Budget 2023: Akademische Sorgen um das Geld

Politik / 14.10.2022 • 05:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Budget 2023: Akademische Sorgen um das Geld
Stefan Fitz-Rankl (l.) ist Geschäftsführer der FH Vorarlberg und pocht auf eine erhöhte Finanzierung der Institution durch das Land Vorarlberg. VN/Paulitsch, FH Vorarlberg

Universitäten erhalten vom Finanzminister weniger als zuletzt gefordert. Die Fachhochschule Vorarlberg spricht von einem “Mindestmaß” und baut auf weitere Mittel vonseiten des Landes.

Wien, Dornbirn Mit seinem Haushaltsentwurf wolle Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) „Verantwortung für die kommenden Jahre übernehmen“ und in die Zukunft investieren. Das betonte er bei seiner ersten Budgetrede vor dem Nationalrat am Mittwoch. Doch nicht alle Empfänger der Bundesmittel sind mit dem ausverhandelten Budget für das kommende Jahr zufrieden, zum Beispiel die Österreichische Universitätenkonferenz.

Deren Präsidentin, Sabine Seidler, sprach angesichts der veröffentlichten Zahlen von einem „schwarzen Tag für die Wissenschaft“ und blickt skeptisch in die Zukunft: „Es ist sehr enttäuschend, dass uns diese Entscheidung massive Einschnitte abverlangt und uns faktisch um Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte zurückwirft. Für zukünftige Nobelpreisträger brechen düstere Zeiten an.“

Budget 2023: Akademische Sorgen um das Geld

Der Grund für diese Aussagen ist auf den ersten Blick aber gar nicht ersichtlich, wurde die Untergruppe „Wissenschaft und Forschung“ im Budget für 2023 doch mit zusätzlichen 302,4 Millionen Euro bedacht: In Hochschulen, die Studienförderung und Forschung fließen nächstes Jahr 5,9 Milliarden, das entspricht einem Anstieg von 5,4 Prozent. Die Universitäten hatten speziell wegen der Inflation zuletzt aber um viel mehr Mittel gebeten, bis 2024 sollten es rund 1,2 Milliarden Euro sein. Die 250 Millionen Teuerungsausgleich decken nun vorerst knapp die Hälfte der Letztforderung ab. Seidler sorgt sich deshalb um den akademischen Nachwuchs: „Wir werden vor die Entscheidung gestellt, ob wir Energiepreise und Mieten bezahlen oder die Personalkosten abdecken wollen. Beides wird sich nicht ausgehen.“

“Werden Früchte nicht ernten können”

Jürgen Janger, Bildungsökonom beim Wirtschaftsforschungsinstitut, sieht in den Budgetplänen vor allem ein drohendes Problem für die Wissenschaft im Allgemeinen: „Außer Frage steht, dass wir mehr Wissenschaft brauchen. In hochentwickelten Ländern wie Österreich ist sie auch ein wesentlicher Pfeiler für die Wirtschaft, mehr davon rechnen sich für den Staat durch Innovationen“, erklärt er im VN-Gespräch. Auch aus diesem Grund sei es nicht notwendig, bei den Mitteln real zu kürzen: „Das sollte man nicht machen, ist nicht förderlich und fällt uns später auf den Kopf.“ Außer Frage stehe, dass der Finanzminister „große Brocken“ habe, aber: „Die Unis sind der Aktivposten, wir werden die Früchte aber nicht ernten können.“

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Einschnitte erwartet sich auch Janger beim wissenschaftlichen Nachwuchs: „Man muss befristete Verträge auslaufen lassen, man kann bei Forschungsprojekten vielleicht keine neuen Leute einstellen.“ Also seien vor allem die Jüngeren betroffen: „Jahrgänge, die jetzt erst auf den Jobmarkt kommen, könnten durch die Entwicklung negativ beeinträchtigt sein und rausfallen.“ Knackpunkt seien mitunter die Lohnabschlüsse der Angestellten an den Unis: „Wenn die bereit wären, reale Einkommensverluste zu erleiden, dann ‚geht sichs aus‘, aber das kann natürlich extrem negative Konsequenzen haben.“

“Keine schrillen Schreier”

Vorerst abgewendet sind die negativen Konsequenzen bei der Fachhochschule Vorarlberg. Deren Geschäftsführer, Stefan Fitz-Rankl, berichtet den VN von einer „im Grunde guten“ Situation: „Die jetzt zugesagten Mittel des Bundes sind das absolute Mindestmaß, das zu erwarten war. Wir haben aber das Glück, dass wir auch über das Land finanziert werden.“ Aufgrund dieser Finanzierung des eigenen Trägers gehe er davon aus, „keine massiven Einschränkungen“ des Betriebs hinnehmen zu müssen: „Natürlich sind die Budgets überall eng und die Fachhochschulen haben den politischen Nachteil, keine schrillen Schreier zu sein, sondern Macher.“

Nach vielen Jahren, in denen man einer „mangelhaften Bundesfinanzierung“ ausgesetzt war, sei es nun kritisch geworden: „Der Bund hat einen ersten Schritt gemacht.“ Im Allgemeinen gehe es darum, den Standort nicht weiter zu schwächen. Außerdem lässt Fitz-Rankl leise Kritik an den Unis durchblicken: „Die Fachhochschulen haben mittlerweile 30 Prozent aller Hochschulabsolventen, die Unis wollten aber 1,2 Milliarden.“ Mit den zusätzlichen 7 Millionen Euro, die im Budget festgeschrieben werden, und bereits zugesicherten erhöhten Förderungen für Studienplätze, komme man nun vorerst aus. Die zweite Finanzierungssäule über das Land sei aber dennoch unerlässlich.

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