Strafe für Tankstellenräuber zu milde? Jetzt spricht sein Verteidiger

VN / 12.11.2022 • 05:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rechtsanwalt Bertram Grass stellt einen Enthaftungsantrag für seinen Mandanten in den Raum. <span class="copyright">Grass</span>
Rechtsanwalt Bertram Grass stellt einen Enthaftungsantrag für seinen Mandanten in den Raum. Grass

Rechtsanwalt Bertram Grass, Anwalt des verurteilten Täters, übt Kritik am Chefstaatsanwalt.

Bregenz, Feldkirch Am vergangenen Mittwoch wurde am Landesgericht Feldkirch jener Mann verurteilt, der heuer fünf Tankstellen überfallen hatte (die VN berichteten). Die Strafe, 24 Monate Gefängnis, 16 davon auf Bewährung, wurde von Staatsanwalt Philipp Höfle nicht akzeptiert. Der öffentliche Ankläger legte beim Oberlandesgericht Innsbruck Berufung gegen das ihm zu milde erscheinende Urteil ein.

Die VN holten auch eine Stellungnahme vom leitenden Staatsanwalt Wilfried Siegele ein. Auch dieser vertritt die Meinung, dass die Strafhöhe nicht im Verhältnis zu den Taten stehe und rechtfertigt damit die Berufung seines Kollegen.

Die öffentliche Argumentation des Chefstaatsanwalts ist für Rechtsanwalt Bertram Grass, der den Angeklagten verteidigte, nicht nachvollziehbar. Schließlich stamme weder die Anklageschrift von Siegele noch sei dieser bei der Hauptverhandlung zugegen gewesen.

„Ausgezeichneter Eindruck“

„Für das Urteil war wahrscheinlich auch der ausgezeichnete Eindruck, den mein Mandant dem Schöffengericht hinterließ, mitentscheidend“, betont Grass und fügt hinzu: „Der Drei Richter-Senat, bestehend aus einem versierten Strafrichter und zwei Laienrichtern, hat sich die Sache gewiss nicht leicht gemacht, dauerte die öffentliche Beratung doch fast eine Stunde. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich das Gericht anders als Herr Siegele intensiv mit der Materie und dem Angeklagten beschäftigte und alle für ihn und gegen den Verurteilten sprechenden Erschwerungs- und Milderungsgründe entsprechend abgewogen hat.“

Der Verurteilte bleibt aufgrund der Berufung des Staatsanwalts weiterhin in Haft. Anwalt Grass zu den VN: „Ich weise darauf hin, dass ich vielleicht einen Enthaftungsantrag stellen werde, da ja bei der letzten Haftprüfung als Haftgrund nur die Tatbegehungsgefahr angegeben wurde. Dies scheint mir jetzt wohl nicht mehr gegeben.“

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