Altern: Der Geburtstag sagt nicht alles

VN / 07.10.2022 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Altern: Der Geburtstag sagt nicht alles

Wichtiger als das chronologische ist das biologische Altern.

Bregenz Bereits zum 5. Mal bringt das Symposium der Zukunft mit der ETH Zürich hochkarätiges universitäres Wissen nach Vorarlberg. Zentrales Thema der Veranstaltung am 12. Oktober ist die personalisierte Medizin und einer der Referenten Prof. Ferdinand von Meyenn. Seine Forschung konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Ernährung, Stoffwechsel und dem Epigenom mit dem Ziel, zur Entwicklung neuer Strategien zur Bekämpfung von Fettleibigkeit und Stoffwechselerkrankungen beizutragen.

Was ist Epigenetik?

Von Meyenn Die Genetik ist der Bauplan, der von Eltern auf die nächste Generation weitervererbt wird. Er beschreibt, wie wir uns entwickeln. Mit der Epigenetik lässt sich die Aktivität eines Gens beeinflussen, was uns ermöglicht, Teile des Bauplans zu nutzen. Wichtig zu sagen ist, dass die epigenetischen Mechanismen das Erbgut selbst nicht tangieren. Sie sind auf dem Erbgut drauf.

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Ferdinand von Meyenn arbeitet an der ETH Zürich als Assistenzprofessor. ETH

Sie sprechen von aktiven und weniger aktive Zellen. Lassen sich weniger aktive mobilisieren?

Von Meyenn Es gibt unterschiedliche Variationen von Aktivität. Das hängt sehr stark vom körperlichen Zustand ab. Wenn ich beispielsweise fettreiche Nahrung zu mir nehme, werden fettspezifische Gene aktiviert, die das Fett in Energie umwandeln. Das kann durch die Ernährung und verschiedene andere Faktoren modelliert werden.

Was halten Sie davon, schlechte Gene auszuschneiden und durch ein neues Band zu ersetzen?

Von Meyenn Als Wissenschaftler sehe ich das enthusiastisch, weil es eine großartige Möglichkeit darstellt, schwere genetische Erkrankungen, wie etwa die Mukoviszidose oder Muskeldystrophie, positiv zu verändern. Ich bin überzeugt, dass die Forschung dieses Präzisionsinstrument zum Wohle der Menschheit nutzen wird. Es braucht jedoch einen gesellschaftlichen Konsens sowie ethische und regulatorische Rahmenbedingungen, wobei ich persönlich nicht an einen breiten Einsatz in den kommenden Jahren glaube.

Sie beschäftigen sich auch mit dem Altern. Altern Menschen tatsächlich schneller oder langsamer?

Von Meyenn Es gibt ein chronologisches Altern, das können wir nicht ändern. Viel spannender ist das biologische Altern, denn darum geht es letztlich. Ein 30-Jähriger könnte schon mehr gealtert sein als ein 40-Jähriger. Umgekehrt laufen die einen mit 70 noch in den Bergen herum, während andere schon am Stock gehen. Der Geburtstag sagt also nicht alles. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Rauchen, Erkrankungen oder Verletzungen lassen uns auch biologisch schneller altern. Bei jemandem, der gesund ist und gesund lebt, verlangsamt sich dieser Prozess. Das Ziel sollten mehr  gesunde Lebensjahre sein.

Wie viel trägt eine positive Lebenseinstellung zu einem guten Altern bei?

Von Meyenn Dieser Faktor ist wissenschaftlich schwer zu erfassen. Ich denke jedoch, dass eine positive Lebenseinstellung eine große Rolle spielt, aber messbare Daten liefern kann ich nicht. Ich kenne auch keine Studien dazu. Um die Effekte wissenschaftlich zu ergründen, bräuchte es mehr Daten über längere Zeiträume.

Gibt es gute und schlechte Gene?

Von Meyenn Der Bauplan, den wir von den Eltern mitbekommen haben, enthält alle Gene für ein Funktionieren unseres Körpers. Aber, wie schon gesagt, gibt es kleine Variationen, und diese entscheiden, wie wir aussehen, wie groß wir sind, wie schwer. So ist etwa unser Körpergewicht zu einem großen Teil genetisch vorgegeben. Neigt jemand zu Übergewicht, hat er eine Reihe schlechterer Varianten in den Genen, als jemand, der ohne Problem weniger wiegt. Wir können auch klar zuordnen, dass bestimmte Variationen eine Krankheit auslösen.

Termin: Mittwoch, 12. Oktober 2022, Landesbibliothek Bregenz, 14 bis 19 Uhr, Infos und Tickets unter www.ftw-symposium.at

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