Standortsuche für Jugendplatz geht weiter: Was sich Jugendliche und Jugendarbeiter wünschen

VN / 13.11.2022 • 08:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die beiden Michaels (Michael Kuppelwieser und Michael Lippitsch) und die beiden Mias (Mia Locher und Mia Neuhauser) im JAM .<span class="copyright">VN/JUN</span>
Die beiden Michaels (Michael Kuppelwieser und Michael Lippitsch) und die beiden Mias (Mia Locher und Mia Neuhauser) im JAM .VN/JUN

Ein Skaterplatz könnte bei der Valiserabahn in Galgenul entstehen. Ein geeigneter Standort für Jugendplatz und -haus ist weiterhin nicht in Sicht.

Schruns Nachdem der geplante Skaterplatz samt Jugendhaus auf dem Grundstück am Tschaggunser Bahnhof vom Tisch ist, stellt sich die Frage: Was wäre die Alternative? Gibt es überhaupt einen geeigneten Standort? Planlosigkeit bei den Beteiligten. „Man ist wieder am Anfang bei der Standortsuche“, sagt Michael Lippitsch, Jugendarbeiter bei der Offenen Jugendarbeit Montafon (JAM).

Der Standort am Tschaggunser Bahnhof ist vom Tisch. <span class="copyright">MAB</span>
Der Standort am Tschaggunser Bahnhof ist vom Tisch. MAB

Der Standort am Tschaggunser Bahnhof wäre an sich super gewesen, so Michael Lippitsch, aber nicht unter diesen Bedingungen. Denn für die Umsetzung dort hätten zwei ältere Damen umsiedeln müssen, was keiner der Beteiligten ihnen zumuten wollte. Das Lärmschutzgutachten gab schließlich dem Standort den Todesstoß – und das, obwohl schon konkrete Umsetzungspläne vorlagen.
Eine Idee wäre, den Skaterplatz in St. Gallenkirch, genauer gesagt bei der Valiserabahn Talstation, zu bauen. Das Grundstück gehört der Silvretta Montafon (SiMo), im Gespräch war der Skaterplatz schon seit dem Bau des Silvretta Parks. Wenn der Skaterplatz dort genehmigt wird, könnten die Rampen bereits nächsten Sommer gebaut werden. Laut Elke Martin, Jugendkoordinatorin des Standes Montafon, sei der Platz bereits geplant. Die SiMo unterstütze eine Umsetzung des Skaterplatzes, nicht zuletzt deshalb, weil er auch gut in das Gesamtkonzept passen würde.

Michele und Simon aus Silbertal kommen ebenfalls regelmäßig ins Jugendhaus. Sie wünschen sich einen Jugendplatz in Schruns/Tschagguns. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Michele und Simon aus Silbertal kommen ebenfalls regelmäßig ins Jugendhaus. Sie wünschen sich einen Jugendplatz in Schruns/Tschagguns. VN/JUN

Michael Lippitsch sieht es realistisch: „Lieber dort als gar keinen Platz für die Jugendlichen, aber das Problem mit dem Jugendhaus ist dadurch nicht gelöst.“ Das Problem beim Jugendhaus sei gar nicht die Größe – die JAM hat drei Stockwerke zur Verfügung –, sondern der Mietvertrag, denn die Räumlichkeiten gehören der Liebherr Gruppe und nicht der Gemeinde. Die JAM bekommt aber nur jeweils einen befristeten Mietvertrag von drei Jahren, was eine langfristige Planung unmöglich macht. „Diese Angelegenheit ist aktuell bei Jürgen Kuster“, erklärt Elke Martin. Der JAM im Grütweg 11 in Schruns fehlt vielmehr ein bespielbarer Außenplatz. „Außenveranstaltungen mit Musik können wir hier nicht machen“, sagt Martin Lippitsch und blickt auf das gegenüberliegende Mitarbeiterhaus des Löwen Hotels, das vor rund zwei Jahren neugebaut wurde. Früher war dort eine Wiese zum Spielen. „Geil wäre wieder ein Standort, wo man die Sau rauslassen kann“, wünscht sich Jugendarbeiter Michael Kuppelwieser.

