Ein König als Hofnarr

Kultur / 15.11.2022 • 19:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Escorial" von Michel de Ghelderode feiert am Donnerstagabend Premiere.  <span class="copyright">Klaus Hartinger (2)</span>
"Escorial" von Michel de Ghelderode feiert am Donnerstagabend Premiere. Klaus Hartinger (2)

Premiere von Michel de Ghelderodes „Escorial“ im Theater Kosmos.

Bregenz Das Theaterstück „Escorial“ von Michel de Ghelderode handelt in einem verarmten Königreich, das von einem tyrannischen, sich an die Macht klammernden König beherrscht wird. Seine Gemahlin, die Königin, liegt im Sterben. Um die Ménage-à-trois zu komplettieren, gibt es einen Hofnarr, in den die Königin einst verliebt war. Der König wusste über die Liebschaft Bescheid und zwingt aus diesem Grund seinen Narren zu einem seltsamen Spiel: Beide entsorgen ihre Rollen und stehen sich nun gleichberechtigt gegenüber. Der eine in seinem Schmerz – der andere mit seinem Hass. Die tragische Ironie ihrer Situation offenbart sich bald: Der König hätte einen erfolgreicheren Hofnarren abgegeben, der Narr einen wahrhaftig royalen König; doch beide sind an ihre soziale Rolle gefesselt und agieren nurmehr als Marionetten.

Obwohl am 3. April 1898 in Belgien geboren, genoss Michel de Ghelderode ausschließlich französischsprachige Schulbildung, da diese den sozialen Aufstieg versprechen sollte. Ab 1917 arbeitete er journalistisch, von 1919 bis 1921 leistete er seinen Militärdienst bei der Marine. 1923 wurde er mit dem Preis der Zeitschrift „La Renaissance d’Occident“ für sein Stück „Oude Piet“ ausgezeichnet. Fruchtbare Schaffensphasen wechselten mit kreativen Krisen und Jahren schwerer Krankheiten. Ab 1939 schrieb er fast nur noch für das Radio und Prosatexte. Zwischen 1941 und 1943 trug Ghelderode von ihm verfasste Glossen im Radio der deutschen Besatzer vor, was ihm nach der Befreiung vorgeworfen wurde. Dies dürfte auch einer der Gründe sein, warum seine Werke weit weniger bekannt als die Samuel Becketts, Jean Genets, Eugène Ionescos und Alfred Jarrys sind, obwohl sie in Sachen Qualität und Radikalität nicht hinter jenen zurückstehen. Ghelderode starb vereinsamt und verbittert am 1. April 1962. Seine geplante Nominierung für den Literaturnobelpreis erlebte er nicht mehr.

Haymon Maria Buttinger als „Woyzeck“, wofür er 2014 den Dorothea-Neff-Preis erhielt.<span class="copyright">Herbert Neubauer</span>
Haymon Maria Buttinger als „Woyzeck“, wofür er 2014 den Dorothea-Neff-Preis erhielt.Herbert Neubauer

Schauspieler und Musiker Haymon Maria Buttinger wird als Alter Ego des Autors durch die Erzählung führen. Seine Songs bilden einen wesentlichen Bestandteil der Inszenierung. Buttinger studierte von 1975 bis 1978 Schauspiel am Konservatorium Wien, er war von 1993 bis 1999 unter Claus Peymann festes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, wo er in 17 Stücken insgesamt 24 Rollen verkörperte. In der Saison 2013/14 verkörperte er am Volkstheater die Titelrolle im „Woyzeck“, wofür er 2014 den Dorothea-Neff-Preis für die beste schauspielerische Leistung erhielt.

Nurettin Kalfa und Bernd Sračnik.
Nurettin Kalfa und Bernd Sračnik.

Nurettin Kalfa wurde 1993 in Hohenems geboren, studierte an der „Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst“ in Stuttgart und spielte unter anderen an den Kammerspielen in München sowie im Theaterhaus Stuttgart.

Der 54-jährige Bernd Sračnik ist seit 1987 Schauspieler in der freien Szene (Theater im Keller, Theater am Ortweinplatz, steirischer herbst und viele mehr) tätig. Hinzu kommen Eigenproduktionen mit seiner Ehefrau Ute Walluschek-Wallfeld sowie zahlreiche Lesungsprojekte, unter anderen mit den Smart Metal Hornets.

“escorial”

Darsteller: Haymon M. Buttinger, Bernd Sračnik, Nurettin Kalfa

Regie: Augustin Jagg

Bühne: Stefan Pfeistlinger

Dramaturgie: Hubert Dragaschnig

Kostüm: Nicole Wehinger

Musik: Herwig Hammerl

Premiere: 17.11., 20 Uhr

Weitere Termine

19.11., 20 Uhr

20.11., 17 Uhr

25.11., 20 Uhr  

26.11., 20 Uhr  

27.11., 17 Uhr

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