über vier Arme, drei davon sind mit winkelbaren Instrumenten bestückt, am vierten Arm ist eine Kamera befestigt. Diese liefert direkt aus dem Körperinneren ein bis zum 40-fachen vergrößertes dreidimensionales Bild des Operationsfeldes. Auf diese Weise können selbst kleinste Strukturen wie Nerven oder Gefäße optimal erkannt werden. Bei urologischen Eingriffen wechseln sich Primar Alfred Hobisch und Privatdozent Andreas Berger am Roboter ab.

Primar Alfred Hobisch ist überzeugt von "da Vinci".
Primar Alfred Hobisch ist überzeugt von "da Vinci".

Kaum Komplikationen

Vor der Operation werden die Patienten über den Einsatz technischer Hilfsmittel aufgeklärt. „Wir können ihnen versichern, dass die Qualität der Behandlung gegenüber den bisherigen Eingriffen mindestens gleich hoch ist“, betont Andreas Berger. Das kann Josef bestätigen: „Der Eingriff ist gut verlaufen, und ich wurde auch sonst gut betreut“, verteilt der Lustenauer gerne Lob an die Abteilung. Er spricht von ein bisschen Aufregung im Vorfeld der Operation. Aber das sei wohl normal. Die Zufriedenheit, die aus seinen Worten spricht, ist hörbar.  Nach über zweihundert Operationen zieht auch Projektleiter Alfred Hobisch eine positive Bilanz: „Bei keinem einzigen Patienten mit Prostatakarzinom wurde eine Konvertierung notwendig.” Die Operateure kamen also nie in die Situation, während des Eingriffs aufgrund von Komplikationen auf die offene OP-Methode wechseln zu müssen. „Auch die vorbereiteten Blutkonserven wurden nie gebraucht. Es kam bei keiner der robotisch durchgeführten Operationen zu einer größeren Komplikation“, ergänzt der Urologe.

Weniger Schmerzmittel

Ebenso ließ sich feststellen, dass die Patienten weniger Schmerzmittel benötigen und schneller wieder mobil sind. Das ist dem vergrößerten Operationsfeld zuzuschreiben. „Dadurch verringert sich das Risiko von Gefäßverletzungen, der Blutverlust wird minimiert und der Heilungsverlauf verbessert“, begründet Andreas Berger. Es gibt auch keine Vorselektion von Patienten: „Bei uns werden alle infrage kommenden urologischen Eingriffe mithilfe des Operationssystems durchgeführt“, betont Primar Alfred Hobisch. Außer beim Prostatakarzinom kommt das System bei Eingriffen an der Niere und Harnblase zum Einsatz. Weitere Fachbereiche sind die allgemeine Chirurgie sowie die Gynäkologie. Die finanziellen Aufwendungen samt Investitions- und der laufenden Kosten liegen bei 4,4 Millionen Euro.

<p class="caption">Oberarzt Andreas Berger führte mit geschickter Hand den 200. Eingriff durch.</p>

Oberarzt Andreas Berger führte mit geschickter Hand den 200. Eingriff durch.

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