Wie die Arbeit einer Hundeführerin bei der Bergrettung aussieht

VN / 23.10.2022 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Regelmäßiges Training ist das A und O bei einem Bergrettungshund. <span class="copyright">Bergrettung Vorarlberg</span>
Regelmäßiges Training ist das A und O bei einem Bergrettungshund. Bergrettung Vorarlberg

Seit Kurzem darf die Ortsstelle Vandans wieder auf die Verstärkung durch ein ausgebildetes Hundeteam zählen.

VANDANS Magdalena Rauter hat unmittelbar nach ihrer Ausbildung zur Bergretterin mit dem Hundetraining begonnen. Die gebürtige Steirerin kam durch ihren Freund, der bereits in dritter Generation ehrenamtlich bei der Bergrettung ist, zur Ortsstelle Vandans.

Magdalena, du bist gebürtige Steirerin. Wann hast du mit dem Bergsteigen begonnen?
Magdalena Ich bin im Bezirk Murau in einem kleinen Bergdorf, vergleichbar mit Bartholomäberg, allerdings ohne Nachbarn, aufgewachsen und war mit den Eltern und meinen zwei Geschwistern schon von Kindesbeinen an in der Natur und im Gebirge unterwegs.

Magdalena Rauter bei einer der vielen Übungen mit Hündin Zimba.<span class="copyright">Bergrettung Vorarlberg</span>
Magdalena Rauter bei einer der vielen Übungen mit Hündin Zimba.Bergrettung Vorarlberg

Wie kamst du auf den Gedanken, Hundeführerin zu werden?
Magdalena Wir hatten zu Hause auch immer Hunde. Durch meinen Freund, den ich beim Studium am Institut für Naturgefahren in Wien kennengelernt habe, bin ich mit der Bergrettung in Berührung gekommen. Beim Umzug nach Vorarlberg war klar: Ich will auch zur Bergrettung und einen Hund ausbilden.

Du hast alles von Grund auf gelernt?
Magdalena Das ist Voraussetzung bei der Bergrettung Vorarlberg. Zuerst muss man die eigene Grundausbildung abschließen, bevor man mit der Ausbildung eines Hundes beginnen kann. Eine kleine Ausnahme wurde gemacht, da wir schon einen sehr jungen Hund hatten.

Die Ausnahme sah wie aus?
Magdalena Ich durfte bereits während meiner Grundausbildung mit dem „Welpentraining“ beginnen. Das ist sehr wichtig, da der Hund hier quasi die gute Kinderstube – Gehorsamkeit und Unterordnung – lernt und spielerisch auf den Einsatz als Bergrettungshund vorbereitet wird.

Hundeführerin Magdalena Rauter und Hündin Zimba. <span class="copyright">Bergrettung Vorarlberg</span>
Hundeführerin Magdalena Rauter und Hündin Zimba. Bergrettung Vorarlberg

Ist jeder Hund für die Bergrettungsarbeit geeignet?
Magdalena Grundsätzlich ja, er sollte dennoch eine gewisse Größe haben und zum Typ des Hundeführers bzw. der Hundeführerin passen. Unsere Zimba ist eine Bordercollie/Australian Shepard Mischlingshündin und inzwischen ein perfektes Mannschaftsmitglied. Sie braucht eine Aufgabe, sonst wird ihr langweilig. Die Bergrettung hat natürlich auch hier eigene Kriterien, die ein Hund – je nach Verwendungszweck – erfüllen muss. Diese Informationen erfährt man beim Erstgespräch mit dem Leiter des Referats Hundestaffel.

Wie sieht diese Ausbildung aus, bis der Hund einsatzfähig ist?
Magdalena Nach dem Welpenkurs erfolgt der Aufbaulehrgang zum Rettungshund. Hier lernt der Hund die Basistätigkeiten und es wird geprüft, ob er wirklich geeignet ist. Nach einer Woche Training im Winter erfolgt die A-Prüfung zum Lawinensuchhund. Insgesamt muss man mit ca. zwei Jahren rechnen.

Dann ist der Hund einsatzbereit?
Magdalena Als Lawinensuchhund schon. Es folgen weitere Ausbildungen, die in den Talschaften und eigenständig durchgeführt werden. Mit vier Zwischenüberprüfungen auf Landesebene folgt dann im Herbst die Prüfung für die Flächensuche im Gebirge. Heuer konnten drei von vier Teams des letztjährigen Aufbaulehrganges die Ausbildung abschließen.

Jetzt ist der Hund fertig ausgebildet?
Magdalena Im Prinzip ja. Die Ausbildung geht natürlich laufend weiter. Man muss fast täglich mit dem Hund üben, einmal in der Woche trainieren wir gemeinsam mit den anderen Hundführern in der Talschaft. Und jedes Jahr muss der Hund bei einer Überprüfung zeigen, dass er weiter einsatzfähig ist.

Beim Training. <span class="copyright">Bergrettung Vorarlberg</span>
Beim Training. Bergrettung Vorarlberg

Wie siehst du die Ausbildung im Rückblick?
Magdalena Für mich ist die Ausbildung sehr lehrreich gewesen. Die Arbeit mit den Hunden ist das immer noch. Die Überprüfungen werden von externen, sehr erfahrenen Richtern aus dem Hundesport abgenommen, die nach den Richtlinien der Bergrettung prüfen. Das sehe ich grundsätzlich positiv. Man darf aber auch nicht enttäuscht sein, wenn es nicht immer gleich gut klappt. Auch der Hund hat gute und schlechte Tage – wie wir Menschen auch. Es war eine sehr herausfordernde Ausbildung für uns beide, aber perfekt umgesetzt durch die tolle Zusammenarbeit des Teams der Hundestaffel der Bergrettung Vorarlberg.

Das klingt nach viel Arbeit.
Magdalena Das ist richtig – aber mir macht diese Aufgabe Spaß. Es ist eine sinnvolle Tätigkeit wodurch Menschen in Notsituationen geholfen werden kann. Jeder Spaziergang mit dem Hund wird für eine kleine Übungseinheit genutzt, Zimba ist so gefordert, aber auch gerne bei der Sache. Es werden viele Ressourcen und motivierte Leute benötigt, um Hunde gemeinsam auszubilden und zu verlässlichen Einsatzhunden heranzuführen. Ohne die Unterstützung in der Partnerschaft und Familie sowie einem verständnisvollem Arbeitgeber wäre das unmöglich. STO

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.