Michael Lippitsch sorgt dafür, dass die Jugendlichen im Jugendhaus auch etwas zu essen und zu trinken bekommen. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Michael Lippitsch sorgt dafür, dass die Jugendlichen im Jugendhaus auch etwas zu essen und zu trinken bekommen. VN/JUN

Förderung noch nicht fix

Beim Tschaggunser Bahnhof wäre alles aus einem Guss gewesen – Jugendhaus, Skaterplatz und Jugendplatz. Jetzt würde alles extra gebaut werden. Ob der Skaterplatz bei der Valiserabahn vom Land gefördert wird, steht noch aus. Zwei Voraussetzungen müssen dafür, laut Elke Martin, erfüllt werden: Zum einen, dass der Platz ganzjährig nutzbar sein muss und zweitens, dass – bevor der Platz geplant und gebaut wird – eine Jugendbeteiligung stattfinden muss.
Wenn man die Mobilität in den Griff kriegen würde, würde sich der Skaterplatz in Galgenul gut etablieren, ist Michael Lippitsch überzeugt. Dazu bräuchte es aber auch nach Meinung der Jugendlichen günstigere Bustickets. Als Zwischenlösung fungiert derzeit die Minirampe in Tschagguns bei den alten Tennisplätzen, die die Jugendlichen zusammen aufgebaut haben und großen Anklang fand.

Im JAM gibt es unter anderem auch einen Billardtisch. Platzmangel herrscht hier nicht. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Im JAM gibt es unter anderem auch einen Billardtisch. Platzmangel herrscht hier nicht. VN/JUN

Ein Jugendplatz müsste nach wie vor in Schruns oder Tschagguns gefunden werden, sind sich Michael Lippitsch und Michael Kuppelwieser einig. „Doch wir haben alle Plätze bereits durchdiskutiert. Nach all den Überlegungen wird es wirklich schwierig, hier etwas zu finden.“ Damals war eine Fläche beim Fußballplatz im Gespräch, auch dazu gab es bereits Pläne, jedoch stellte sich letzten Endes der Besitzer quer, als gewiss war, dass für den Skaterplatz der Grund versiegelt werden müsste. „Schade, dass das beim Fußballplatz nicht funktioniert hat“, bedauert Michael Lippitsch. „Der Standort wäre ideal gewesen.“ Wenn, dann sieht er noch eher Potenzial beim Aktivpark. Es müsse ein Grundstück sein, so Michael Kuppelwieser, „wo du niemanden störst und die Gemeinde dort auch nichts anderes vorhat“. Und Michael Lippitsch fügt an: „Man hat eine Idee für einen Platz und hat direkt drei neue Gründe, warum es dort eben nicht geht.“ „Die Jugendlichen sind die mit der kleinsten Lobby“, gibt Kuppelwieser zu bedenken.

Alexander war damals bei der Demo auf dem Schrunser Kirchplatz dabei, wo die Jugendlichen einen Jugendplatz und ein Handeln der Politik gefordert haben. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Alexander war damals bei der Demo auf dem Schrunser Kirchplatz dabei, wo die Jugendlichen einen Jugendplatz und ein Handeln der Politik gefordert haben. VN/JUN

Fast die halbe Welt

Mia Locher und Mia Neuhauser, beide aus Tschagguns, kommen regelmäßig ins JAM. Die beiden finden es schade, dass der alte Skaterplatz in Tschagguns dem TUI-Hotel weichen musste. Für Mia Locher wäre die Fahrt nach Galgenul zu weit: „Das ist ja fast die halbe Welt bis dahin.“ Sie würde den Skaterplatz dort nicht in Anspruch nehmen. Mia Neuhauser würde es sich überlegen, immerhin hat sie ein Maxi-Ticket für den ÖPNV.

Bei der Eröffnung der Offenen Jugendarbeit Montafon (JAM) im Juli 2015 war die Wiese vor dem Haus noch frei benutzbar. Heute steht das Mitarbeiterhaus des Löwen Hotels dort. <br><span class="copyright">Toni Meznar/www.meznar-media.com</span>
Bei der Eröffnung der Offenen Jugendarbeit Montafon (JAM) im Juli 2015 war die Wiese vor dem Haus noch frei benutzbar. Heute steht das Mitarbeiterhaus des Löwen Hotels dort.
Toni Meznar/www.meznar-media.com

Simon und Michele kommen aus dem Silbertal und wünschen sich einen Jugendplatz in der Nähe. Zum Treffen würden sie nicht nach Galgenul fahren. Alexander aus Schruns war damals bei der Demo der Jugendlichen auf dem Schrunser Kirchplatz dabei. Auch er findet den Skaterplatz bei der Valiserabahn zu weit, da viele Jugendliche mit ihrem Skateboard, BMX, Roller etc. bereits zum Platz hinfahren. „Ich würde mir wünschen, dass wir einen Platz in Schruns/ Tschagguns hätten, eventuell mit einer kleinen Hütte drauf. Wenn es beim Tschaggunser Bahnhof nicht geht, dann woanders.“

Im Umfeld der Valiserabahn Talstation könnte der neue Skaterplatz entstehen. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Im Umfeld der Valiserabahn Talstation könnte der neue Skaterplatz entstehen. Oliver Lerch

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