Wie man eine Premiere gleich zweimal feiert

Kultur / 14.11.2022 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Uraufführung des Abends war Thomas Thurnhers Elegie „du musst dich lösen“.   <span class="copyright">Veronika Fehle (3)</span>
Die Uraufführung des Abends war Thomas Thurnhers Elegie „du musst dich lösen“. Veronika Fehle (3)

Bei den Basilikakonzerten Rankweil werden Uraufführungen fester Konzertbestandteil – zum Beginn gleich doppelt.

Rankweil Kein Konzert ohne Uraufführung. Diese Losung hat man sich bei den Basilikakonzerten in Rankweil selbst ausgerufen. Gestartet wurde damit nicht erst mit der neuen Saison im Frühjahr 2023, sondern direkt am vergangenen Wochenende mit dem letzten Konzert der laufenden Saison und mit dem Kammerchor Feldkirch unter der Leitung von Benjamin Lack.

Mit „Totentanz“ war das Konzert überschrieben. Damit schlug man natürlich die Brücke zu Hugo Distlers gleichnamiger Motette. Die wurde aber bereits 1934 konzipiert. Das war also nicht die Uraufführung des Abends. Die kam mit Thomas Thurnhers Elegie „du musst dich lösen“. Inspiriert von Texten der Kärntner Autorin Gertrud Schmirger und der aus München stammenden Agnes Kunze, brachte der Vorarlberger Komponist hier Musik aufs Papier, die einfach nur aufhorchen lässt. Wunderschön setzt er Chor und Solo-Querflöte zueinander in Beziehung. Beide Pole lösen sich voneinander und branden dann doch wieder wie Wellen gegeneinander, bis sich die Musik in Sprache auflöst und schlussendlich ganz verebbt. Eine ganz ausgezeichnete Komposition, die jede Sekunde Applaus ganz zu Recht für sich verbuchte. Und weil man Uraufführungen ja auch feiern soll, gab es die Elegie ganz zum Schluss gleich noch einmal aus Draufgabe.

Augustin Jagg verlieh dem Tod seine Stimme.
Augustin Jagg verlieh dem Tod seine Stimme.

Das dazu. Inhaltlich fügte sich Thurners Werk nahtlos in das Gesamtkonzept des Konzerts ein. Es ging ums Vergehen, um den Tod oder – wie es sich in Thurnhers Musik fassen ließ: Es ging um das Sich-Auflösen. Das lag bei Hugo Distlers Totentanz, in dem der Tod, dem der Bregenzer Theatermacher Augustin Jagg seine Stimme lieh, Jung und Alt, Reich und Arm zum Tanz auffordert, klar auf der Hand. Das durchströmte auch Thurnhers Werk wie ein basso continuo und es hob schon bei Frank Martins Messe für zwei vierstimmige Chöre an. Zwischen Werden und Vergehen, Archaik und Harmonischem pendelte so das gesamte Konzertprogramm, das an seine Ausführenden höchste Ansprüche stellte. Dafür kann es für den Feldkircher Kammerchor nichts anderes als Lob geben und für Anja Nowotny-Baldauf auf der Solo-Querflöte sowieso. Mit ihr hat sich Benjamin Lack für sein Konzert eine echte Virtuosin gesichert. Überhaupt verwebt der Feldkircher Domkapellmeister hier Klarheit, Wärme, Präzision und Emotion gleichermaßen zu einem wunderschönen Gesamterlebnis.

Der Feldkircher Domkapellmeister Benjamin Lack mit "seinem" Chor.
Der Feldkircher Domkapellmeister Benjamin Lack mit "seinem" Chor.

Mit der Uraufführung, die noch im Laufe desselben Konzertabends ihre Reprise erlebte, wurde der Reigen der Uraufführungen an der Basilika Rankweil also eröffnet. Das neue Konzept zeichnet die Veranstalter aus und lässt das Publikum in freudiger Erwartung auf die kommende Saison zurück.

Veronika Fehle

Basilikakonzerte Rankweil 2023

„Herr Jesu Christ, wahr‘ Mensch und Gott“, 26. März 2023, 20 Uhr, Basilikachor Rankweil mit Birgit Plankel (Sopran), Bernhard Loss (Orgel) und Ad hoc-Orchester. Passionskonzert mit einer Uraufführung von Murat Üstün. www.basilikakonzerte.at

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