Nach dem Mutter-Kind-Pass kommt der Eltern-Kind-Pass

VN / 17.11.2022 • 04:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach fast 50 Jahren wird der Mutter-Kind-Pass auch digital. <span class="copyright">APA</span>
Nach fast 50 Jahren wird der Mutter-Kind-Pass auch digital. APA

Erweitertes Leistungsangebot, aber noch keine Festlegung auf höhere Arzttarife.

Dornbirn Wien Das war, nach Drohungen aus der Ärzteschaft, den Vertrag zu lösen, wohl zu erwarten, es ging dann aber doch erstaunlich schnell.

Gestern Mittwoch kündigte die Bundesregierung an, den Mutter-Kind-Pass zu reformieren. Ab 2024 soll er Eltern-Kind-Pass heißen, in digitaler Form vorliegen, erweiterte Leistungen beinhalten und den Ärzten nach mehr als einem Vierteljahrhundert mehr Geld bringen. Während die ersten Punkte fix sind, bleibt die Höhe des Ärztehonorars die große Unbekannte. Sie muss nämlich erst zwischen Ärztekammer und Sozialversicherung verhandelt werden. Das erzürnt die Ärztevertreter. „Wird die Tariffrage nicht fair und leistungsgerecht gelöst, wird es die Erweiterungen nicht geben, und die beschlossenen Vertragskündigungen werden schlagend”, stellte Edgar Wutscher, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, der Politik die Rute ins Fenster.

Noch kein Druck

Der Vorarlberger Ärztekammerpräsident Burkhard Walla kann den Ärger nachvollziehen. Ohne über die künftigen Tarife Bescheid zu wissen, lasse sich die Reform nicht bewerten. Dafür müsse erst das Ergebnis der Verhandlungen abgewartet werden. In Vorarlberg ist laut Walla kein Druck gegeben. Die Ärzte hier erhalten für Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen neben dem Bundes- auch ein Landeshonorar, das noch mit der damaligen Gebietskrankenkasse vereinbart wurde. Digitalisierung und Leistungserweiterungen seien zu befürworten, nicht aber die vagen Äußerungen zu den Tarifen. Sollten die diesbezüglichen Verhandlungen keine deutliche Besserstellung bringen, werde man reagieren. Auch Vorarlberg möchte von einer Anhebung des Bundesanteils profitieren. Gesundheitsminister Johannes Rauch bekräftigte, dass es höhere Tarife geben werde. Er könne den Verhandlungen jedoch nicht vorgreifen.

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Ernährungs- und Gesundheitsberatung

Die im Mutter-Kind-Pass vorgeschriebenen Untersuchungen sind verpflichtend, um das Kinderbetreuungsgeld vollständig zu erhalten. Diese Leistungen werden künftig um eine psychosoziale Beratung, ein weiteres Hebammengespräch, eine zusätzliche Ultraschall-Untersuchung und ein zusätzliches Hörscreening für Neugeborene erweitert. Auch das Angebot einer Elternberatung sowie einer Ernährungs- und Gesundheitsberatung werden aufgenommen. Für die Digitalisierung des künftigen Eltern-Kind-Passes gibt es einmalig 10 Millionen Euro aus EU-Mitteln. Mit der Digitalisierung soll die Dokumentation der Untersuchungsergebnisse verbessert werden.

Das Jahresbudget für die Leistungen des Mutter-Kind-Passes umfasst derzeit 62 Millionen Euro. Die Ausgaben für die zusätzlichen Leistungen sind abhängig von der Inanspruchnahme von Beratungen sowie von Honorarverhandlungen mit den Leistungsträgern.

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher begrüßt vor allem die inhaltliche Erweiterung. Gerade die Ausweitung im Bereich der psychosozialen Beratungen, das zusätzliche Hebammengespräch sowie das Hörscreening für Neugeborene seien langjährige Wünsche. Dass die Familienberatungsstellen zielgerichtet auch für finanzielle Lebensplanungen informieren, stellt für Rüscher eine wichtige Maßnahme gegen Altersarmut dar. “Wir sind außerdem zuversichtlich, dass die finanzielle Ausgestaltung zwischen Bund, Sozialversicherung und Ärztekammern in Kürze positiv abgeschlossen wird”, sagt Martina Rüscher.

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